Grafschafter Schulgeschichte

  Biographien Grafschafter Lehrerinnen und Lehrer

Ludwig Sager 

ca. 1925

Ludwig Sager 

25.1.1886 - 24.5.1970


1. Aus dem Bentheimer Jahrbuch 1986 von Dr. H. Heddendorp
2.
"Feingeist schreibt Geschichte"  Zum 125. Geburtstag von Ludwig Sager (+ 24. 5. 1970)
     von Irene Schmidt -  Quelle: GN, 24.1.2010

3. Ludwig Sager - Heimatfreund und Dichter  Zum 125. Geburtstag des bekannten Grafschafter Pädagogen, 
    von Helmut Lensing - Quelle: Der Grafschafter Nr. 10 Oktober 2011


1. Aus dem Bentheimer Jahrbuch 1986 von Dr. H. Heddendorp

Die Wiege Ludwig Sagers stand in Schüttorf. Dort wuchs er auf, bis ihn als Fünfzehnjährigen die Berufsausbildung nach Aurich in die Präparande und das Lehrerseminar rief. 1906 begann er seine Schulmeisterlaufbahn in der damaligen Mooreinsamkeit von Getelomoor (siehe: G13) - Schulmeister nannte er sich gern. Bis 1949 stand er in seinem Beruf in Uelsen (siehe: G01), Lage (siehe: E02) und Neuenhaus (siehe: , hier zuletzt als Hauptlehrer. In Neuenhaus-Hilten verbrachte er auch im eigenen Heim, einem Idyll am Rande der Stadt, seinen Ruhestand. Die Fenster seines Arbeitszimmers gewährten ihm jederzeit einen Ausblick auf seinen geliebten Lager Busch.

Im Ersten Weltkrieg war er als Soldat in Frankreich. Er hat also fast sein ganzes Leben in der Grafschaft Bentheim geführt. Das hat zweifellos seine Art und seine Arbeit geprägt - er war seiner Heimat eng verbunden.

Ludwig Sager war seinen Zeitgenossen besonders als hervorragender Kenner von Heide, Wald und Flur bekannt. Die "alte" Lehrerausbildung hatte dazu den sicheren Grund gelegt. Als Jäger war er Freund und Heger der freilebenden Kreatur.

Die historischen Zeugnisse seiner Vaterstadt mögen in ihm früh einen bleibenden Sinn für geschichtliche Zusammenhänge, besonders in der Grafschaft Bentheim, geweckt haben. Schon in den ersten Jahren seiner Lehrertätigkeit beschäftigte ihn das Studium der erreichbaren archivalischen Quellen. Die Früchte dieser jahrzehntelangen Arbeit an der Erforschung der Heimatgeschichte finden wir u.a. in den Schriften des Heimatvereins, vom ersten Heimatkalender aus dem Jahre 1926 an bis in die neuen Jahrbücher. Unter den größeren Arbeiten befindet sich "Die Geschichte einer Verpfändung, zehn Bilder aus der Bentheimer Geschichte", veröffentlicht in "Zeitung und Anzeigenblatt" 1929 und "Bentheimer Zeitung" 1930 sowie im Jahrbuch des Heimatvereins von 1967. 1952 erschien sein Buch "Die Grafschaft Bentheim in der Geschichte", dessen Titel das besondere Vorhaben des Bandes andeutet.

Dem Heimatverein widmete Ludwig Sager sich von der Zeit der Gründung des Vereins an. Über drei Jahrzehnte war er Mitglied des Vorstandes und viele Jahre Vertrauensmann des Heimatvereins in Neuenhaus. 1966 zeichnete ihn der Heimatverein durch die Verleihung der Ehrenmitgliedschaft aus - er war das erste Ehrenmitglied des damals über fünfzigjährigen Vereins.

