Grafschafter Schulgeschichte

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Gymnasium Nordhorn
1. Von den Anfängen 1925 bis zur Verabschiedung von Oberstudienrat Pfeiffer 1946

Zur Vorgeschichte
Der preußische Kultusminister Carl Heinrich Becker teilte 1922 im Abgeordnetenhaus mit, dass 50 Aufbauschulen gegründet werden sollen. Durch diesen Schultyp, der mit der 8. Jahrgangsstufe beginnen sollte, sollte besonders begabten Kindern aus ländlichen Gegenden der Zugang zu höheren Schule und damit zum Studium ermöglicht werden. Die Aufbauschule sollte eine vollwertige höhere Schule gleichberechtigt zu den grundständigen höheren Schulen sein. Dies wurde auch in der "Vereinbarung der Länder über die Aufbauschule" vom 19.12.1922 so festgelegt.

Der damalige Vorsitzende des Heimatvereins, Rektor Heinrich Specht aus Nordhorn, gab mit seinem Aufruf  "Eine Aufbauschule nach der Grafschaft Bentheim" vom 11.2.1922 den entscheidenden Anstoß zur Gründung einer höheren Schule in Nordhorn.

1925 - Am 20.1.1925 beschließt die Stadt Nordhorn, dass Ostern 1925 in Nordhorn eine "Staatliche Oberrealschule in Aufbauform" errichtet wird. Mit der Einrichtung und der einstweiligen Leitung wird Studienrat Karl Pfeiffer vom Realgymnasium in Quakenbrück beauftragt. Schulträger ist der Landkreis. Kreis und Stadt teilen sich die sächlichen Kosten.

Die Aufnahmeprüfung bestehen 16 Schüler, darunter 5 Mädchen. Der Unterricht beginnt am 16. April 1925 im umgebauten Ratssaal des ehemaligen Frensdorfer Gemeindehauses an der Ecke Denekamper Straße/ Ecke Friedrich-Ebert-Straße (heute:Stadtring) in der "Aufbauklasse für die männliche Jugend nach dem Lehrplan der Oberrealschule", die als Untertertia die erste Klasse der neuen Schule bildet. Allerdings ist das Gemeindehaus von vornherein als Übergangslösung gedacht, da die Stadt Nordhorn für einen Schulneubau einen Bauplatz zwischen Postdamm und Vechte gekauft hatte.

1926 - Der Landkreis pachtet den Frentinschen Hof für 12 Jahre. Hier finden der Physik- und der Chemieunterricht statt. Er dient besonders im Winter als Wohnheim für auswärtige Kinder.

Auf Antrag der Eltern wird Ostern 1926 neben den aufrückenden Klassen eine Untersekunda für Schüler genehmigt, die an den Rektorschulen das "Einjährige" (die Mittlere Reife) erworben haben.

1926 - 1928 - Am Postdamm, Ecke Friedrich-Ebert-Straße (heute. Stadtring) erfolgt am 7.9.1926 die Grundsteinlegung für das neue Schulgebäude. Einzelne Räume werden sofort nach der Fertigstellung in Benutzung genommen, weil das Gemeindehaus nicht ausreicht. Nach den Weihnachtsferien 1928 wird der gesamte Unterricht in den Neubau verlegt.

1930 - 1932 - Bis 1930 unterrichten an der Schule 13 Lehrkräfte 154 Schüler, davon 40 Mädchen. Zwölf Schüler der 1926 genehmigten Untersekunda legen nach 13 Jahren Schulzeit am 17.3.1930 ihre Reifeprüfung ab. Es sind die ersten Abiturienten in der Grafschaft Bentheim. Die erste Reifeprüfung der Aufbauschule findet Ostern 1931 statt.

1937 - Die Schulzeit der Oberschüler wird auf 12 Jahre verkürzt. Die Schüler legen ihr Abitur nach der Unterprima ab. Die Aufbauschule beginnt von diesem Jahr ab mit Klasse 7.

1938 - Aufgrund des Schülerzulaufs wird das Schulgebäude zu klein. Es fehlen Klassenräume; außerdem werden Werkräume benötigt. Die Pläne für Ausbauten am Altbau an der Friedrich-Ebert-Straße (heute: Stadtring) und am Postdamm-Trakt werden  wegen des Krieges nicht verwirklicht.

