Grafschafter Schulgeschichte

Die Entwicklung der Volkshochschule für die Grafschaft Bentheim in Nordhorn

1948 - Professor Rudolf Streller, ehemals Nationalökonom in Halle/ Saale, bietet sich als Volkshochschulleiter an. Seine Denkschrift sieht eigene Volkshochschulen in Schüttorf, Bentheim, Neuenhaus sowie in Nordhorn (mit einer Außenstelle in Emlichheim) vor. Sie sollen einheitlich getragen werden von einem Verein, dem jedermann beitreten kann, in dem aber ein besonderes Kuratorium gebildet wird, bestehend aus Kreis, Kommunen, Parteien, Vertretern der öffentlichen Belange und Industrieunternehmen. Das Haushaltsvolumen schätzt er auf 15 320 Reichsmark. Am 20. Juli beschließt der Rat der Stadt Nordhorn der Errichtung einer Volkshochschule grundsätzlich zuzustimmen. Am 29. Juli wird die Vereinsgründung offiziell vorgenommen. Streller wird mit einer monatlichen Besoldung von 250 D-Mark als Geschäftsführer eingestellt; eine Zimmerecke mit Tisch und Schreibmaschine wird ihm in den Abendstunden im Stadtverwaltungsgebäude eingeräumt. (Darstellung der Geschichte der VHS erfolgt nach folgenden Veröffentlichungen: "Bentheimer Jahrbuch 1986" und "60 Jahre Volkshochschule Grafschaft Bentheim", 2008). Bereits am 20. September beginnt das erste Programm mit 37 Kursen.

1949 - Die Zusammenarbeit mit der gewerkschaftlichen Bildungsbewegung "Arbeit und Leben" beginnt. Entsprechende Abteilungen werden in den Volkshochschulorten des Kreises eingerichtet. Aus Gründen, über die man sich nicht recht einig werden kann, ist dieser Einrichtung in Nordhorn und der Grafschaft allerdings kein großer Erfolg beschieden.

1950 - In Bad Bentheim tut sich die Volkshochschule schwer, in Gang zu kommen. Die Schüttorfer VHS hat zu Jahresbeginn 70 Hörer, die Neuenhauser 30 und die Nordhorner 260.  Die Hörerschaft der Volkshochschule steigt an. Zu den genannten Zahlen kommen noch die 150 Besucher bei jeder Veranstaltung der Reihe "Das Schatzkästlein", bei der eine "Blütenlese der deutschen Literatur und der klassischen Musik" dargeboten wird. Im ganzen Jahr hat die VHS fast 2300 Hörer. Gründer, Organisator und Mitwirker des "Schatzkästleins" und Organisator der Nordhorner "Universitätswochen" ab 1951 ist der Studienrat  Dr. Schaede vom Nordhorner Gymnasium.

1951 - Im Oktober finden die ersten "Nordhorner Universitätswochen" statt. Sieben Professoren (alle aus Göttingen, um Fahrtkosten zu sparen) setzen sich auf den Gebieten Theologie, Psychologie, Medizin, Staatsrecht, Musik, Literatur und Kunst populärwissenschaftlich mit der Moderne auseinander. Die Aula des Nordhorner Gymnasiums platzt aus den Nähten.

1952 - Bei den zweiten Universitätswochen haben Geographie, Biologie, Physik und Atomphysik den Vorrang. Das anspruchsvolle Programm mag eine Ursache für ein diesmal geringeres Interesse sein,

Im großen Textilarbeiterstreik sitzt die VHS - im Trägerverein an die Industrie gebunden, in der praktischen Arbeit mit der Gewerkschaft kooperierend - zwischen den Stühlen: Jede der beiden Seiten wirft ihr vor, es zu sehr mit der anderen Seite zu halten. Die Textilindustrie streicht die Zuschüsse.

1953 - Inzwischen floriert auch die Bentheimer Volkshochschule mit fast ebenso vielen Hörern wie die Nordhorner.

1957 - Rudolf Streller erhält in Osnabrück einen Lehrstuhl für Erwachsenenbildung. Er wird Vorsitzender des VHS- Trägervereins, die Arbeit vor Ort übernimmt bis 1961 der Sparkassenangestellte Hermann Niehoff.

