Grafschafter Schulgeschichte

Schöltien 

Wielen

Schule Hesepe 

1960

Gymnasium

Nordhorn 1960

Alte Schule Lage 

1691 - 1960

Schule Achterberg

ca. 1935

Schule Wilsum 

um 1900

Kirchschule Schüttorf um 1900

Einzelberichte zur Grafschafter Schulgeschichte

Plattdeutsch in der Schule
Gliederung

1. Platt-AG erstellt Unterrichtsmaterialien für die Grundschule
2. Plattdeutsch-CD über das variantenreiche Grafschafter Platt
3.Vorlese-Wettbewerb "Schüler lesen Platt"
4. Platt-AG im Internet
5. Zum Stand des Plattdeutschen an Grafschafter Grundschulen

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1. Platt-AG erstellt Unterrichtsmaterialien für die Grundschule
von Hubert Titz  (Quelle: Der Grafschafter, November 2010)

Auf Einladung von Landrat Friedrich Kethorn besuchte am 15. September 2010 Frau Grete Saathoff von der Grundschule Simonswolde (Ostfriesland) den Landkreis Grafschaft Bentheim. Im großen Sitzungssaal  der Kreisverwaltung in Nordhorn hielt Saathoff als ausgewiesene Expertin für plattdeutschen Unterricht vor zirka 40 geladenen Grundschullehrern in Anwesenheit der beiden Schulräte Beate Pophanken und Udo Tiemann sowie Mitgliedern der Plattdeutsch-AG einen bemerkenswerten Vortrag über bilingualen Unterricht und ihre Erfahrungen bezüglich des Einsatzes plattdeutscher Unterrichtsmaterialien an Grundschulen.
Gekommen war Saathoff auf Empfehlung des "Plattdüskbüros" der Ostfriesischen Landschaft Aurich. Für ihren unermüdlichen schulischen Einsatz zur Förderung der plattdeutschen Sprache war sie im Jahre 2009 mit dem "Keerlke-Preis" der Ostfriesischen Landschaft durch Frau Cornelia Nath ausgezeichnet worden. Der Preis ging in jenem Jahr "an de, de de Vorriederkes för de mehrsprakige Grundschool in Ostfriesland zünd" (Zitat Nath).
Saathoff erläuterte, dass man an der Grundschule Simonswalde im Jahr 2001 damit begonnen habe, im Rahnmen eines Projektes zur Förderung von Minderheitensprachen bilingualen Unterricht mit Plattdeutsch durchzuführen. Die wissenschaftliche Begleitung habe Professor Henning Wode aus Kiel geleistet. Die sogenannte "Inmersionsmethode" bedeute in Sprache "baden", in sie "eintauchen". Die zu erlernende Sprache sei Unterrichtssprache. Die Kinder erschlössen sich die Sprache aus dem Zusammenhang selbst. Vokabeln und Grammatik ständen nicht im Vordergrund, sondern die Lernunterstützung erfolge durch Zeigen und Vormachen. Lernmöglichkeiten beständen viele, angefangen von Farben, Formen, Körperteilen und Zahlen bis hin zu Rätseln oder mathematischen Sachaufgaben.
Unterrichtsmaterialien seien schließlich dermaßen zu konzipieren, dass diese den Spracherwerb statt der Spracbegegnung, wie noch in Erlassen des Niedersächsischen Kultusministeriums gefordert, fördern. Zudem müsse das Lernen spielerisch und akzentfrei erfolgen, die sprachliche und auf Erkentnissen beruhende Entwicklung der Kinder unterstützen, die Muttersprache durch den Erwerb einer zweiten Sprache stärken, die soziale Kompetenz fördern und die Wahrnehmung für frmde Sprachen und Kulturen öffnen.
Schulrat Tiemann machte allerdings deutlich, dass Plattdeutsch in Form von bilingualen Unterricht bei der Kultusbehörde derzeit auf wenig Gegenliebe stoße. Allerdings unterstütze auch er  die Entwicklung von Unterrichtsmaterialien für den schulischen Einsatz im wahlfreien Bereich des Unterrichtsangebotes in der Grundschule. Hieran schloss sich eine lebhafte Diskussion mit den geladenen Gästen an. Schließlich dankte Landrat Kethorn Frau Saathoff herzlich für ihr Kommen und ihr großes Engagement und überreichte ihr ein Buchgeschenk zur Erinnerung an ihren Besuch in der Grafschaft Bentheim.
Im Rahmen der Platt-AG Grafschaft Bentheim kümmert sich derzeitig eine Gruppe um die Uelsenerin Fenna Friedrich um das Zusammentragen, die Aufbereitung und die Neuerstellung von Unterrichtsmaterialien zur Förderung des Unterrichts in plattdeutscher Sprache.
Quelle siehe auch: GW, 22.9.2010)

