Plattdeutsch
in der Schule
Gliederung
1.
Platt-AG erstellt Unterrichtsmaterialien für die Grundschule
2.
Plattdeutsch-CD über das variantenreiche Grafschafter Platt
3.Vorlese-Wettbewerb
"Schüler
lesen Platt"
4.
Platt-AG im Internet
5. Zum Stand
des Plattdeutschen an Grafschafter Grundschulen
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1. Platt-AG erstellt
Unterrichtsmaterialien für die Grundschule
von
Hubert Titz (Quelle: Der Grafschafter, November 2010)
Auf
Einladung von Landrat Friedrich
Kethorn besuchte am 15. September
2010 Frau Grete Saathoff
von der Grundschule Simonswolde
(Ostfriesland) den Landkreis Grafschaft Bentheim. Im großen
Sitzungssaal der Kreisverwaltung in Nordhorn hielt Saathoff als
ausgewiesene Expertin für plattdeutschen Unterricht vor zirka 40
geladenen Grundschullehrern in Anwesenheit der beiden Schulräte Beate Pophanken und Udo Tiemann sowie
Mitgliedern der Plattdeutsch-AG einen bemerkenswerten Vortrag über
bilingualen Unterricht und ihre Erfahrungen bezüglich des
Einsatzes plattdeutscher Unterrichtsmaterialien an Grundschulen.
Gekommen war Saathoff
auf Empfehlung des "Plattdüskbüros" der Ostfriesischen
Landschaft Aurich. Für ihren unermüdlichen schulischen
Einsatz zur Förderung der plattdeutschen Sprache war sie im Jahre
2009 mit dem "Keerlke-Preis" der
Ostfriesischen Landschaft durch Frau Cornelia Nath ausgezeichnet
worden. Der Preis ging in jenem Jahr "an de, de de Vorriederkes
för de mehrsprakige Grundschool in Ostfriesland zünd" (Zitat Nath).
Saathoff
erläuterte, dass man an der Grundschule Simonswalde im Jahr 2001
damit begonnen habe, im Rahnmen eines Projektes zur Förderung von
Minderheitensprachen bilingualen Unterricht mit Plattdeutsch
durchzuführen. Die wissenschaftliche Begleitung habe Professor Henning Wode aus Kiel
geleistet. Die sogenannte "Inmersionsmethode" bedeute in Sprache
"baden", in sie "eintauchen". Die zu erlernende Sprache sei
Unterrichtssprache. Die Kinder erschlössen sich die Sprache aus
dem Zusammenhang selbst. Vokabeln und Grammatik ständen nicht im
Vordergrund, sondern die Lernunterstützung erfolge durch Zeigen
und Vormachen. Lernmöglichkeiten beständen viele, angefangen
von Farben, Formen, Körperteilen und Zahlen bis hin zu
Rätseln oder mathematischen Sachaufgaben.
Unterrichtsmaterialien seien schließlich dermaßen zu
konzipieren, dass diese den Spracherwerb statt der Spracbegegnung, wie
noch in Erlassen des Niedersächsischen Kultusministeriums
gefordert, fördern. Zudem müsse das Lernen spielerisch und
akzentfrei erfolgen, die sprachliche und auf Erkentnissen beruhende
Entwicklung der Kinder unterstützen, die Muttersprache durch den
Erwerb einer zweiten Sprache stärken, die soziale Kompetenz
fördern und die Wahrnehmung für frmde Sprachen und Kulturen
öffnen.
Schulrat Tiemann
machte allerdings deutlich, dass Plattdeutsch in Form von bilingualen
Unterricht bei der Kultusbehörde derzeit auf wenig Gegenliebe
stoße. Allerdings unterstütze auch er die Entwicklung
von Unterrichtsmaterialien für den schulischen Einsatz im
wahlfreien Bereich des Unterrichtsangebotes in der Grundschule. Hieran
schloss sich eine lebhafte Diskussion mit den geladenen Gästen an.
Schließlich dankte Landrat Kethorn Frau Saathoff herzlich für
ihr Kommen und ihr großes Engagement und überreichte ihr ein
Buchgeschenk zur Erinnerung an ihren Besuch in der Grafschaft Bentheim.
Im Rahmen der Platt-AG Grafschaft Bentheim kümmert sich derzeitig
eine Gruppe um die Uelsenerin Fenna
Friedrich um das Zusammentragen, die Aufbereitung und die
Neuerstellung von Unterrichtsmaterialien zur Förderung des
Unterrichts in plattdeutscher Sprache.
Quelle
siehe auch: GW, 22.9.2010)
2.