1959 - Die Dozenten rebellieren: Sie wollen nicht mehr für kümmerliche 4,50 Mark pro Unterrichtsstunde arbeiten: die anderweitig inzwischen üblichen 12 bis 15 Mark würden aber womöglich das Aus für die VHS bedeuten. Da kommt es wie gerufen, dass die Streitigkeiten zwischen der Textilindustrie der VHS beigelegt worden sind. Streller zieht sich ganz aus der Grafschafter Volkshochschularbeit zurück. Vereinsvorsitzender wird der Nordhorner Stadtdirektor Steigerthal, Schulleiter der Konrektor Eberhardt Liese, der spätere Schulleiter der Frensdorfer Schule und Bürgermeister der Stadt Nordhorn. Die Zahl der  Kurse sinkt, dennoch stabilisiert sich die Hörerzahl bei 2000.

1961 - Eberhardt Liese übergibt die Geschäftsführung an den Verwaltungsbeamten Rudolf Lübbers. Die Volkshochschule verspürt einen Konkurrenzdruck von Seiten des sich ausweitenden Fernsehens. Vermehrte praktische Kursangebote sind die Antwort auf diesen jungen Konkurrenten. Mit "Deutsch für Italiener" gibt es den ersten Kurs für Gastarbeiter.

1971 - Die Diskussion um die "Bildungskatastrophe" hat die Erwachsenenbildung zum eigenständigen Bildungsbereich werden lassen. Das Niedersächsische Erwachsenenbildungsgesetz von 1970 ermöglicht die Professionalisierung der Erwachsenenbildung. Der Volkshochschulverein zieht hieraus die Konsequenzen und löst sich auf, damit die Stadt Nordhorn in vertraglicher Abstimmung mit dem Landkreis ab 1972 eine neue, auf hauptamtlicher Mitarbeiterschaft basierende, VHS begründen kann. Diese "Volkshochschule der Stadt Nordhorn für den Landkreis Grafschaft Grafschaft Bentheim" gehört zunächst zum Kulturamt der Stadt und wird später ein eigenes Amt.

1973 - Der Diplom-Theologe Wilfried P. Delißen übernimmt die Leitung der VHS Nordhorn.  "Lebenslanges Lernen" ist für ihn das zentrale Stichwort, unter dem sich die VHS neu gestalten müsse. Das Programm wird professionell gestaltet, systematisiert, erheblich ausgeweitet und auf Abschlüsse hin bezogen.

1977 - Während die VHS früher im "Wohnzimmer" des nebenberuflichen VHS-Leiters geführt wurde, war sie bis 1977 in einem sehr beengten Nebengebäude es Rathauses mit zwei Räumen ohne eigenen Unterrichtsraum untergebracht.

Auf dem ehemaligen Gelände des städtischen Fuhrparks an der Morsstiege werden 1977 eigene Verwaltungs- und Unterrichtsräume eingerichtet. Hier werden vier Unterrichtsräume aus einem ehemaligen Garagentrakt geschaffen. Außerdem entstehen mehrere Büroräume und eine Dienstwohnung für einen Zivildienstleistenden. Die Räume werden mit Mitteln aus dem kulturellen Infrastrukturprogramm des Landes Niedersachsen hergerichtet und zweckgebunden ausschließlich für Kreativkurse genutzt.

Die Stadt Nordhorn beteiligt sich anteilmäßig an den Kosten. Es werden zwei Räume eingerichtet, die besonders für Ton- und Nassarbeiten verwendet werden; zwei weitere Räume werden als Mehrzweckräume für Textilarbeit, Zeichnen usw. eingerichtet. Durch diese Räume erhält die VHS ab 1978 die Möglichkeit, ganztägige Seminare, Bildungsurlaube und Wochenendseminare durchzuführen.

Trotz dieser eigenen Räume findet ein Großteil der Abendkurse weiterhin in den Schulen der Stadt Nordhorn und der übrigen zentralen Orte der Grafschaft Bentheim statt.