2. Plattdeutsch-CD über das variantenreiche Grafschafter Platt
von Albert Rötterink  "Quelle: Der Grafschafter, Dezember 2010)

Der Groafschupper Plattproater Kring hat als Ergänzung zum Wörtebuch Hochdeutsch-Plattdeutsch  eine Plattdeutsch-CD über das variantenreiche Grafschafter Platt herausgegeben. Viele Gründe sind es, die den Groafschuupper Plattproater Kring zur Herausgabe dieser CD veranlasst haben. In erster Linie sind es die sprachlichen Unterschiede innerhalb des Grafschafter Platts.
Das Platt ist nicht nur eine eigenständige Sprache, sondern auch sehr vielfältig und nuancenreich. Um das zu erkennen und insbesondere hören zu können, werden mit dieser CD die sprachlichen Unterschiede zwischen den einzelnen Ortschaften und Kirchspielen herausgestellt, welchem man im Wörterbuch nicht Rechnung tragen konnte. Für die Kinder ist es wichtig, zu hören, warum Oma und Opa ihr Platt auf ihre Weise aussprechen und nicht anders. Deshalb sollte diese CD in den Kindertageseinrichtungen, Schulen und auch zu Hause zusätzlich zum Wörterbuch Verwendung finden.
Rund 20 Personen aus allen Teilen der Grafschaft, von Laar bis Ohne und von Neuringe bis Wielen, haben in ihrer jeweiligen Ausdrucksweise auf der CD einen kurzen Text gesprochen, aufgelockert durch einige kleine Gesangseinlagen der Grundschule Wilsum.
Die CD wird wiederum wie auch im letzten Jahr
das Wörterbuch an Kindertageseinrichtungen und Schulen, die Plattdeutsch in ihren Einrichtungen anbieten, kostenlos verteilt. Zusätzlich ist sie für Interessierte im Grafschafter Buchhandel und beim Groafschupper Plattproater Kring selbst zum Preis von sechs Euro erhältlich.

2010 - Die CD über das Grafschafter Platt wurde am 18. November 2010 im Dorfgemeinschaftshaus Osterwald vorgestellt. Der Vorsitzende des Plattproater Kring, Albert Rötterink aus Emlichheim, konnte hier nahezu 300 geladene Gäste, Kinder, Eltern, Lehrer, Erzieherinnen der Kindertageseinrichtungen, Personen aus Politik und Verwaltung und Förderer der plattdeutschen Sprache begrüßen. Das umfangreiche Rahmenprogramm wurde zum größtenTeil von rund 100 Kindern im Alter von drei bis zehn Jahren von mehreren Grundschulen, dem ortsansässigen Kindergarten Osterwald und einer Tanzgruppe des Heimatvereins Brandlecht/ Hestrup gestaltet (GN, 23.11.; GW, 24.11.2010; Der Grafschafter, Januar 2011)

Foto: Privat
Kring-Vorsitzender Albert Rötterink aus Emlichheim überreicht der Lehrerin Janette Boerrigter von der Grundschule Wilsum  die erste CD, stellvertretend für alle Schulen und Kindertageseinrichtungen

2011 - 3.Vorlese-Wettbewerb "Schüler lesen Platt"
Auch in diesem Jahr veranstaltet die Kreissparkasse Grafschaft Bentheim in Zusammenarbeit mit dem Heimatverein den Vorlese-Wettbewerb "Schüler lesen Platt". Alle zwei Jahre mobilisiert dieser Vorlese-Wettbewerb rund 20 000 Schüler aus ganz Niedersachsen. Alle Beteiligten Schüler und Lehrer, wollen durch ihre Teilnahme und ihr Engagement einen bedeutenden Beitrag zur Pflege der plattdeutschen Sprache leisten (GN, 12.2.2011). Der Bezirksentscheid fand unter der Leitung von Ludger Abeln, Moderator der Sendung "Hallo Niesdersachsen"  im Nordhorner KTS statt. In der Altersklasse des 3. Schuljahres wurde Joss Legtenborg von der Grundschule Wilsum Bezirksmeister, des 4.Schuljahres Lars Hesselink ebenfalls von der Grundschule Wilsum. Bezirksmeister in der Altersklasse 7. und 8. Schuljahr wurde Louise Reefmann  vom Gymnasium Emlichheim, in der Altersklasse 11. bis 13. Schuljahr Helge Gövert vom Lise-Meitner-Gymnasium in Neuenhaus. Die Sieger werden am 22.Juni nach Stade zum Landesentscheid fahren (GN, 4.6.2011).