Ein bleibendes Denkmal hat Ludwig Sager sich in seinen schriftstellerischen Arbeiten gesetzt. Bereits 1932 schrieb er das s.Z. volkstümliche Bühnenstück "Der Hirt von Neuenhaus", das die Bentheimer Freilichtbühne bald aufführte. Seine vielen Erzählungen entsprangen geschichtlichen Hintergründen, quollen aus Überlieferungen alten Sagenguts der Heimat, beleuchteten heimliche und unheimliche Taten verwegener Grenzlandbewohner oder gaben eignem Erleben in Friedens- und Kriegszeiten Ausdruck. Gemeinsam ist ihnen immer wieder das unermüdliche Bemühen und Ringen um das Verständnis der in oft rätselhaftes Tun verwickelten Menschen. Das weckt die jedes Mal packende Spannung. Einige dieser Erzählungen sind: Derkohm, der Sedanstürmer (1927) bzw. Dee noojt lopen gaan was (1968), De Mann met dat growwe Gesicht (1932), Irrlichter im Grenzmoor (1954), Saul, Saul, was verfolgst du mich (1955), Bei Hanekenfähr strömten die Wasser (1964) und Harmina, eine Erzählung von der Grenze (posthum 1971).

Einen besonderen Rang im Gesamtwerk Ludwig Sagers hat seine lyrische, zumeist naturlyrische Dichtung. Die Gedichte sind die Krönung seines poetischen Schaffens; in ihnen ging er auch gern den letzten Fragen des Seins, des Lebens und des Vergehens nach und schloss dabei die ihm vertraute Tierwelt ein. Ausgelesen aus diesen Werken sind erschienen in dem Buch "Es jauchzen Wald und Heiden", Paderborn und Osnabrück 1948,  in einem dem Dichter vom Heimatverein 1968 gewidmeten Sonderband "Meine Freunde" und in "Heimatdichtung der Grafschaft Bentheim", 1. Auflage 1973, 2. Auflage 1981.

Einst von Freunden nach dem Gang seines Lebens gefragt, antwortete der Dichter: "Die Stationen des Lebens werden lebendig in Wort und Werk". In dem Gedicht "Ich schöpfe tief aus eines Brunnen Schacht" 1) hat er die Antwort auf dichterische Weise gegeben. Auf  knappsten Raum, aber gültig hat er sich, den Menschen und den Dichter, in einer Strophe des Gedichts "Dem Fährmann Tod" 1) dargestellt:

Ich fuhr auf allen Straßen

fand ungemünztes Gold

wohl über alle Maßen

mir war das Leben hold.

1) "Heimatdichtung der Grafschaft Bentheim"
Quelle:
Bentheimer Jahrbuch 1986, Das Bentheimer Land, Band 109, Seite 5 - 6
Hinweis:

Der Lebenslauf von Ludwig Sager und eine Auswahl aus seinen Werken ist abgedruckt in dem Buch "Heimatdichtung der Grafschaft Bentheim", Das Bentheimer Land, Bd. 79, 3. Auflage 1989, S. 65 - 96

Eine weitere Kurzbiographie findet sich in dem Buch "Lage - Geschichte und Geschichten", 2009


2. Feingeist schreibt Geschichte

Zum 125. Geburtstag von Ludwig Sager (+ 24. 5. 1970)

Von Irene Schmidt -  Quelle: GN, 24.1.2010

Der Geburtstag des Grafschafter Schriftstellers, Heimatforschers und Dichters, Ludwig Sager, jährt sich am  25. Januar zum 125. Mal. Bekannt ist der ehemalige „Schulmeister“ vor allem den heimatverbundenen Grafschaftern und der älteren Generation. Doch es lohnt sich, heutzutage erneut auf Spurensuche zu gehen.

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Geboren wurde Ludwig Sager am 25. Januar 1886 in Schüttorf. Dort verlebte er auch seine Kindheit, bevor er als 15-Jähriger nach Aurich ging, um sich zum Lehrer ausbilden zu lassen. Als „Schulmeister“ – so bezeichnete er sich gerne selbst – erteilte er Kindern in Getelomoor, in Uelsen, Lage und Neuenhaus die ersten Lektionen im Lesen, Schreiben, Rechnen, in Heimat- und Naturkunde. Manche seiner ehemaligen Schüler haben ihren Lehrer von damals noch heute in guter Erinnerung.