1939 - Die ständige Aufwärtsentwicklung der Schule und ihre fortschreitende Verwurzelung im Bewusstsein der Bevölkerung führt dazu, dass auf Antrag der Stadt Nordhorn die bisherige Aufbauschule am 1. April 1939 zur grundständigen "Deutschen Oberschule" mit Latein als Fremdsprache umgewandelt wird. Sie umfasst die Klassenstufen 5 - 12.

1940 - 1945 - Der Alltag des Schullebens wird durch Fliegeralarm und Flakhelferdienst beeinträchtigt. Der Unterricht beginnt, wenn der Fliegeralarm nicht schon vorher einsetzt, um 7 Uhr; am Anfang der Stunde vergibt der Lehrer die Hausaufgaben, denn um 8:30 Uhr kommt meistens Fliegeralarm. So besteht die Schule aus viel  Hausaufgaben und wenig Unterricht.
Einige Klassen werden nach Bentheim und Neuenhaus ausgelagert. Im Herbst 1943 wird Englisch als Fremdsprache aus dem Lehrplan gestrichen.

Im Frühjahr 1945 werden die Oberprimaner ohne Prüfung mit einem Reifevermerk aus der Schule entlassen, bevor sie das Abitur machen konnten. Sie werden zum Kriegsdienst eingezogen; von 31 Jungen fallen 17, einige nicht älter als 17 Jahre.

In den letzten Kriegsmonaten ist das Schulgebäude durch Rot-Kreuz-Einheiten belegt. Nach Kriegsende sind in den Gebäuden zeitweise Besatzungstruppen untergebracht. Am 8. Dezember 1945 beginnt der Unterricht für die Jahrgänge, die infolge des Krieges nicht das Reifezeugnis oder den so genannten "Vorsemestervermerk" erlangt hatten. Der übrige Unterricht beginnt erst 1946.

1946 - 1947 - Oberstudienrat Karl Pfeiffer erreicht im Herbst 1946 die Altersgrenze und tritt in den Ruhestand. Er stirbt am 3. Juli 1962. In einem Nachruf des Gymnasiums Nordhorn heißt es:
"Seit Gründung der Schule im Jahre 1925 leitete Herr Oberstudiendirektor a. D. Karl Pfeiffer ihre Geschicke bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand im Jahre 1946.
Alle, die sich der pädagogischen, wirtschaftlichen und politischen Probleme bewußt sind, die in dieser Zeitspanne bewältigt werden mußten, werden die hohen Führungseigenschaften des Verstorbenen würdigen.
Wegen seiner Menschlichkeit wird er seinen ehemaligen Mitarbeitern unvergeßlich bleiben
Der Oberstudiendirektor und das Kollegium des Gymnasiums Nordhorn".

Der Club ehemaliger Oberschüler schreibt:
"Tief betrübt nehmen wir davon Kenntnis, daß der von uns hoch verehrte Oberstudiendirektor a.D. Karl Pfeiffer in Frieden heimgegangen ist. Sein Name ist mit der Geschichte der ersten höheren Schule des Kreises Grafschaft Bentheim für immer verbunden. Wir, seine früheren Schüler, stehen trauernd an der Bahre dieses hochgeschätzten Pädagogen und Schulleiters. Karl Pfeiffer war uns immer ein väterlicher Freund und blieb auch über die Schulzeit hinweg allzeit mit uns verbunden. Wir sind und bleiben dem Verstorbenen zu großem Dank verpflichtet.
Club ehemaliger Oberschüler, Nordhorn"

Eine Darstellung seines Lebens- und Berufsweges finden sie im Teil "Biographien Grafschafter Lehrer" unter Karl Pfeiffer

Verwaltungsoberstudienrat Müller übernimmt nach der Pensionierung von Herrn Karl Pfeiffer auftragsweise die Leitung der Schule. Am 1.4.1947 wird Oberstudiendirektor Herbert Leonhardt  Schulleiter der Schule.

Die Fortsetzung erfolgt unter: 2. Aus der Amtszeit von Oberstudiendirektor Herbert Leonhard 1947 bis 1956

Quellen:

  • H. Leonhardt, Nordhorner Oberschule 25 Jahre, Bentheimer Heimatkalender 1951, Seite 44

  • Winfried Zander, Geschichte des Gymnasiums Nordhorn 1925 - 2000. In: Festschrift zum 75-jährigen Bestehen des Gymnasiums Nordhorn, Nordhorn 2000