4. Platt-AG im Internet
Nunmehr ist die Platt-AG der Grafschaft Bentheim auch im Internet zu finden. Unter der Adresse www.kiek-is-an.de finden Sie aktuelle Informationen. Zu danken ist das dem Nordhorner Klaus Vorrink und dem Neuenhauser Bernd Vette, die ehrenamtlich die Platt-Präsenz im Internet erarbeitet und gestaltet haben. Die Seite informiert über Projekte und Termine und Bemühungen um des Spracherhalt in der Grafschaft. Übrigens: "Kiek is an" ist ein typisch plattdeutscher Ausdruck des Staunens, sich Wunderns und der Neugierde auf etwas Neues, Erweckendes! (GN und GW,30.3.2011)

5. Zum Stand des Plattdeutschen an Grafschafter Grundschulen
Arbeitsgruppe "Plattdeutsch-Befragung" führte mit Universität Kiel Frageaktion durch
von Bernhard Robben in: Der Grafschafter 6/2011

"Sprache ist ohne Zweifel das höchste Kulturgut des Menschen. Und da verschwindet eine über jahrhunderte angestammte Regionalsprache innerhalb weniger Jahrzehnte fast völlig. Sprachwissenschaftlich ist das jedoch kaum dokumentiert. Das trifft zumindest auf die Grafschaft Bentheim zu. Etwas anders sieht es da im angrenzenden Emsland und dem südlicher gelegenen Westmünsterland aus. Dort sind Ende der 1980er Jahre umfassende Bestandsaufnahmen bei allen Kindern des vierten Schuljahres durchgeführt und ausgewertet worden. Die damaligen Ergebnisse der kombinierten Schüler- und Elternbefragung im Emsland (1989) waren ernüchternd: Nur noch drei Prozent der damals zehnjährigen Kinder konnte wirklich Plattdeutsch sprechen.
Allerdings war nicht vermutet worden, dass 42 Prozent der Kinder gut Plattdeutsch verstehen konnten. Insgesamt 55 Prozent der Eltern sprachen gut Platt. Innerhalb einer Generation hat sich also ein solch rasanter Rückgang vollzogen. Die Rücklaufquote der freiwilligen Elternbefragung war jedoch erstaunlich positiv: 87 Prozent der Eltern antworteten, und sie wünschten sich zu 67 Prozent eine Behandlung des Plattdeutschen im Unterricht. So etwa nach dem Motto: Ist mein Kind erst einmal in der Schule, kann der Umgang mit dem Plattdeutschen nichts Negatives mehr anrichten in der Sprachbildung, die Schulen mögen das mal schnell richten. Hier zeigte sich jedoch, wenn die Mutter (also das Elternhaus) als Sprachvermittlerin ausfällt, kann das Plattdeutsche nicht mehr "Mutter"sprache sein.
Da im Emsland diese Untersuchung mittlerweile mehr als 20 Jahre her ist, bot es sich an, in einer Art Kurzbefragung in den Kollegien der Grundschulen sich zu erkundigen, wie es gegenwärtig um die plattdeutschen Aktivitäten und Kompetenzen bei Schülern und Lehrern steht, wobei nun die Grafschaft ebenfalls in die anonyme Befragung mit einbezogen wurde. Initiator hierbei war die Arbeitsgruppe "Plattdeutschbefragung" in Zusammenarbeit mit der Universität Kiel und dem Landkreis Emsland. Bei der Durchführung hat sich gezeigt, dass die Ausweitung dieser Untersuchung auf das Bentheimer Land sehr sinnvoll war. Sie ist dort in den Schulen auf deutlch stärkeres Interesse und größere Akzeptanz gestoßen als im Landkreis Emsland. 25 von 31 angeschriebenen Schulen haben bislang geantwortet.
Zu den Ergebnissen: Als wichtigster Indikator für plattdeutsche Aktivitäten an einer Schule kann die Einrichtung einer plattdeutschen Arbeitsgemeinschaft gelten. Diese besteht zur Zeit an neun Grafschafter Schulen. In einer Schule wird diese AG nach Bedarf angeboten. In 13 Schulen gibt es dieses Angebot nicht. Das Angebot der Sparkassen "Schüler lesen Platt" wird von acht Schule angenommen. Überdies meinen die Lehrerkollegien von 18 Schulen, dass dieser Wettbewerb noch zeitgemäß ist. Eine sicher wichtige Frage war, ob Plattdeutsch an der jeweiligen Schule im Laufe der Grundschulzeit irgendwann ein festes Unterrichtsthema ist. Hier war die Antwort recht ernüchternd. Nur drei Schulen bejagen diese Frage, an 22 Schulen ist dies nicht der Fall.