1978 - Es werden hauptamtliche pädagogische Mitarbeiter eingestellt und Lehrgangssysteme mit Zertifikatsabschlüssen eingeführt. Die berufliche Bildung wird ausgeweitet. Es werden u. a. Maßnahmen für arbeitslose Jugendliche angeboten.

Anfang des Jahres übernimmt Aloys Domnick den Bereich der Beruflichen Bildung. Ende des Jahres kommt Peter Wirtz. Er holt die Kreativkurse aus ihrem "Bastelstundendasein".

1981 - Neben Studienreisen und -fahrten sowie Ausstellungen tun sich immer neue Bereiche auf. Die Datenverarbeitung steht seit Beginn der 80er Jahre im Programm der VHS, aber auch die Zielgruppenarbeit, wie Deutschkurse für vietnamesische Flüchtlinge, für Aussiedler und Analphabeten über die Frauen- und Seniorenkurse bis hin zur Ausbildungsbegleitenden Hilfe. Ulrich W. Dzwonek-Held kommt hinzu, um das Lehrangebot in den Sprachen auszubauen.

1982 - 1983 - Die ehemalige Hausmeisterwohnung und mehrere Schuppen, die vorher Lagerzwecken dienten, werden zu Unterrichtsräumen umgebaut, wobei bei den Umbauten vor allem  AB-Maßnahmen mit arbeitslosen Jugendlichen durchgeführt werden.

Ab 1983 kann die VHS über ein Mobilgebäude bei der Ernst-Moritz-Arndt-Schule ganztägig verfügen. Dieses 300 qm große Gebäude mit vier Unterrichtsräumen wird vor allem für die Tagesrealschule und den EDV-Unterricht mit Computern genutzt.

1985 - Der VHS stehen ab 1985  15 Unterrichtsräume voll zur Verfügung, von denen etwa die Hälfte fachgebunden eingerichtet ist. In jedem Raum sind 16 bis 20 Plätze vorhanden. Ein Raum ist für 30 Plätze ausgerüstet, der auch bei Vorträgen für 80 Personen eingerichtet werden kann.

1986 - Wie nahezu alle Volkshochschulen in Niedersachsen hat die VHS Nordhorn in den 70er Jahren eine stürmische Aufwärtsentwicklung genommen. Das Unterrichtsvolumen liegt 1986 bei etwa 27000 Unterrichtsstunden. In dieser Zeit erfolgte auch eine gewaltige Personalerweiterung. Während die VHS Anfang der 70er Jahre noch als "Ein-Mann-Betrieb" nebenberuflich geleitet wurde, beschäftigt sie heute einen Leiter, 4 Pädagogische Mitarbeiter, 4 1/2 Verwaltungskräfte, einen Hausmeister, 2 Zivildienstleistende, 2 Auszubildende und 17 ABM-Kräfte, dazu 280 nebenberufliche Kursleiter.

1987 - Der Künstler Jo Klose schafft unter dem Titel "Institution" eine Sandsteinskulptur für die VHS, die engagiert in der "Emsländischen Landschaft" mitarbeitet.

1993 - Mit dem Altendorfer Rathaus wird ein neues Verwaltungs- und Seminargebäude bezogen. Aus dem kommunalen Amt wird in diesem Jahr ein Netto-Regiebetrieb.

1996 - Der Landkreis übernimmt die Trägerschaft über die VHS Grafschaft Bentheim. Die Außenstellen werden neu geformt.

1997 - Kostenrechnung und betriebswirtschaftliche Grundsätze finden mehr Beachtung. Die Volkshochschule erfüllt die Standards eines "Qualitätsmanagements". Die VHS wird nach DIN-EN-ISO 9001 zertifiziert.

1998 - Es erfolgt die Umwandlung in einen Eigenbetrieb, der wirtschaftlich selbstständig handeln kann.

2001 - Es fällt eine Entscheidung über ein eigenes VHS-Gebäude auf dem NINO-Gelände. Es soll die Räumlichkeiten zusammenfassen, die bisher über das Stadtgebiet Nordhorns an fünf Standorten verteilt waren.