Plattdeutsch-CD über das variantenreiche Grafschafter Platt
von Albert Rötterink "Quelle: Der
Grafschafter, Dezember 2010)
Der Groafschupper Plattproater
Kring hat als Ergänzung zum Wörtebuch
Hochdeutsch-Plattdeutsch eine Plattdeutsch-CD über das
variantenreiche Grafschafter Platt herausgegeben. Viele Gründe
sind es, die den Groafschuupper Plattproater Kring zur Herausgabe
dieser CD veranlasst haben. In erster Linie sind es die sprachlichen
Unterschiede innerhalb des Grafschafter Platts.
Das Platt ist nicht nur eine eigenständige Sprache, sondern auch
sehr vielfältig und nuancenreich. Um das zu erkennen und
insbesondere hören zu können, werden mit dieser CD die
sprachlichen Unterschiede zwischen den einzelnen Ortschaften und
Kirchspielen herausgestellt, welchem man im Wörterbuch nicht
Rechnung tragen konnte. Für die Kinder ist es wichtig, zu
hören, warum Oma und Opa ihr Platt auf ihre Weise aussprechen und
nicht anders. Deshalb sollte diese CD in den Kindertageseinrichtungen,
Schulen und auch zu Hause zusätzlich zum Wörterbuch
Verwendung finden.
Rund 20 Personen aus allen Teilen der Grafschaft, von Laar bis Ohne und
von Neuringe bis Wielen, haben in ihrer jeweiligen Ausdrucksweise auf
der CD einen kurzen Text gesprochen, aufgelockert durch einige kleine
Gesangseinlagen der Grundschule Wilsum.
Die CD wird wiederum wie auch im letzten Jahr das Wörterbuch an
Kindertageseinrichtungen und Schulen, die Plattdeutsch in ihren
Einrichtungen anbieten, kostenlos verteilt. Zusätzlich ist sie
für Interessierte im Grafschafter Buchhandel und beim
Groafschupper Plattproater Kring selbst zum Preis von sechs Euro
erhältlich.
2010
- Die CD über das Grafschafter Platt wurde am 18. November 2010 im
Dorfgemeinschaftshaus Osterwald vorgestellt. Der Vorsitzende des
Plattproater Kring, Albert
Rötterink aus Emlichheim, konnte hier nahezu 300 geladene
Gäste, Kinder, Eltern, Lehrer, Erzieherinnen der
Kindertageseinrichtungen, Personen aus Politik und Verwaltung und
Förderer der plattdeutschen Sprache begrüßen. Das
umfangreiche Rahmenprogramm wurde zum größtenTeil von rund
100 Kindern im Alter von drei bis zehn Jahren von mehreren
Grundschulen, dem ortsansässigen Kindergarten Osterwald und einer
Tanzgruppe des Heimatvereins Brandlecht/ Hestrup gestaltet (GN, 23.11.;
GW,
24.11.2010; Der Grafschafter, Januar 2011)
Foto: Privat
Kring-Vorsitzender
Albert
Rötterink aus Emlichheim überreicht der Lehrerin Janette Boerrigter von der
Grundschule Wilsum die erste CD, stellvertretend für alle
Schulen und Kindertageseinrichtungen
2011 - 3.Vorlese-Wettbewerb
"Schüler
lesen Platt"
Auch
in diesem Jahr veranstaltet die Kreissparkasse Grafschaft Bentheim in
Zusammenarbeit mit dem Heimatverein den Vorlese-Wettbewerb
"Schüler
lesen Platt". Alle zwei Jahre mobilisiert dieser
Vorlese-Wettbewerb rund 20 000 Schüler aus ganz Niedersachsen.
Alle Beteiligten Schüler und Lehrer, wollen durch ihre Teilnahme
und ihr Engagement einen bedeutenden Beitrag zur Pflege der
plattdeutschen Sprache leisten (GN, 12.2.2011). Der Bezirksentscheid fand unter der
Leitung von Ludger Abeln,
Moderator der Sendung "Hallo Niesdersachsen" im Nordhorner KTS
statt. In der Altersklasse des 3. Schuljahres wurde Joss Legtenborg von der Grundschule Wilsum Bezirksmeister,
des 4.Schuljahres Lars
Hesselink ebenfalls von der Grundschule Wilsum. Bezirksmeister
in der Altersklasse 7. und 8. Schuljahr wurde Louise Reefmann vom Gymnasium Emlichheim, in der
Altersklasse 11. bis 13. Schuljahr Helge Gövert vom Lise-Meitner-Gymnasium in Neuenhaus.
Die Sieger werden am 22.Juni nach Stade zum Landesentscheid fahren (GN,
4.6.2011).
