Grafschafter Schulgeschichte

Schöltien 

Wielen

Schule Hesepe 

1960

Gymnasium

Nordhorn 1960

Alte Schule Lage 

1691 - 1960

Schule Achterberg

ca. 1935

Schule Wilsum 

um 1900

Kirchschule Schüttorf um 1900

Einzelberichte zur Grafschafter Schulgeschichte

Ein GN-Bericht vom 23. Mai 2009:

Die Zukunft Europas ist die Zukunft der Jugend

Internationale Kontakte nehmen zu – Niederländischunterricht an 23 Grafschafter Schulen

Von Manfred Rockel

Hinweis zum Verfasser: Herr Manfred Rockel ist der "Koordinator für europäische und internationale Aufgaben im Schulbereich" bei der niedersächsischen Landesschulbehörde, Standort Osnabrück. Zu seinen Hauptaufgaben gehören gehören Information, Beratung und Evaluierung zum Comenius-Projekt, wofür in Westniedersachsen ebenfalls ein kleines EuropaTeam bereit steht. Nähere Informationen über seine Tätigkeit finden Sie im Internet unter "Arbeiten für Europa"


"Was bedeutet uns Europa? – Jeder hat seine eigene Vorstellung von Europa, und die ist durchweg nicht negativ, wenn es um den Alltag geht: Ungehindertes Reisen von einem Land in das andere, Studieren und Arbeiten im Ausland, freier Zugang zu europäischen Waren und Anbietern... Das sind heute fast selbstverständliche Annehmlichkeiten, die die große Mehrheit nicht wieder hergegeben werden möchte.

Sperrig wird es allerdings, wenn wir Europa in der politischen Dimension betrachten. Das Bild wird auch heute noch von viel Skepsis und einer großen Portion Unwissenheit bestimmt. Das drückt sich auch in der bisher schwachen Beteiligung bei den Wahlen zum europäischen Parlament aus.

Dabei sollte niemand an der heutigen Bedeutung der Europäischen Union für jeden Europäer zweifeln. Das gilt allgemein, weil mittlerweile rund zwei Drittel der Regelungen, die das Leben der Bürger Europas bestimmen, direkt oder indirekt auf Entscheidungen der EU zurückgehen. Das gilt ebenso im Einzelfall, wenn beispielsweise am selben Tag im März eine gerade für Jugendliche nutzerfreundliche Höchstgrenze für Auslands-SMS festgesetzt wird oder problematische Nano-Bestandteile in Sonnenschutzmittel und Pflege-Cremes verboten werden.

Für junge Menschen scheint sich auch der Sinn des wunderbaren Zitats des Luxemburgischen Premierministers Jean-Claude Juncker (aus dem Jahr 2005) nicht ohne Weiteres zu erschließen: „Wer an Europa zweifelt, der sollte Soldatenfriedhöfe besuchen.“ Dabei ist, besonders wenn die ältere Generation sich besinnt, über 60 Jahre Frieden in Mitteleuropa ein großartiges Geschenk. Und was wären die Alternativen zu einem friedlich zusammenarbeitenden Europa – „das Gegeneinander der Völker, das Nicht-miteinander-Wollen, das Nicht-miteinander-Können“?

Hat Europa also ein Vermittlungsproblem? Für den Freiburger Europadidaktiker Detlev Hoffmann kommt es vor allem darauf an, dass Jugendliche sich für die Zukunft Europas „als ihre eigene“ interessieren, und Hoffmann geht weiter: „Nur die Schule ist der Ort, an dem nahezu alle Jugendlichen erreicht und für Europa motiviert werden können.“

In diesem Sinne haben sich bereits 1978 die Kultusminister aller Bundesländer geeinigt, Europa allen Schulen als Bildungsauftrag aufzugeben, und dies fächer- und schulformübergreifend. Manchmal sind kleine Schritte auf diesem Weg vielleicht Erfolg versprechender als große Sprünge ins Leere. An den Grafschafter Schulen hat sich jedenfalls mit Blick auf Europakompetenz und europäische Zusammenarbeit von Schulen, verstärkt in den letzten zehn Jahren, einiges entwickelt, das das Bild bis heute positiv verändert hat.

Es ist buchstäblich nahe liegend, dass sich inzwischen ausgesprochen vielfältige Formen schulischer Aktivitäten und Zusammenarbeit mit dem niederländischen Nachbarn ergeben haben: Die Grundschule Blumensiedlung in Nordhorn ist nur eine von zahlreichen Grafschafter Schulen, die regelmäßige Austauschmaßnahmen und gegenseitige Schulbesuche oder kleine Projekte mit niederländischen Partnern durchführen. In Bad Bentheim hat die Städtepartnerschaft mit Assen beispielsweise auch einen Schüleraustausch eingeleitet, der nicht nur das Burg-Gymnasium, sondern auch die Grund- und Hauptschule einbezog. Die Kaufmännische Berufsbildende Schule der Grafschaft (KBS) hat derzeit sechs niederländische Auszubildende zu Gast, die ein Praktikum in hiesigen Großhandelsbetrieben durchführen. Die KBS wiederum plant, mit Hilfe des EU-Förderprogramms „Leonardo da Vinci“ im Oktober deutsche Schüler zur beruflichen Bildung in die Niederlande zu schicken. Der Bereich Landwirtschaft der Hauswirtschaftlichen Berufsbildenden Schule (HBS) ermöglicht seit Jahren jungen Franzosen aus Chateauroux, ihr Praktikum in landwirtschaftlichen Betrieben der Grafschaft zu absolvieren. Die HBS hat ebenfalls „Leonardo“-Kontakte nach Almelo aufgebaut.