2003 - Das ehemalige Rohgewebelager der Firma NINO aus dem Jahre 1922 wird vollständig renoviert. Der Einzug erfolgt zum Wintersemester 2003/04. Es stehen ca. 3300 qm zur Verfügung. Es wurden 130 neue Räume geschaffen, von denen 26 als Unterrichtsräume genutzt werden. Es gibt u.a. 4 Computerräume mit je 16 Arbeitsplätzen und auch eine Lehrküche. Ein großer Vortragsraum hat Platz für 120 Personen und eignet sich auch für größere Gruppen. Bei Bedarf kann der Raum auch mit einer Trennwand unterteilt werden. Die feierliche Eröffnung erfolgt am 28. August 2003.

2007 - Die 45. Bundeskonferenz mittelstädtischer Volkshochschulen mit etwa 60 Volkshochschulleitern aus dem gesamten Bundesgebiet findet vom 3. bis 6. Juni 2007 in Nordhorn statt und befasst sich mit der Frage: "Welchen Stellenwert besitzt die Arbeit der Volkshochschulen, wenn sich die traditionellen Grenzen des Bildungsystems verschieben?" Wilfried P. Delißen, der Direktor der VHS Grafschaft Bentheim, weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass nicht nur Kinder, sondern auch Erzieher und Eltern lernen müssten. An diesem Punkt kämen die VHS ins Spiel, die nicht nur pädagogische Angebote machten, sondern auch beratend tätig seien. "Wir müssen die Infrastruktur für lebenslanges Lernen schaffen, Chancengleichheit für Alt und Jung erzeugen", fordert Delißen. Dabei seien die Übergänge zwischen den einzelnen Bildungsbereichen künftig neu zu verzahnen (GN, 5.6.2007, auch: Der Grafschafter 8/2007, S. 31).

2008 - Am 24.11. feiert die VHS die Juiläumsfeier zum 60jährigen Bestehen der Volkshochschule. Aus Anlass des Geburtstages veröffentlicht die Schule ein Jubiläumsmagazin über die Entwicklung der VHS und Eindrücke aus verschiedenen Kursen. Im Einzelnen handelt es sich um folgende Kurse: - PC-Kurse für alle Altersgruppen, -  Der Weg zu anerkannten Abschlüssen, - Kochclubs, - Sandsteinwerkstatt, -  Mehrgenerationstheater,-  Geschichtswerkstatt, - Gymnastik für Männer, -Ausbildung zum Heilpraktiker, - Hauptschulabschluss für Erwachsene, - Kurse für Teilnehmer mit geistiger Behinderung, -  Sprachkurse, - Ausbildungsstätte für Hauswirtschaft.

Im Zusammenhang mit der Jubiläumsfeier wird außerdem ab 1. September eine Jubiläumsausstellung mit einem Rückblick auf 60 Jahre Programmheftgestaltung gezeigt.

Zum Ende des Jahres tritt der Leiter der Volkshochschule nach 35jähriger Tätigkeit an der VHS Nordhorn in den Ruhestand. Unter der Überschrift "Der Bildungslotse geht von Bord" zieht er im  Jubiläumsmagazin Bilanz. der Diplomtheologe Wilfried Peter Delißen wurde am 7. Dezember 1943 in Viersen am Niederrhein  geboren. Nach dem Abitur studierte er Philosophie, katholische Theologie und Sozialwissenschaften in Frankfurt und Freiburg. Erfahrungen in der Öffentlichkeitsarbeit sammelte er u. a. als freier Mitarbeiter der  Zeitschriften "Caritas" und "Christ in der Gegenwart", aber auch als Sprecher des Konvents der wissenschaftlichen Mitarbeiter der Universität Freiburg. Am 1. April 1973 übernahm er mit 30 Jahren als erster hauptamtlicher Leiter die VHS Nordhorn. Viele Berichte, Interviews, Kommentare, Portraits und Reportagen , die von 1973 bis heute in den Grafschafter Nachrichten und anderen Zeitungen und Zeitschriften über ihn und die Volkshochschule Grafschaft Bentheim erschienen sind, zeugen von den Erfolgen seiner Arbeit für die Volkshochschule.