Lediglich sieben Grafschafter Bildungseinrichtungen besitzen ein plattdeutsches Lesebuch im Klassensatz, nur in eine Schule wird es häufiger gebraucht (in vier Schulen selten). Über ein plattdeutsches Liederbuch mit einer CD verfügen 14 Schulen, an sechs Schulen wird es öfters, an sieben Schulen wird es eher selten eingesetzt. Vier Schulen holten außerschulische Plattsprecher in den Unterricht. 15 Schulen machen von dieser Möglichkeit keinen Gebrauch, fünf Kollegien bedienen sich dieser Unterrichtsmethode eher selten. Eine entscheidende Frage an die Pädagogen ist sicherlich auch, ob sie angesichts der vorgegebenen Themenvielfalt "Plattdeutsch" im Unterricht von heute noch für sinnvoll bzw. notwendig halten. Davon war die Mehrheit von 15 Kollegien doch überzeugt.
Allerdings bezeifelt die überwiegende Mehrheit der Lehrpersonen (16 Schulen), dass der Elternwunsch zur Behandlung das Plattdeutschen in der Schule heute noch bei 68 Prozent - wie damals im Landkreis Emsland - liegt. Nun kommtdie Kernfrage: "Kennen Sie Kinder an Ihrer Schule, die gute Plattdeutschsprecher sind?" Immerhin an zwölf Schulen wird diese Frage mit Nein beantwortet. Also nur an der Hälfte der Schulen sind einige wenige Kinder bekannt, die noch gut Platt sprechen können. Lediglich an neun Schulen wurden Erfahrungen gemacht, dass die Mädchen und Jungen Plattdeutsch verstehen können.
Auch die Plattdeutschkompetenz der Lehrkräfte wurde abgefragt. In vier Kollegien fand sich kein Plattsprecher. In den meisten Schulen gibt hingegen gleich mehrere Lehrpersonen, die Plattdeutsch sprechen können. Verstehen kann es offensichtlich fast die Hälfte. Quintesenz: Obwohl in der Grafschaft offensichtlich noch ein größeres Interesse am Kulturgut Plattdeutsch besteht als in anderen Regionen - was ich seinerzeit bei der Herausgabe des Buches "Watt, de kann Platt" sehr deutlich auch verspürt habe - bestätigen obige Befragungsergebnisse die Erkenntnisse aus anderen niederdeutschen Sprachgebieten: Plattdeutsch ist bei den Heranwachsenden bis auf geringste Restkenntnisse nicht mehr vorhanden, und wir Omas und Opas werden unsere geliebte Mutterspraxche nicht mehr ausreichend an unsere Enkel weitergeben können.
Was kann man da noch machen? Klar ist, dass die Lehrpersonen im heutigen Alltag mit der übrigen Unterrichtsfülle so ausgelastet sind, dass für dieses Thema kaum noch Platz ist. Es sollte sich die Erkenntnis durchstzen, den Kindern von heute - etwa einmal im Jahr - wenistens zu vermitteln: Plattdeutsch war über Jahrhunderte die Sprache in diese Region auch über die holländische Grenze hinweg. Hier könnten die Heimatvereine die Schulen unterstützen, beispielsweise durch das Angebot eines plattdeutschen Repertoires in den Bereichen Tanzen, Singen, Sketsch- und Textvortrag. Sie könnten dabei den Schulen einen "plattdeutschen Vormittag"anbieten, der Schüler und Lehrer begeistert.
Versierte pensionierte Lehrpersonen mit ausgezeichneten Plattdeutschkenntnissen und pädagogischen Geschick stehen sichelich für die Beratung und Einweisung zur Hilfe bereit. Ebenso wäre denkbar, Plattdeutschsprecher für einen Unterrichtsbesuch anzubieten. Wie wäre das: Großeltern mit ihren Enkeln gemeinsam beim  "Danz up de Deel" in der Turnhalle beim jährlichen schulischen Plattdeutschfest (2 - 3 Schulstunden). So bliebe wenigstens in Erinnerung, was das Plattdeutsche einmal für die Grafschaft war. Ein ausführlichere Auswertung der Umfrage wird im kommenden Band 18 der "Emsländischen Geschichte" Ende des Jahres veröffentlicht".