In Emlichheim und Coevorden werden die Gemeinden grenzübergreifend mit ihren Schulen zusammenarbeiten, damit die Schüler bereits bei der beruflichen Orientierungsphase lernen, über den eigenen Tellerrand zu schauen. Der Motor des Projekts, Realschulrektor Rüdiger Kopplin, will dieses Projekt mit der Haupt- und Realschule auch dann durchführen, wenn die beantragten Fördergelder des neuen EU-Programms „Comenius Regio“ ausbleiben sollten.

Besonders herauszustellen ist in diesem Zusammenhang auch der erste grenzüberschreitende Zusammenschluss in Europa, die EUREGIO, die seit 1958 zahlreiche gute und wichtige Anstöße für die Zusammenarbeit mit den Niederlanden, auch im Schulbereich, gegeben hat und gibt. Die EUREGIO hilft auch, eine passende Partnerschule zu finden.

Hajo Hülsdünker, bei der Landesschulbehörde zuständig für die niedersächsisch- niederländische Zusammenarbeit, zeigt sich sehr zufrieden mit dem wachsenden Angebot und Zuspruch, den Niederländisch als Fremdsprache erfährt. Die entsprechende Übersicht des Niederländisch-Angebots umfasst 23 Schulen in der Grafschaft und reicht von der Grundschule in Gildehaus bis zu der Gewerblichen Berufbildenden Schule in Nordhorn.

Eine der besten Aktionen der EU war die Entwicklung des seit 1995 existierenden Förderprogramms für Schulen unter dem Begriff „Comenius“. Die Idee, unter dem Namen des bedeutenden Universalgelehrten Johann Amos Comenius (fast) allen Schulen in Europa anzubieten, direkt in Projektgruppen miteinander zu arbeiten und sich auszutauschen und Europa gleichsam von der Basis aus praktisch mit Leben zu füllen – diese Idee hat seither zu tausenden multilateralen Europaprojekten geführt. Es dauerte eine gewisse Zeit, bis sich hier die Grafschaft rührte, aber im Jahr 2005 konnten gleich drei Schulen die Ergebnisse ihrer Arbeit mit Projektpartnern in Europa in einer gemeinsamen Ausstellung im Kreishaus vorstellen:

ä Grundschule Altendorfer Straße, Nordhorn, Projekttitel: Leben am Wasser – Wasser ist Leben, Partner in Ekshärad/Schweden, Hardenberg/Niederlande, Malbork (Marienburg)/Polen

ä Gymnasium Nordhorn, Projekttitel: Unsere Stadt – Kontinuität und Wandel von 1900 bis heute, Partner in Nijmwegen/ Niederlande, Nové Mésto /Tschechien

ä Hauswirtschaftliche Berufsbildende Schulen der Grafschaft in Nordhorn, Projekttitel: Die Beziehung zwischen Produzenten und Verbrauchern in vier europäischen Ländern, Partner in: Xinzo de Limia/ Spanien, Linnantaus/ Finnland, Charolle und Figeac/ Frankreich

Bei unterschiedlichen Themen und Partnern haben die Schulen gemeinsam so gute Erfahrungen mit „Comenius- Schulpartnerschaften“ gemacht, dass Folgeprojekte bereits laufen oder geplant sind. Das gilt auch für das Lise-Meitner-Gymnasium in Neuenhaus und Uelsen, wo aktuell in dem zweiten Projekt „g@t it – the European Feeling“ eine internationale Schülerzeitung entsteht.

Bei „Comenius“ stellt die EU für eine Schule bis zu 20000 € für europäische Projektarbeit und Projekttreffen zur Verfügung – mindestens genauso wichtig und wertvoll sind die zahlreichen und über Jahre in Eigeninitiative der Schulen durchgeführten kleinen und großen Aktivitäten, die darauf ausgerichtet sind, Europakompetenz und interkulturelle Kompetenz an den Schulen zu entwickeln und zu fördern.

Nicht immer muss dabei eine Veranstaltung so aufwändig gestaltet sein wie der dritte EU-Projekttag 2009 am Schulzentrum Lohne, wo Schülergruppen Europa geographisch, politisch, kulturell und kulinarisch präsentierten.

Um ihren Schülern für Europa und die Welt interkulturelle Kompetenz zu vermitteln, können die Schulen auf unterschiedlichen Wegen ansetzen, das Erlernen von mehreren Fremdsprachen und internationale Kontakte und Austauschmaßnahmen gehören bei den Gymnasien der Grafschaft erfreulicherweise durchweg dazu. Das Missionsgymnasium St. Antonius in Bardel hat sich besonders international ausgerichtet, indem die Schule u.a. Chinesisch anbietet, einen wöchentlichen Schüleraustausch mit Losser durchführt, Kontakte zu Brasilien und Südafrika pflegt und seine Schüler über ein bilinguales Modell zum englischen Abitur (A Levels) führen wird.

Einen bemerkenswerten Ansatz hat auch das Gymnasium Nordhorn als Europaschule entwickelt, wo ein kollegiales Europateam die vielfältigen Europa-Aktivitäten so koordiniert, dass sie einen Eckstein des Schulprofils bilden.

Europa wird wie Rom nicht an einem Tag gebaut, und viele, aber nicht alle Wege führen nach Europa. Zahlreiche Grafschafter Schulen haben sich auf ihren Weg gemacht. Die Schülermeinungen belegen, dass die Erfahrungen nicht die schlechtesten sind. Vielleicht ergibt die konkrete Begegnung mit unseren euröpäischen Nachbarn für mehr junge Leute den Anstoß, auch als Erstwähler bei der Europawahl aktiv zu werden."

Quelle: GN-Artikel von Manfred Rockel, Die Zukunft Europas ist die Zukunft der Jugend,  23.05.2009