Grafschafter Schulgeschichte

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Katholische Volksschule Brandlecht 

- 1622 Erste Erwähnung; 1965 Vereinigung zur Volksschule Brandlecht

Laut Pastor Thomas G. Krage 1984 ist das Gebiet von Brandlecht und Hestrup schon in alter Zeit besiedelt gewesen. Der Ortsname "Brandlecht" wird zum ersten Mal 1313 urkundlich erwähnt. Zu der Zeit hat hier vermutlich eine Holzkirche gestanden. Die jetzige (ev.-ref.) Kirche ist um 1450 gebaut worden. Die Geschichte von Brandlecht ist ausführlich in der Dorfchronik von 1994 dargestellt.

1622 - Die Schule Brandlecht wird erstmals urkundlich in einer Abgabenordnung erwähnt. Das Schulgebäude befindet sich auf dem Brandlechter Gut. Nach der Reformation errichten Jesuiten 1661 zwischen der Schule und dem damaligen Reitstall eine kleine Kapelle.

Nach Aussage von Pastor Menkhaus in der Dorfchronik (Seite 293) war die Schule in Brandlecht "eine Gelegenheit, in die Künste des Lesens und Schreibens, Rechnens und Wirtschaftens eingeführt zu werden, die meist im Winter von der adligen Familie unter Einbeziehung der "Gemeinen" wahrgenommen wurde durch Priester und gelegentlich auch durch Gäste als Lehrer, soweit Kinder im lernfähigen Alter vorhanden waren."

Nach der Schulchronik dürfte es keinen Zweifel geben, dass in früherer Zeit die Missionsgeistlichen zu Brandlecht den Schulunterricht der Kinder besorgt haben, bei eintretender Vakanz die Kinder aber zur reformierten Schule gingen.

1827 - Pastor Hilbers eröffnet eine Schule in der ehemaligen Paterkammer, nachdem er einen intensiven Briefwechsel mit dem katholischen Konsistorium in Osnabrück und der Großbritannisch Hannoverschen Landdrostei um Genehmigung einer Schule geführt hatte.

Der erste Lehrer ist Herr Feldkamp aus Bernte bei Emsbüren, der 30 Jahre lang von 1830 bis 1860 in Brandlecht tätig ist.
Die Kinderzahl wird mit 40 - 50 angegeben.

Der Lehrer, welcher Familie hat, bewohnt die Paterkammer, bestehend aus Küche, Kammer und Dachstübchen. Die Kammer des Lehrers ist zugleich Schulzimmer.

1841 - Nach dem Tode von Pastor Hilbers wird dem Nachfolger, Pastor Berling, im alten Brauhaus des Gutes Brandlecht (rechtwinklig zur Kirche) eine Schule vom Erbdrosten Graf Droste zu Vischering zur Verfügung gestellt. Dies wird in einem Vertrag der katholischen Gemeinde mit dem Erbdrosten als Besitzer des adligen Gutes am 14. April 1841 festgelegt.

Die Unterrichtsgegenstände sind Katechismus, biblische Geschichte, Lesen, Schreiben und Rechnen. Der Unterricht findet nur im Winter statt. Im Frühjahr zieht der Lehrer nach Holland, um dort durch Grasmähen und Torfstechen sein karges Einkommen zu verbessern. Später ist die Hollandgängerei nicht mehr Brauch.

1860 - Auf Lehrer Feldkamp folgen Seminarpräparant Klene aus Heringshausen bei Osterkappeln bis 1862, dann Seminarist Klöcker bis 1874, dann Lehrer Brokamp aus Neuenkirchen bei Vörden bis 1879, Lehrer Jansen bis 1881, dann Lehrer Rölkenberg ab 1. November 1881.

Die Stelle wird vom Bischof von Osnabrück besetzt. Der Pastor von Brandlecht ist örtlicher Schulinspektor. Die Schulaufsicht liegt beim Lehrerseminar in Osnabrück, bis Dechant Thießen aus Wietmarschen zum Inspektor des Dekanats Bentheim ernannt wird.

An die Stelle von Dechant Thießen tritt am 1. Januar 1876 Pastor Mense aus Schüttorf, später Bentheim, als Kreisschulinspektor über die katholischen Schulen der Ämter Bentheim und Neuenhaus.

1870 - 11 katholische Familien verlassen die Pfarrei. Die Schülerzahl sinkt auf 24 - 30 Kinder ab, um 1900 fällt sie weiter auf 13- 15 ab, um 1912 wieder auf 27 anzusteigen.