Enorm sind die Steigerungsraten der Ära Delißen: Von 204000 Mark (etwa 106 000 €) im Jahre 1972  über 1,2 Millionen Mark (etwa 620 000 €)  kletterten die Ausgaben auf 2,1 Millionen € in diesem Jahr. Von eineinhalb Stellen 1973 wuchs die Belegschaft auf heute 25 Mitarbeiter. Als Aufgabenbereiche, denen er sich besonders angenommen hat, sieht Herr Delißen den 2. Bildungsweg und den nachträglichen Erwerb von Abschlüssen, aber auch Freizeitangebote wie Wassersport, die Film-AG, Frauen-und Männerforen für Neubürger, den Shanty-Chor, den er leitet, oder die Theaterwerkstatt, aber auch die "Neue Galerie" mit regelmäßigen Kunstausstellungen, die Sommerakademie und die Geschichtswerkstätten an. 1988 wurde er Gründungspräsident des Grafschafter Museumsvereins, dem heutigen Träger des Stadtmuseums Povelturm in Nordhorn.

Bis zum Jahre 2013 will die Niedersächsische Landesregierung für mehr als ein Drittel aller Kinder unter drei Jahren Betreuungsplätze vorhalten. 30 % der Plätze sollen davon in der Kindertagespflege bereitgestellt werden. Als Kindertagespflege bezeichnet man die Betreuung durch eine Tagesmutter oder einen Tagesvater in einem familiären Rahmen. Ausgebildet werden diese Betreuungskräfte bei der VHS nach dem Ausbildungsplan des deutschen Jugendinstituts (DJI) mit einem Umfang von 160 Stunden. Nach erfolgreich bestandener Prüfung erhalten die Teilnehmer das Zertifikat des Bundesverbandes für Kindertagespflege, das Grundlage für die Erteilung der Erlaubnis zur Kindertagespflege durch die Jugendämter ist. Im Februar 2009 beginnt ein weiterer Qualifizierungslehrgang bei der VHS.

Voraussetzung für das Studium von Deutschen in den Niederlanden ist eine niederländische Staatsprüfung. Seit drei Jahren bietet die VHS sechswöchige Sommerkurse "Niederländisch zur Studienvorbereitung" an. (Quelle: GN-Sonderveröffentlichung vom 21.11.2008)

Prominenteste Gäste bei der großen Geburtstagsfeier zum 60-jährigen Bestehen der VHS Grafschaft Bentheim sind Niedersachsens Minister für Wissenschft und Kultur, Lutz Stratmann, die Vizepräsidentin des Landtages und Vorsitzende des Landesverbandes der Volkshochschulen Niedersachsens, Frau Astrid Volkers, und der älteste Teilnehmer Wolfgang Müller mit 82 Jahren (GN, 25.11.; GW, 3.12.2008).

Nach 35 Jahren wird VHS-Direktor Wilfried P. Delißen in den Ruhestand verabschiedet. Die vielen Gäste und Festredner bringen die hohe Wertschätzung zum Ausdruck, die Delißen in der Grafschaft genießt. Seinen Dank für die Arbeit, das Engagement, die Ideen und die Kreativität kleidet Landrat Friedrich Kethorn in folgende Worte: "Ohne Sie wäre die Volkshochschule nicht da, wo sie jetzt steht. Sie haben der VHS eine eigene Identität und ein unverwechselbares Profil gegeben." In einer von Karola Langenhoff (VHS) geleiteten Gesprächsrunde erinnert Gerrit Knoop, Vorsitzender des Museumsvereins, an Delißens Gründungs- und Vorstandsarbeit im Museumsverein. Hubert Titz (VHS-Geschichtswerkstätten) würdigt Delißens Förderung der modernen Sozialgeschichtsschreibung in der Grafschaft und Gerhard Thiel (VHS Landkreis Diepholz) seine Arbeit für die politische Bildung und den Landesverband der Volkshochschulen (GN, 9.12.; GW, 17.12.2008).

2009 - Anfang des Jahres übernimmt Peter Koop aus Nordhorn als bisheriger stellvertretender Leiter als Nachfolger von Wilfried Delißen die Leitung der VHS.