4. Platt-AG im
Internet
Nunmehr ist die Platt-AG der
Grafschaft Bentheim auch im Internet zu finden. Unter der
Adresse www.kiek-is-an.de finden
Sie aktuelle Informationen. Zu danken ist das dem Nordhorner Klaus Vorrink und dem
Neuenhauser Bernd Vette,
die ehrenamtlich die Platt-Präsenz im Internet erarbeitet und
gestaltet haben. Die Seite informiert über Projekte und Termine
und Bemühungen um des Spracherhalt in der Grafschaft.
Übrigens: "Kiek is an" ist ein typisch plattdeutscher Ausdruck des
Staunens, sich Wunderns und der Neugierde auf etwas Neues, Erweckendes!
(GN und GW,30.3.2011)
5.
Zum Stand
des Plattdeutschen an Grafschafter Grundschulen
Arbeitsgruppe
"Plattdeutsch-Befragung" führte mit Universität
Kiel Frageaktion durch
von Bernhard Robben
in: Der Grafschafter 6/2011
"Sprache ist ohne Zweifel das höchste Kulturgut des
Menschen. Und da verschwindet eine über jahrhunderte angestammte
Regionalsprache innerhalb weniger Jahrzehnte fast völlig.
Sprachwissenschaftlich ist das jedoch kaum dokumentiert. Das trifft
zumindest auf die Grafschaft Bentheim zu. Etwas anders sieht es da im
angrenzenden Emsland und dem südlicher gelegenen
Westmünsterland aus. Dort sind Ende der 1980er Jahre umfassende
Bestandsaufnahmen bei allen Kindern des vierten Schuljahres
durchgeführt und ausgewertet worden. Die damaligen Ergebnisse der
kombinierten Schüler- und Elternbefragung im Emsland (1989) waren
ernüchternd: Nur noch drei Prozent der damals zehnjährigen
Kinder konnte wirklich Plattdeutsch sprechen.
Allerdings war nicht vermutet worden, dass 42 Prozent der Kinder gut
Plattdeutsch verstehen konnten. Insgesamt 55 Prozent der Eltern
sprachen gut Platt. Innerhalb einer Generation hat sich also ein solch
rasanter Rückgang vollzogen. Die Rücklaufquote der
freiwilligen Elternbefragung war jedoch erstaunlich positiv: 87 Prozent
der Eltern antworteten, und sie wünschten sich zu 67 Prozent eine
Behandlung des Plattdeutschen im Unterricht. So etwa nach dem Motto:
Ist mein Kind erst einmal in der Schule, kann der Umgang mit dem
Plattdeutschen nichts Negatives mehr anrichten in der Sprachbildung,
die Schulen mögen das mal schnell richten. Hier zeigte sich
jedoch, wenn die Mutter (also das Elternhaus) als Sprachvermittlerin
ausfällt, kann das Plattdeutsche nicht mehr "Mutter"sprache sein.
Da im Emsland diese Untersuchung mittlerweile mehr als 20 Jahre her
ist, bot es sich an, in einer Art Kurzbefragung in den Kollegien der
Grundschulen sich zu erkundigen, wie es gegenwärtig um die
plattdeutschen Aktivitäten und Kompetenzen bei Schülern und
Lehrern steht, wobei nun die Grafschaft ebenfalls in die anonyme
Befragung mit einbezogen wurde. Initiator hierbei war die Arbeitsgruppe
"Plattdeutschbefragung" in Zusammenarbeit mit der Universität Kiel
und dem Landkreis Emsland. Bei der Durchführung hat sich gezeigt,
dass die Ausweitung dieser Untersuchung auf das Bentheimer Land sehr
sinnvoll war. Sie ist dort in den Schulen auf deutlch stärkeres
Interesse und größere Akzeptanz gestoßen als im
Landkreis Emsland. 25 von 31 angeschriebenen Schulen haben bislang
geantwortet.
Zu den Ergebnissen:
Als wichtigster Indikator für plattdeutsche Aktivitäten an
einer Schule kann die Einrichtung einer plattdeutschen Arbeitsgemeinschaft
gelten. Diese besteht zur Zeit an neun Grafschafter Schulen. In einer
Schule wird diese AG nach Bedarf angeboten. In 13 Schulen gibt es
dieses Angebot nicht. Das Angebot der Sparkassen "Schüler lesen Platt" wird von
acht Schule angenommen. Überdies meinen die Lehrerkollegien von 18
Schulen, dass dieser Wettbewerb noch zeitgemäß ist. Eine
sicher wichtige Frage war, ob Plattdeutsch an der jeweiligen Schule im
Laufe der Grundschulzeit irgendwann ein festes Unterrichtsthema ist. Hier
war die Antwort recht ernüchternd. Nur drei Schulen bejagen diese
Frage, an 22 Schulen ist dies nicht der Fall.