Das Bild zeigt die Katholische Volksschule Brandlecht mit der Lehrerwohnung. - Bild: Archiv Heinz Ragnitz

1872 - Durch das "Gesetz über die Einrichtung, Aufgabe und Ziel der preußischen Volksschulen" vom 15. Oktober 1872 treten zu den Hauptunterrichtsfächern Religion, Deutsch und Rechnen (nebst Raumlehre) folgende Unterrichtsdisziplinen obligatorisch hinzu: Realien (Welt- bzw. vaterländische Geschichte, Geographie, Naturgeschichte, Naturlehre),  Singen, Zeichnen, Turnen (für Knaben) und Handarbeitsunterricht (für Mädchen).

Für den Sommer wird eine verkürzte Unterrichtszeit von 24 Wochenstunden (vormittags von 7:30 bis 11:30 Uhr), in der Unterklasse von 20 Wochenstunden festgelegt. Im Winter beträgt die Unterrichtszeit 30 Wochenstunden, in der Unterklasse 24 Wochenstunden. An ein oder zwei Nachmittagen ist unterrichtsfrei.

Der Lehrplan wird von der Lehrerkonferenz Grafschaft Bentheim gemeinschaftlich oder wechselseitig erstellt. Ein vom Kreisschulinspektor genehmigter Stundenplan und ein Verzeichnis der 63 Ferientage müssen im Schulzimmer aushängen. Der Geburtstag des Kaisers (27. Januar) und der Sedanstag 2. September, der Tag der Gefangennahme des französischen Kaisers Napoleon mit seinem Heer 1870 sind in der Schule feierlich mit Vortrag, Deklamation und Gesang zu begehen.

1874 - Die Vergütung des Lehrers wird auf 200 Gulden zzgl. 15 Gulden für Feuermaterial und 20 Gulden für die fehlende Wohnung, zusammen 235 Gulden jährlich festgesetzt. Sie setzt sich zusammen aus
- einer Zulage des Grafen Droste Vischering von 60 Gulden
- eines früheren Staatszuschusses von 50 Gulden
- eines neuen Staatszuschusses von 80 Gulden
- einer Gemeindezulage von 45 Gulden
zusammen 235 Gulden
Im Jahre 1881 betragen die Einnahmen 720 Mark und 60 Mark. Es folgen dann weitere Erhöhungen.

1890 - Am 8. Juli 1890 findet durch die Regierung und die Herren Kreis- und Ortsschulinspektoren eine Schulrevision statt. Der Schulvorstand wird aufgefordert, einen Schulreparaturplan vorzulegen. Die Schule besuchen- wie auch schon 1889- 23 Schüler. Ihre Zahl steigt 1891 auf 29.

1896 - Lehrer Rölkenberg beginnt 1896 mit dem Schreiben der Schulchronik, in der er im 1. Abschnitt auf die Schulgemeinde und die Schule vor 1896 eingeht. In der Schulchronik werden regelmäßig die Zu- und Abgänge der Schüler und die Schüler benannt, die ihre erste heilige Kommunion feiern.

Der Lehrer wird im April, Juli und Oktober 1896 zum Besuch von Obstbaukursen in Quakenbrück herangezogen. Es fallen 22 Tage Unterricht aus.  Dem Landrat ist zu berichten, wie sich die Obstbaumzucht entwickelt.

1897 - Das Einkommen der angestellten Lehrer beträgt 1000 Mark jährlich, die Alterszulage 120 Mark und die Wohnungsentschädigung 100 Mark, zusammen 1220 Mark. Die provisorisch angestellten Lehrer erhalten 800 Mark und 80 Mark Wohnungsentschädigung.

1901 - Der Lehrer Rölkenberg wird vom Kirchenvorstand mit dem Orgelspiel beauftragt. Da der Kirchenvorstand mit seinen Leistungen nicht zufrieden ist, wird 1903 ein anderer Orgelspieler berufen.

1905 - Lehrer Rölkenberg erkrankt.

1908 - Am 21. Mai erscheint der Regierungs- und Schulrat der Regierung aus Osnabrück, um die Schule zu revidieren, während der Lehrer einen zwei Stunden dauernden Ausflug mit den Kindern unternimmt. Am 7. Juli findet die Ortskonferenz in der Schule statt. Themen sind "Katechese über das 2. Kirchengebot" und "Die Bohne in biologischer Behandlung".

