Grafschafter Schulgeschichte

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Seine Spuren prägen Nordhorn bis heute

Zum Tode des ehemaligen Kultur- und Jugenddezernenten Bernd Sundhoff


Von Rolf Masselink

"Es war eine bewegte Zeit in den „wilden 80er Jahren“, in denen Bernd Sundhoff im Nordhorner Rathaus Verantwortung für die Kultur- und Jugendpolitik, für Sport und Schulfragen trug. Eine Zeit, in der für Nordhorn alle Zeichen auf Aufbruch und Veränderung standen. In jenen Jahren, als Nordhorn sich eine Fußgängerzone gönnte, die Innenstadt sanierte und nach der ersten großen Textilpleite die Herausforderung der Povel-Sanierung annahm, wurden die Grundlagen gelegt zur Bewältigung des Strukturwandels, in den der Zusammenbruch der Textilindustrie die Stadt wenige Jahre später stürzen sollte.
Bernd Sundhoff war, obwohl eher ein Mann der leisen Töne, einer der herausragenden Architekten dieses „neuen Nordhorn“: Zum Beispiel in der Jugendpolitik, wo er als zuständiger Dezernent der Stadt das Jugendzentrum vom „Schmuddelkind der 70er-Jahre“ zum Ankerpunkt einer neuen Jugend- und Sozialpolitik entwickelte. Oder in der Schulpolitik, wo er dafür sorgte, dass erste volle Halbtagsschulen sowie in der Blumensiedlung und der Blanke neue, nicht konfessionsgebundene Grundschulen entstanden. Vor allem aber in der Kunst- und Kulturpolitik, wo er maßgeblich neue Großprojekte vorantrieb wie den Skulpurenweg, das Künstlerhaus im Stadtpark, die Kornmühle und das Straßenkulturfest. Mit Bernd Sundhoff erhielt die Kulturpolitik in Nordhorn einen ganz neuen Stellenwert. Seither formt diese Kulturpolitik das Gesicht der Kreisstadt mit.
Am 1. August 1980 hatte der bekennende Sozialdemokrat im Rathaus das Amt des Dezernenten für Kultur, Jugend, Schule und Sport übernommen. Zehn Jahre lang gehörte er zur obersten Leitungsebene der Stadtverwaltung unter der Führung des damaligen Stadtdirektors Horst-Werner Brandt. Diese Mannschaft war sich durchaus nicht immer einig, war aber in ihrer Kombination unterschiedlicher Kompetenzen und Visionen ein Glücksfall für Nordhorn.
Die Stadt veränderte sich. Bernd Sundhoff war einer der Motoren. Mit Zigarillo und Rollkragenpulli machte er sich stark für die städtische Galerie, für Kleinkunstreihen und den Bau der JZ-Scheune. Er hob Lesewettbewerbe, Fremdsprachenspiele und die musikalische Früherziehung aus der Taufe. Er initiierte Arbeitsbeschaffungsprojekte zum Umbau historischer Gebäude sowie zum Ausbau des Tierparks. Seine Arbeit machte Nordhorn zur kunst- und kulturoffenen Stadt.
1990 räumte Sundhoff sein Dezernentenbüro. Sein Wunsch, als Nachfolger von Horst-Werner Brandt auf den Chefsessel des Rathauses aufzurücken, war zerplatzt: Die Kreis-SPD setzte Harald Krebs durch. Sundhoff wechselte als Stadtdirektor ins rheinische Erkrath. Als dort 1999 erstmals ein hauptamtlicher Bürgermeister zu wählen war, zog Sundhoff sich mit 58 Jahren ins Privatleben zurück.
Das führte ihn zurück in die Grafschaft, in Bad Bentheim fand er eine neue Heimat. Aber sein Traum, sich von dort aus noch intensiver seiner großen Liebe, dem Meer, widmen zu können, erfüllte sich nicht. 2001 warf ihn eine schwere Herzerkrankung aus der Bahn. Als er halbwegs genesen war, tauschte er seine Segelyacht „Coque d’Eau“ gegen einen Wohnwagen, ging mit Ehefrau Johanne nun auf dem Landweg auf Entdeckungstouren durch Europa. Zuhause warteten Regalwände voller Bücher auf ihre Rückkehr.
„Mein Bedarf an Kommunalpolitik ist gedeckt“, hat er einmal gesagt. Doch das stimmte nicht ganz. Unter anderem sorgte er in Bad Bentheim dafür, dass zum Gedenken an die einst große jüdische Gemeinde 53 Stolpersteine im Stadtgebiet verlegt wurden.
Am Dienstag starb Bernd Sundhoff im Alter von 68 Jahren. Die Spuren seines Wirkens prägen Nordhorn bis heute und werden noch lange an ihn erinnern.
Quelle: GN, 16.4.2010

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