Nach dem Abitur, Zivildienst und Auslandsaufenthalt in Kanada und in den USA startete Peter Koop 1984 in seine berufliche Laufbahn bei der Stadt Nordhorn. Nach Stationen im Sozialamt, in der Personalabteilung und in der Kämmerei erfolgte 1995 der Wechsel in die Kreisverwaltung. Hier arbeitete er zunächst in der Organisationsabteilung, bevor er 1999 die Leitung der neu gebildeten Abteilung "EDV und Organisation" übernahm. 2005 erfolgte der Wechsel in die Volkshochschule.

Peter Koop will sich künftig u. a. für den Bereich der Grundbildung engagieren. Hier geht es um Alphabetisierung und um Kurse zur Sprachkompetenz und zur Integration ausländischer Bürger. Zudem will der neue VHS-Leiter die Bildungsarbeit unterschiedlicher Träger in der Grafschaft stärker koordinieren. Außerdem hat er sich das Ziel gesetzt, die Kommunikation zu den Dozenten und zu der Hörerschaft zu intensivieren (GN, 30.12.2008).

Der Fachbereich "Berufliche Bildung und EDV" wird ab 1. Februar 2009 mit dem 58 Jahre alten Diplom-Sozialwissenschaftler Rainer Ahrendt-Breuer aus Lengerich im Emsland besetzt.  Herr Ahrendt-Breuer leitete 15 Jahre lang an der VHS Lingen den Programmbereich "Berufliche Bildung" und hat auch langjährige Erfahrugen in der freien Wirtschaft sowie als Berufs- und Gymnasiallehrer. Mit ihm kann demnächst das Grafschafter VHS-Angebot der IHK-/LWK-Zertifikatsslehrgänge ausgebaut werden. Ab etwa 2010 soll es neue Lehrgangsangebote zum Geprüften Bilanzbuchhalter, zum Betriebswirt, zum Fachkaufmann Marketing und zum Geprüften Küchenmeister geben. Im EDV-Bereich sollen die basisorientierten Grundkurse für Senioren und Frauen ausgebaut werden. Durch EDV-Angebote sollen Grundlagen zur beruflichen Qualifikation geschaffen werden (GN, 11.3.2009).

Rund 150 Fachkräfte aus Kindertagesstätten und Schulen nehmen an der Schulanfangstagung in der VHS teil. Diese sechste pädagogische Fachtagung wird in diesem Jahr vom "Projekt Brückenjahr" der Lernwerkstatt Grafschaft Bentheim und der VHS ausgerichtet. "Das Projekt Brückenjahr zielt auf das letzte Kindergartenjahr als Brückenjahr zur Grundschule, das für Kinder ganz entscheidend ist", sagen Doris Domnick und Lydia Busch vom Beratungsteam "Brückenjahr". "Das Land Niedersachsen möchte die Anschlussfähigkeit der beiden Bildungsbereiche verbessern. Und damit diese Aufgabe in der Praxis geleistet werden kann, wollen wie Fachkräfte aus dem Elementar- und dem Primarbereich gemeinsam vor Ort fortbilden (GN, 20.8.2009).

Die Volkshochschule hat vom Bundesbildungsministerium 100 000 Euro bewilligt bekommen hat, die in Form von Prämiengutscheinen an Weiterbildungsinteressierte vergeben werden. Mit der Bildungsprämie verfolgt die Bundesregierung das Ziel, Menschen mit geringem Einkommen die Teilnahme an beruflicher Weiterbildung zu erleichtern. Gefördert werden beruflich relevante Weiterbildungen, die der Arbeitsplatzsicherung, der Anpassung an neue Aufgaben oder dem beruflichen Aufstieg dienen. Dies können neben berufsbegleitenden Fachlehrgängen Sprach- oder EDV-Kurse sein, jedoch auch ganz andere Angebote beispielsweise aus gewerblichen, technischen oder pädagogischen Bereichen. Der Bund zahlt die Hälfte der Fortbildungskosten, höchstens aber 154 Euro. Pro Bürger kann im Jahr ein Gutschein vergeben werden.
Quelle: GN, 11.9., und GW, 30.9.2009