Am 1.8.1908 tritt das preußische Schulunterhaltungsgesetz in Kraft. Das Vermögen der Schule geht auf den Schulverband über. An der Spitze des Schulverbandes steht der Schulverbandsvorstand. Dieser besteht u.a. aus den 3 Gemeindevorstehern und den beiden Pastoren. Für die Kath. Schule wird eine fünfgliedrige Schulkommission gebildet.

1911 - Im "Gesetz über das Diensteinkommen der Lehrer an öffentlichen Volksschulen" ist festgelegt, dass Lehrer auf dem Lande eine freie Dienstwohnung erhalten sollen. Für die Katholische Schule werden an der Engdener Straße (Haus Nr. 42) zwei Lehrerwohnungen und ein Klassenraum errichtet. Das Schulgrundstück wird der Gemeinde Brandlecht vom Grafen Droste zu Vischering geschenkt mit dem grundbuchamtlich eingetragenen Vorbehalt, dass es wieder an das gräfliche Majorat zurückfallen muss, wenn es einmal nicht mehr für alle kath. Kinder von Brandlecht und Hestrup benötigt wird.

1909- 1913 - Dem Lehrer wird befohlen, ab 15. April 1909 an einem 5 Tage dauernden Spielkursus in Neuenhaus teilzunehmen. Hier erleidigt er einen Unfall, der ihn mehrere Monate lang hindert zu unterrichten. In dieser Zeit wird er vertreten durch den Lehrer Dobbelhof aus Nordhorn. Es kommt es zur "Versetzung" von Kindern mit Disziplinschwierigkeiten aus Nordhorn und anderen Nachbargemeinden an die Gutsschule Brandlecht, die ja eine kleine Klasse habe und so mit Störkindern besser fertig werden könne. Es kommt zu zahlreichen Elternbeschwerden und zu Revisionen der Schule durch die Regierung. Da Lehrer Rölkenberg es nicht schafft, die Elternbeschwerden abzuwenden, wird er zum 1.4.1913 wider Willen pensioniert.

Nachfolger von Lehrer Rölkenberg wird der Lehrer Clemens Ruwe aus Berge, Kreis Bersenbrück. Zum 1. Oktober 1913 tauschen die Lehrer Ruwe und Josef Risau aus Drievorden ihre Stellen.

1914 - 1918 - Während des Krieges ist der Schulbesuch der Schüler in Mittel- und Oberstufe sehr unregelmäßig, da sie in der Landwirtschaft mithelfen müssen. Die Schüler beteiligen sich am Sonnenblumenpflanzen und am Sammeln und Trocknen von Brennnesseln, später auch von Knochen, Laubheu, Bucheckern und Vogelbeeren unter Aufsicht des Lehrers sowie an den Zeichnungen der Kriegsanleihen.

1919- 1920 - Ostern 1919 besuchen nur noch 19 Schüler die Schule. Diese Zahl sinkt in den nächsten Jahren bis auf 14 ab. Ab Oktober wird die Ortsschulinspektion aufgehoben. Zum 1.1. 1920 wird die Kreisschulinspektion dem Hauptlehrer Barlage aus Nordhorn, dann dem Kreisschulrat Egert aus Osnabrück übertragen, der für die katholischen Schulen in den Kreisen Lingen und Grafschaft Bentheim zuständig ist. Damit endet die geistliche Schulaufsicht.

1922 - Anfang des Jahres findet in Rheine eine Grundschulwoche statt, in welcher von bewährten Kräften Lehrproben und Vorträge über die neueren Bestrebungen im Grundschulunterricht gehalten werden, durch die die zahlreichen Teilnehmer manche wertvolle Anregung erhalten.

1928 - Lehrer Riesau erkrankt schwer und stirbt am 6. Juli 1928. Ab Schuljahrbeginn 1928 wird der Schulamtsbewerber Evers aus Hildesheim in Brandlecht tätig.

Die Untersuchungen des Kreisarztes im September auf den gesundheitlichen Zustand der Kinder konstatieren bei vielen Kindern eine auffallende allgemeine Körperschwäche. Auch die Zahnpflege lässt sehr zu wünschen übrig. In den Wintermonaten fehlen mehrere Wochen lang fast 50 % der Schüler wegen einer langandauernder Kälteperiode und zahlreichen Grippeerkrankungen.

1929 - Schulamtsbewerber Evers wird zum 1. Juni 1929 nach Schwartenpohl, Kreis Meppen, versetzt. Die hiesige Lehrerstelle wird dem Lehrer Krallmann übertragen. Die Räumung des Lehrerhauses, das noch von der Witwe des Lehrers Risau bewohnt wird, wird nur auf dem Klagewege erreicht.