Lediglich sieben Grafschafter Bildungseinrichtungen besitzen ein plattdeutsches Lesebuch im
Klassensatz, nur in eine Schule wird es häufiger gebraucht (in
vier Schulen selten). Über ein plattdeutsches
Liederbuch mit einer CD verfügen 14 Schulen, an sechs
Schulen wird es öfters, an sieben Schulen wird es eher selten
eingesetzt. Vier Schulen holten außerschulische
Plattsprecher in den Unterricht. 15 Schulen machen von dieser
Möglichkeit keinen Gebrauch, fünf Kollegien bedienen sich
dieser Unterrichtsmethode eher selten. Eine entscheidende Frage an die
Pädagogen ist sicherlich auch, ob sie angesichts der vorgegebenen
Themenvielfalt "Plattdeutsch" im
Unterricht von heute noch für sinnvoll bzw. notwendig halten.
Davon war die Mehrheit von 15 Kollegien doch überzeugt.
Allerdings bezeifelt die überwiegende Mehrheit der Lehrpersonen
(16 Schulen), dass der Elternwunsch zur Behandlung das Plattdeutschen
in der Schule heute noch bei 68 Prozent - wie damals im Landkreis
Emsland - liegt. Nun kommtdie Kernfrage: "Kennen Sie Kinder an Ihrer Schule, die
gute Plattdeutschsprecher sind?" Immerhin an zwölf Schulen
wird diese Frage mit Nein beantwortet. Also nur an der Hälfte der
Schulen sind einige wenige Kinder bekannt, die noch gut Platt sprechen
können. Lediglich an neun Schulen wurden Erfahrungen gemacht, dass
die Mädchen und Jungen Plattdeutsch
verstehen können.
Auch die Plattdeutschkompetenz der
Lehrkräfte wurde abgefragt. In vier Kollegien fand sich
kein Plattsprecher. In den meisten Schulen gibt hingegen gleich mehrere
Lehrpersonen, die Plattdeutsch sprechen können. Verstehen kann es
offensichtlich fast die Hälfte. Quintesenz:
Obwohl in der
Grafschaft offensichtlich noch ein größeres Interesse am
Kulturgut Plattdeutsch besteht als in anderen Regionen - was ich
seinerzeit bei der Herausgabe des Buches "Watt, de kann Platt" sehr
deutlich auch verspürt habe - bestätigen obige
Befragungsergebnisse die Erkenntnisse aus anderen niederdeutschen
Sprachgebieten: Plattdeutsch ist bei den Heranwachsenden bis auf
geringste
Restkenntnisse nicht mehr vorhanden, und wir Omas und Opas werden
unsere geliebte Mutterspraxche nicht mehr ausreichend an unsere Enkel
weitergeben können.
Was kann man da noch
machen? Klar ist, dass die Lehrpersonen im heutigen
Alltag mit der übrigen Unterrichtsfülle so ausgelastet sind,
dass für dieses Thema kaum noch Platz ist. Es sollte sich die
Erkenntnis durchstzen, den Kindern von heute - etwa einmal im Jahr -
wenistens zu vermitteln: Plattdeutsch war über Jahrhunderte die
Sprache in diese Region auch über die holländische Grenze
hinweg. Hier könnten die Heimatvereine die Schulen
unterstützen, beispielsweise durch das Angebot eines
plattdeutschen Repertoires in den Bereichen Tanzen, Singen, Sketsch-
und
Textvortrag. Sie könnten dabei den Schulen einen "plattdeutschen
Vormittag"anbieten, der Schüler und Lehrer begeistert.
Versierte pensionierte Lehrpersonen mit ausgezeichneten
Plattdeutschkenntnissen und pädagogischen Geschick stehen
sichelich für die Beratung und Einweisung zur Hilfe bereit. Ebenso
wäre denkbar, Plattdeutschsprecher für einen
Unterrichtsbesuch anzubieten. Wie wäre das: Großeltern mit
ihren Enkeln gemeinsam beim "Danz up de Deel" in der Turnhalle
beim jährlichen schulischen Plattdeutschfest (2 - 3 Schulstunden).
So bliebe wenigstens in Erinnerung, was das Plattdeutsche einmal
für die Grafschaft war. Ein ausführlichere Auswertung der
Umfrage wird im kommenden Band 18 der "Emsländischen Geschichte"
Ende des Jahres veröffentlicht".
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