Im Foyer der VHS Nordhorn ist eine Ausstellung zum Thema Recycling zu sehen. Unter dem Motto „Vom Abfall zum Rohstoff“ wird auf zehn Objektständern das derzeitige Spektrum des Recyclings erläutert. Neben Texten und Erklärungen werden auch Proben der erzeugten Sekundärrohstoffe und deren Einsatzgebiete dargestellt. Nach Mitteilung des Recyclingexperten Hans-Gerd Schmitjans vom Abfallwirtschaftsbetrieb, der die Ausstellung zusammengestellt hat, kann der Betrachter nachvollziehen, wo sein Abfall bleibt: „Die Abfalltrennung zu Hause ist dabei nach wie vor von Bedeutung, um ein hochwertiges Recycling zu gewährleisten.“

VHS-Leiter Peter Koop und seine Mitarbeiterin Heike Kampmeier, zuständig für Ausstellungen bei der VHS, sehen in der Ausstellung eine sinnvolle Ergänzung zum Thema Umwelt, das aus Sicht der VHS ein wichtiges Themengebiet darstellt. „Recycling ist ein gutes Instrument zum schonenden Umgang mit unseren Ressourcen“, sagt Peter Koop. „Die Herausforderungen für die Zukunft selbst sind ungleich größer: vorausgesetzt, wir würden insgesamt nachhaltig wirtschaften, so bräuchten wir allein beim derzeitigen Weltverbrauch von Rohstoffen und Energie der Welt ca. eine Drittel Erde zusätzlich, um den Bedarf zu decken und das Gleichgewicht zu halten.“ Dieser Themenkreis wird deshalb künftig auch ein Schwerpunkt in der Programmarbeit im VHS-Fachbereich „Politik, Gesellschaft, Umwelt“ sein.
Quelle: GN, 1.10.2009

2011 - Alten- und Krankenpflege in der VHS
Zwölf Teilnehmerinnen erhielten an der VHS nach erfolgreicher Prüfung das Zertifikat "Assistentin in der Alten- und Krankenpflege". Lehrgangsinhalte in den neun Monaten waren u. a. Anatomie, Physiologie, Krankheits-, Gesundheits-, Arznei- und Ernährungslehre, Erste Hilfe beim älteren Menschen und soziale Angebote und Hilfen in der Grafschaft Bentheim. Die Assistentinnen in der Alten- und Krankenpflege betreuen entweder Angehörige oder arbeiten in der ambulanten oder stationären Altenpflege. (GN, 24.10.2011)

2012 -  Mit viel Schwung in das neue Jahr.
Etwas Neues ausprobieren - und damit neue Energien freisetzen. Das ist das Motto des Programms für das erste Halbjahr 2012. Insgesamt bietet das neue Programm rund 800 Veranstaltungen - Vorträge, Kurse, Podiumsdiskussionen und Fachlehrgänge. Neu im Programm sind das "Philosophische Cafe", in dem - jeweils in den Abendveranstaltungen - große Themen wie Glück, Wahrheit oder Tod diskutiert werden sollen, sowie einige Fortbildungen im Bereich der häuslichen Pflege für Fachkräfte wie auch betroffene Angehörige. Auch ein Lehrgang für die Betreuung von Kleinstkindern steht im Programm. (GN, 20.12.2011)

Berufliche Qualifizierung zum Handelsfachwirt
Die VHS startet einen Vorbereitungslehrgang auf die Qualifizierungsprüfung zum "Handelsfachwirt (IHK)". Der Lehrgang findet berufsbegleitend statt. Die Gesamtdauer beträgt zwei Jahre. Die Prüfungen werden von der Industrie- und Handelskammer abgenommen.(GN, 15.2.2012)

Quellen:

  • Wilfried P. Delißen, Die Volkshochschule der Stadt Nordhorn für den Landkreis Grafschaft Bentheim, Bentheimer Jahrbuch 1986; Das Bentheimer Land, Band 109, Seiten 191 - 194

  • GN-Sonderveröffentlichung vom 23.8.2003, Seiten 48 - 49

  • "60 Jahre Volkshochschule Grafschaft Bentheim", 2008, Beilage zum Herbstprogramm

  • GN-Sonderveröffentlichung vom 21.11.2008