1932 - Infolge der wirtschaftlich schlechten Verhältnisse verzichtet die Schule auf einen größeren Ausflug und macht dafür eine Radtour nach Denekamp zu einem Museumsbesuch. Weitere Radtouren nach Uelsen und Georgsdorf schließen sich an.

Das Bild zeigt Schüler der Katholischen Volksschule Brandlecht etwa im Jahre 1932  mit ihrem Lehrer Krallmann. - Bild: Archiv Heinz Ragnitz

1933 - Die Aufzeichnungen der Jahre 1933 bis 1937 sind aus der Schulchronik entfernt worden

1937 - Am 24. Mai 1937 erscheint Schulrat Schweer und teilt den beiden Schulleitern mit, dass die Kath. Volksschule der geringen Kinderzahl wegen ab 31. Mai 1937 aufgehoben sei. Der Schulleiter der Kath. Volksschule, Herr Krallmann, wird an die Ev. Volksschule versetzt, die als Gemeinschaftsschule weitergeführt wird. Sie ist vierklassig, je 2 Jahrgänge zu einer Klasse zusammengefasst. Die Schule besuchen 140 Kinder. Ihre Zahl wird voraussichtlich steigen, 1938 auf 147, 1939 auf 151, 1940 und 1941 auf 161 und 1942 auf 165 Schüler.

Gegen die Zusammenlegung der beiden Schulen erhebt der Graf Droste Vischering Einspruch. Er stützt sich auf eine Klausel, die bei der Schenkung des Grundstücks der Kath. Volksschule vom Schulverband und auch von der Regierung anerkannt worden ist, dass der katholische Charakter der Schule gewahrt bleiben müsse.

Zur Zeit bis 1945 siehe: Volksschule Brandlecht

1945- 1951 - Der Unterricht beginnt mit 46 Schülern im August bzw. Oktober 1945. 1946 wird die Schule wieder Konfessionsschule. Lehrer Zahlten (siehe: L-C-Zahlten), der seit 1938 an der Schule tätig war, darf seinen Dienst erst nach Abschluss des Entnazifizierungsverfahrens  ab 1. November 1948 wieder aufnehmen. Vorher waren andere Lehrkräfte an der Schule tätig. 1949 steigt die Schülerzahl auf über 75, so dass Halbtagsunterricht eingeführt werden muss. Erst 1951 wird eine zweite Lehrkraft eingestellt.

1954 - Nach dem Niedersächsischen Schulgesetz vom 4.9.1954 sind mehrere ein- und zweiklassige Schulen an einem Ort unabhängig von der Konfession zu einer mehrklassigen Schule zusammenzufassen. Diese Festlegung führt zu einem mehrjährigen  Streit und letztendlich zur Auflösung der Schule. Es werden zunächst viele Modelle entwickelt und wieder verworfen:
- Kath. Schule mit Engden und Drievorden,
- Mittelpunktschule für Neerlage, Wengsel, Isterberg, Holt und Haar, Brandlecht und Hestrup.

1958- 1959 - Lehrer Zahlten tritt in den Ruhestand. Der Lehrer Walter Hönig aus Haren an der Ems tritt Ostern 1958 seinen Dienst an der Schule an.

Wegen baulicher Veränderungen am Schulgebäude wird der Unterricht bis Mai in der Ev. Volksschule am Nachmittag erteilt. Der Klassenraum wird um den alten Eingangsbereich erweitert; es wird ein neuer Eingangsbereich angebaut. Das Normalmaß für einen Klassenraum wird dadurch noch nicht erreicht. Die Lehrerwohnung wird ebenfalls renoviert: Aus den Stallungen wird ein Bad und eine Waschküche erstellt. Die elektrischen Leitungen werden unter Putz gelegt. Die Tür zum Klassenraum wird zugemauert.

Der Antrag des Lehrers Hönig, ihn in die Stelle des "Alleinstehenden Lehrers" einzuweisen, wird von der Regierung mit dem Hinweis auf das Nds. Schulgesetz von 1954, wonach in Brandlecht eine Schule für Schüler aller Bekenntnisse bestehe, abgelehnt. Eine mündliche Besprechung am 31.7.1959 in Brandlecht kommt zu dem gleichen Ergebnis. Da Lehrer Hönig zwischenzeitlich die Mittelschullehrerprüfung abgelegt hat, wird er mit Wirkung vom 16.12.1959 an die Mittelschule Neuenhaus versetzt. Gleichzeitig wird der Lehrer Helmut Knittel von der Marienschule Nordhorn an die Volksschule Brandlecht versetzt. Er muss vorher schriftlich erklären, dass er keinen Anspruch auf eine Schulleiterzulage erhebe. Diese Erklärung zieht er am 15.8.1960 zurück.