Doch Sagers Bekanntheitsgrad reichte über seine schulischen Aufgaben weit hinaus. Als passionierter Jäger verfügte er über einen großen Fundus an Wissen über die Grafschafter Tier- und Pflanzenwelt. Als Schriftsteller verfasste er so manche Erzählung. Als Heimatforscher beschäftigte er sich nicht nur mit Archiven und Quellen, er ist auch einer der „Väter“ des Heimatvereins Grafschaft Bentheim, der im vergangenen Jahr sein 100-jähriges Bestehen gefeiert hat. Folgerichtig wurde er 1966 zum ersten Ehrenmitglied des Heimatvereins ernannt. Zahlreiche Beiträge, vom ersten Heimatkalender 1926 bis hin zu den Jahrbüchern, belegen Ludwig Sagers Engagement und seine Heimatliebe.

Das Schreiben war jedoch seine besondere Leidenschaft. Seine Erzählungen wie „Derkohm, der Sedanstürmer“ (1927), „De Mann met dat groww Gesicht“ (1932), „Irrlichter im Grenzmoor“ (1954) oder „Bei Hanekenfähr strömten die Wasser“ (1964) gehören zu den bekannteren Werken. „Der Hirt von Neuenhaus“ (1932) wurde sogar auf der Bad Bentheimer Freilichtbühne aufgeführt.

Seine Liebe zur Natur wurde nicht nur in den Erzählungen deutlich, auch eine größere Anzahl von Gedichten hat er ihr gewidmet. Dr. H. Heddendorp, der in der „Grafschafter Schulgeschichte“ eine Biografie erstellt hat, kommentierte das so: „Die Gedichte sind die Krönung seines poetischen Schaffens; in ihnen ging er auch gerne den letzten Fragen des Seins, des Lebens und des Vergehens nach und schloss dabei die ihm vertraute Tierwelt ein. (...) Einst von Freunden nach dem Gang seines Lebens gefragt, antwortete der Dichter: ,Die Stationen des Lebens werden lebendig in Wort und Werk“. Und das widmete er auch seinen Freunden und guten Bekannten, wie dem GN-Verleger und Zeitgenossen Georg Kip (18. 06. 1889 - 09. 03. 1965), zu dessen 70. Geburtstag er eigens ein Gedicht verfasste.

Viele seiner Erlebnisse und Gedanken vertraute der gebildete und sensible Ludwig Sager seinen Tagebüchern an, die heute von seinen Enkeln gehütet werden. Auszugsweise veröffentlichte er jedoch auch Passagen in den Jahrbüchern des Heimatvereins, um damit zur Bewahrung der Grafschafter Geschichte beizutragen. Darin geht es nicht nur um die guten Erinnerungen.

So setzte sich Sager auch mit der Zeit des Nationalsozialismus und seinen Auswirkungen auf die Grafschaft Bentheim auseinander. Darin heißt es am 20. Februar 1943: „Gestern Aufruf zum totalen Krieg, im Sportpalast (Berlin) stimmte die Jugend mit frenetischem Beifall zu. Am 15. war ich bei Specht (Lehrer und SPD-Politiker / MdL: 04. 01. 1885 - 18. 06. 1952), am 12. 2. Wilhelm Frantzen (Künstler und Lehrer: 04. 06. 1900 - 07. 10. 1975) bei mir, aus der Bretagne kommend: es tut gut, sich einmal rückhaltlos, ohne Schleier, ohne Illusionen auszusprechen mit Menschen, die den ganzen Ernst der Lage erkennen.“ Und am 26. Dezember 1943 schreibt er: „Wieder Weihnachten, das fünfte Mal im Kriege, eingeleitet in den frühen Morgenstunden des 24. 12. durch höllisches Luftkonzert, Angriffe auf Berlin und Leipzig. ,Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen!’ Aus dem Geist von Bethlehem kam diese Katastrophe nicht über die Menschen.“

Mit Sorge verfolgt Ludwig Sager das Schicksal von Bekannten und seiner ehemaligen Schüler, wie in seinen Kriegstagebüchern immer wieder deutlich wird, so wie am 13. Mai 1940: „Ich war heute bei den Freunden an der Grenze, wo Stacheldraht die Menschen trennt, die von Jugend an Seite an Seite lebten und arbeiteten. Für meinen jungen Freund H. J. B. kam die Einberufung aus dem nun besetzten holländischen Gebiet um einen Tag zu früh. (...) Er muss schießen und weiß auf der anderen Seite seine Schulkameraden, mit denen er acht Jahre die Lager Dorfschule besuchte.“

Ludwig Sager hatte das Glück, den Wiederaufbau Deutschlands mitzuerleben. Seine Erfahrungen und den Verlust einiger Bekannter und ehemaliger Schüler nahm der Feingeist und Naturfreund als bittere Erfahrung mit, die manchmal in seinen Werken ihren Niederschlag fand.

Nachtrag: Zum 125.Geburtstag von Ludwig Sager erscheinen in den Grafschafter Nachrichten zwei Artikel:
"Feingeist schreibt Geschichte" von Irene Schmidt und
"Ludwigs Enkel erinnern sich: Opa - unser Held" von Dorothee Feldkamp, Gustel Marjahn, geb. Meckelnburg, und Jürgen Sager
(GN, 24.1.2011).


3. Ludwig Sager - Heimatfreund und Dichter
 Zum 125. Geburtstag des bekannten Grafschafter Pädagogen, 
 von Helmut Lensing - Quelle: Der Grafschafter Nr. 10 Oktober 2011

Älteren Grafschaftern ist Ludwig Sager noch ein Begriff, denn für Jahrzehnte prägte er das Grafschafter Kulturleben und war deshalb weit über die Grenzen des Kreises bekannt. Geboren wurde der Gastwirtssohn am 25.Januar 1886 in Schüttorf. Zwar auf den Namen Johann Louis getauft, setzte sich als Rufname jedoch mit "Ludwig" die deutsche Version seines französischen Vornamens durch. Der sehr gute Schüler verließ mit 15 Jahren seine Heimatstadt, um sich in Aurich auf den Lehrerberuf vorzubereiten. Als frischgebackener Lehrer kam Sager im April 1906 an die reformierte Volksschule in Getelomoor, wechselte 1907 zur Uelser Kirchspielschule und war anschließend von 1913 bis 1930 Hauptlehrer (Rektor) in Lage.
Der beliebte Pädagoge kümmerte sich außergewöhnlich intensiv um seine Schüler. Er versuchte, durch neue Unterrichtsmethoden, Ausflüge oder durch die Heranführung an Dichtung und Schauspiel den geistigen Horizont seiner Schüler zu erweitern und sie aus der häufig geistigen Enge infolge eines Lebens in einem verkehrsfernen Dorf und einer abgeschiedenen Region herauszuführen. Ebenso förderte der Junglehrer den Sport, der im Bentheimer Land seinerzeit noch ein Nischendasein führte. So gehörte er zu dn Hauptinitiatoren bei der Gründung des Sportvereins "Olympia Uelsen".
Der vielseitig interessierte Sager kam schon früh, noch in Schüttorf, mit der Poitik in Berührung. Er wurde als Kind dort Zeuge, wie die nationalsozialen Arbeiter, die vom linksliberalen Hellmut von Gerlach organisiert worden waren, bei den Wahlen von den Fabrikanten und Beamten unter Druck gesetzt wurden. Infolgedessen engagierte er sich 1913 politisch in der Opposition gegen den stock-konservativen Landrat Hermann Kriege, der den Druck tatkräftig unterstützt hatte - und sah seinen Kandidaten aufgrund des behördlichen Einwirkens ebenfalls scheitern. Diese Erfahrungen prägten seine politische Haltung.
So schloss er sich nach der Revolution von 1918 der linksliberalen "Deutschen Demokratischen Partei" (DDP) an, und bekämpfte vehement als junger "Feuerkopf" , wie er rückblickend bekannte, die "Pfaffen" und deren Einfluss etwa im Schulwesen oder in christlichen Parteien.1930 Hauptlehrer der großen Neuenhauser evangelichen Volksschule geworden, musste sich der Linksliberale nach der NS-Machtergreifung politisch stark zurückhalten. Äußerlich soweit mitarbeitend , dass seine berufliche Stellung nicht gefährdet wurde, engagierte sich Sager zunehmend in der "Bekennenden Kirche". Seine später ausschnittsweise veröffentlichten Tagebucheintragungen zeigen ihn als wachen Beobachter des politischen Zeitgeschehens, der nicht verschweigt, dass auch ihn als durchaus vaterländisch gesinnten Deutschen einige Zeitereignisse zeitweilig mitrissen.