1961 - Der Lehrer Helmut Knittel wird zum 1.4.1961 nach Brockhausen versetzt, weil er in wiederholten Eingaben an die Regierung wegen der noch immer unklaren Brandlechter Situation um eine anderweitige Verwendung gebeten hatte. Sein Nachfolger wird der Junglehrer Gottfried Ollendiek, der am 14.1.1964 seine 2. Lehrerprüfung ablegt.

1962 - Der Schulleiter der Ev. Volksschule, Wilhelm Blekker, wird gleichzeitig auch Schulleiter der Kath. Volksschule.

1964 - Die Abschulung des 7. und 8. Schuljahres erfolgt zum 1.4.1964 zur Burgschule in Nordhorn. In der kath. Schule wird ein Gruppenraum eingerichtet und der Vorraum ausgebaut.    

Die Ev. und die Kath. Volksschule werden zu einer Schule für Schüler aller Bekenntnisse vereinigt.
In diesem Zusammenhang gibt es Protestaktionen der katholischen Elternschaft und Streikdrohungen gegen die Einführung einer Gemeinschaftsschule.

Hierzu schreibt der zuständige Schulrat Kollmann in den Grafschafter Nachrichten vom 29.04.1965 zur Klarstellung u.a., dass Brandlecht nach § 15 Abs. 2 des Niedersächsischen Schulgesetzes seit dem 1.9.1954 nur noch eine Schule für Schüler aller Bekenntnisse habe. Mit Duldung des Schulrates wurden die Kinder aber weiterhin getrennt nach Konfessionen unterrichtet. Auf Anregung kath. Eltern und im Einverständnis mit den Lehrkräften empfahl er in einer Versammlung aller Eltern, den Unterricht entsprechend dem Nds. Schulgesetz durchzuführen. Leider konnten sich die Befürworter des Zusammenschlusses der Konfessionen nicht durchsetzen. Wegen der ungeklärten Lage bewarb sich der kath. Lehrer nach der Elternversammlung auf eine andere Stelle; ebenso sein Nachfolger zum 1.4.1965. Die Stelle konnte nur durch begrenzte Abordnungen von Nordhorn aus versorgt werden. In den letzten 7 Jahren hat Brandlecht den 6. kath. Lehrer. Wie dem Schulrat mehrfach zum Ausdruck gebracht wurde, setzte sich bei immer mehr kath. Eltern der Wunsch durch, die Schulverhältnisse entsprechend dem Schulgesetz zu ändern. In mehreren Versammlungen der kath. Eltern im Beisein von kirchlichen Vertretern wurden geheime Abstimmungen verlangt, die jedoch unterdrückt wurden.

Am 19.3.1965 beschloss der Gemeinderat einstimmig, den Unterricht mit Wirkung vom 1.4.1965 zusammenzulegen. Dies wurde den Eltern mitgeteilt und auch in einer öffentlichen Gemeinderatsitzung bekannt gegeben. Mit dem Hauptlehrer Blekker wurden die erforderlichen Regelungen u.a. auch wegen des Kath. Religionsunterrichts getroffen. Dem Antrag von vier kath. Eltern auf Umschulung in die Burgschule konnte aus finanziellen Gründen und wegen des Fehlens der Lehrerstunden nicht stattgegeben werden.

Trotz des angedrohten Schulstreiks schicken 8 Elternpaare ihre 13 Kinder (von insgesamt 26 Kindern) in den gemeinsamen Unterricht.

Mit der Vereinigung der beiden Schulen zur Gemeinschaftsschule endet die Geschichte der Kath. Volksschule Brandlecht. Der Klassenraum der ehemaligen Kath. Schule wird noch bis 1967 genutzt, die Lehrerwohnung bis 1970 von der damaligen Schulleiterin Frau Blekker bewohnt. Dann wird das Gebäude verkauft und als Mehrfamilienhaus mit Poststelle umgebaut.

Quellen:

  • Schulchronik der Kath. Volksschule Brandlecht, 1896 - 1961 (aufbewahrt im Stadtarchiv Nordhorn)

  • Pfarrer Franz Menkhaus, Katholische Volksschule Brandlecht 1827 - 1965, In: Dorfchronik Brandlecht/Hestrup, Herausgeber: Heimatverein Brandlecht/Hestrup, 1994