Seine wachsende Verwurzelung im christlichen Glauben, seine Abneigung gegen die "Deutschen Christen" und die Versuche des NS-Staats, die Kirchen zu gängeln und das Glaubensgut zu verfälschen, hinderten ihn jedoch daran, sich dem Regime allzusehr anzunähern. Anfang 1937 wurde Sager auf eigenen Antrag aus der SA entlassen. Er weigerte sich überdies, aus der Kirche auszutreten, was seinerzeit vielen Pädagogen nahegelegt wurde. So erhielt er nicht das Zertifikat als "Hitlerjugendführer".
Trotzdem blieb der Schulleiter unbehelligt. Möglicherweise schützte ihn ein wenig sein großer Bekanntheitsgrad. Der passionierte Naturfreund und Jäger betätigte sich früh als Dichter und Heimatforscher. Seit 1932 im Vorstand des Grafschafter Heimatvereins, prägte er rund drei Jahrzehnte wesentlich dessen Erscheinungsbild. Bereits 1913 erschien seine erste heimatgeschichtliche Veröffentlichung in der Grafschafter Presse. Sager sammelte unermüdlich Sagen, überlieferte Geschichten oder Volkserzählungen, die er nicht nur für den Unterricht nutzte, sondern auch in Gedichten und Schauspielen verarbeitete. Besonders populär wurde sein Schauspiel "Der Hirte von Neuenhaus", das die Bentheimer Freilichtbühne 1932 mit großem Erfolg aufführte. Seine Werke druckten zunächst Zeitungen ab, dann publizierte er auch im "Grafschafter Heimatkalender" und dessen Nachfolger, dem "Jahrbuch der Heimatvereins der Grafschaft Bentheim", sowie im "Grafschafter". Jahrzehntelang erschien kaum eine Folge dieser Reihen ohne einen Beitrag von Ludwig Sager. 1949 in den Ruhestand gegangen, intensivierte Sager seine schriftstellerischen und heimatgeschichtlichen Bemühungen. Seine hoch- und plattdeutschen Gedichte, die seiner Naturverbundenheit Ausdruck verliehen, geschichtliche Themen aufgriffen oder sich mit den tieferen Fragen des menschlichen Daseins auseinandersetzten, wurden teilweise vertont und - in Gedichtsbänden veröffentlicht - regional bekannt.
Vielen Grafschaftern ein Begriff wurde der Neuenhauser außerdem durchzahlreiche Naturführungen im Namen des Heimatvereins und infolge seiner freien Mitarbeit beim "Sonntagsblatt für evangelisch-reformierte Gemeinden".  War er schon vor der NS-Zeit als Linksliberaler im seinerzeit durch und durch konservativen Vorstand des Grafschafter Heimatvereins ein politischer Außenseiter gewesen, so überraschte er 1961 durch ein Plädoyer zugunsten des SPD-Politikers Willy Brandt, der nicht nur im Bentheimer Land unter Sagers protestantischen Glaubensgenossen einen schweren Stand wegen seiner marxistisch-atheistischen Vergangenheit hatte.
Die SPD war seinerzeit im Bentheimer Land eine nahezu ausschließlich auf die städtische Arbeiterschaft beschränkte Partei. Sager verglich Brandt mit dem großen Neuenhauser Bürger Johannes (von) Miquel (!828 - 1901), der als junger Idealist Atheist und Marxist gewesen war, später aber geläutert wurde, zum Glauben zurückfand und segensreich als Reichsfinanzminister gewirkt habe. Aufgrund der vielfältigen Verdienste Sagers blieben Ehrungen nicht aus.
Der Grafschafter Heimatverein, der ihm so viel zu verdanken hatte, ernannte beispielsweise den volkstümlichen Neuenhauser 1966 zu seinem ersten Ehrenmitglied. Sagers Gedichte und Erzählungen sind inzwischen größtenteils in Vergessenheit geraten, keineswegs immer zu recht. Viele wären es wert, durch einen Neuabdruck wieder in Erinnerung gerufen zu werden.

 

Diese Seiten sind Teil des Projekts "Die Grafschaft Bentheim im Unterricht"