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Oberstudiendirektor i.R. Herbert Leonhardt
1890 - 1962
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Nach
dem Tode von Herrn Oberstudiendirektor Herbert Leonhardt
erschienen
in der örtlichen Presse zwei Nachrufe, die hier wörtlich
wiedergegeben werden
- Grafschafter
Nachrichten vom 16. Juli 1962
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Grafschafter Tagepost vom 16.Juli 1962
Die
Verfasser sind nicht bekannt.
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Nachruf in den
Grafschafter Nachrichten vom 4.Juli 1962
"Am
vergangenen Freitag verschied im Alter von 71 Jahren unerwartet der
erste Nachkriegs-Direktor des Gymnasiums Nordhorn, Oberstudiendirektor
i. R. Herbert Leonhardt. Ein Herzinfarkt, den er während einer
Operation erlitt, die ihm Linderung von seinem langwierigen Leiden
hatte bringen sollen, setzte seinem Leben ein Ende.
Nachrufe für Menschen, die in hohem öffentlichem Ansehen
standen, neigen allzu gern zu Übertreibungen. Dennoch darf getrost
ausgesprochen werden, daß der Tod Herbert Leonhardts nicht nur
für seine engsten Angehörigen einen schmerzhaften Verlust
bedeutet, sondern für einen weitaus größeren Kreis.
Obwohl der im Jahre 1946 aus Schlesien nach Niedersachsen gekommene
Schulmann schon 1956 in den Ruhestand trat, widmete er sich bis zu
seinem Lebensende vielfältigen Aufgaben. Sein plötzliche Tod
reißt darum manche Lücke.
Der
gebürtige
Saarbrücker kam schon in seiner Kindheit nach Ostdeutschland und
wuchs in Graudenz und Liegnitz auf. Nach Studienjahren in
Göttingen,
Greifswald und Jena war dann auch das Gymnasium in Liegnitz seine
erste Wirkungsstätte. Bald zeigten sich die vielseitigen
Fähigkeiten des jungen Studienrates, der sich nicht eigentlich
auf ein Spezialgebiet beschränkte, sondern seinen Schülern
neben dem notwendigen Fachwissen eine gute Allgemeinbildung als
wichtiges Rüstzeug für die Charakterbildung zu vermitteln
suchte. Bester Ausdruck der Anerkennung, die Herbert Leonhardt
hierfür fand, war die Berufung zum Leiter der Deutschen Schule
in Kopenhagen, die er von 1930 bis 1934 als eine der besten deutschen
Auslands- Lehranstaten zielstrebig ausbaute. In jener Zeit erwarb der
deutsche Schulmann auch gründliche Kentnisse der dänischen
Sprache, die ihm gerade nach seiner Pensionierung sehr zugute kamen. Als
Herbert Leonhardt 1934 aus zweifelhaften politischen Gründen von
seinem Kopenhagener Posten abberufen wurde, nahm er seine alte
Tätikeit in Liegnitz wieder auf, wo er bis zur Vertreibung
blieb.
Der erfahrene Pädagoge aus Schlesien kam Ostern 1946 nach
Niedersachsen, arbeitete zunächst im Kultusministerium in Hannover
und übernahm dann 1947 die Leitung des Gymnasiums Nordhorn, das
bis dann Oberstudienrat Müller auftragsweie geführt hatte.
Der Zeitpunkt, zu dem Herbert Leonhardt Oberstudiendirektor am
Gymnasium Nordhorn wurde, war denkbar ungünstig. Es fehlte noch an
allem - nicht nur am täglichen Brot. Die Schule hatte keine
Geldmittel, um sich mit der notwendigen Ausstattung für einen
geordneten Unterrichtsbetrieb zu versehen. Es fehlten
Lehrkräfte, und es fehlte Schulraum. Hier zeigte sich neben allen
übrigen ein besonders wertvolles Talent Leonhardts: seine
Improvisationsgabe. Mit Geduld und Zähigkeit ging er an seine
Arbeit, und mit Herzensgüte und Humor hatte er seine Mitarbeiter
im Lehrerkollegium und die Schüler bald zu einer festen
Gemeinschaft zusammengefügt und damit die Grundlage für die
großartige Entwicklung gelegt, die das Gymnasium heute zu
verzeichen hat.
Weit gespannt waren die Interessen von Oberstudiendirektor Leonhardt.
Er widmete sich nicht nur den Naturwissenschaften, die er durch die
Gründung der Naturwissenschaftlichen Gesellschaft Nordhorn
über den Unterrichtsrahmen hinaus zu fördern verstand. Er
hatte auch für alles Musische ein weites Herz und wirkte hier
stark anregend. Besonders die darstellende Kunst hatte es ihm angetan;
Oberstudiendirektor Leonhardt gab den Anstoß für das
Puppenspiel, mit dem das Gymnasium vor einigen Jahren so sehr von sich
reden machte. Auch regte er seine Kollegen zur tatkräftigen
Mitarbeit in der Volkshochschule an,die damals mit dürftigen
Mitteln aufgebaut werden mußte. Das Vortragswesen jener noch
veranstaltungsarmen und bildungshungrigen ersten Nachkriegsjahre hat er
mit organisiert.
Mit hartnäckigen Leiden behaftet, trat Herbert Leonhardt im Jahre
1956 in den Ruhestand. Wieder zeigten sich seine Geduld und
Zähigkeit, die ihn mit frohgemuten Sinn trotz aller Widrigkeiten
neue Möglichkeiten finden ließen, sein Leben mit Arbeit
auszufüllen. Da war vor allem die Übersetzer-Tätigkeit
für den Bertelsmann-Verlag, für den er dänisches
Schrifttum in die deutsche Sprache übertrug. Daneben bearbeitete
er wissenschaftliche Werke und gab, was ihm stets besondere Freude
bereitete, den Deutsch-Unterricht an der Frauenfachschule. Arbeit
allein konnte ihn, der nie über seine schweren Leiden klagte, sein
Leben ertragen lassen. Und an Arbeit manglte es Herbert Leonhardt nie."
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Nachruf in der
Grafschafter Tagespost am 16. Juli 1962
Im
Alter von 71 Jahren hat Oberstudiendirektor i.R. Herbert Leonhardt am
Freitag für immer die Augen geschlossen. Er starb nach schwerer
Krankheit während einer Operation in Lengerich. Unser Nordhorner
Gymnasium hat damit innerhalb von zehn Tagen seine ersten beiden
Direktoren verloren. Oberstudiendirektor Karl Pfeiffer legte das
Fundament für die Schule; Oberstudiendirektor Herbert Leonhardt
baute 1946 mit Energie und Fleiß auf den Trümmern, die der
Krieg hinterlassen hatte, neu auf und schuf damit die Voraussetzungen
für die heutige Entwicklung und Bedeutung des Gymnasiums.
Herbert Leonhardt stammt aus Saarbrücken, doch wurde ihm Schlesien
- besonders das Riesengebirge - zur eigentlichen Heimat. Er war
Studienassessor in Liegnitz, dann mehrere Jahre Leiter einer Deutschen
Schule in Dänemark und anschließend Studienrat in Liegnitz.
Als Flüchtling, bar jeder Habe, kam er 1946 nach Nordhorn, wo er
am 1.Oktober die Leitung des Gymnasiums übernahm. Es war ein
schwerer Anfang. Die "Wohnung" des neuen Direktors bestand damals aus
einem kleinen Raum hinter dem Zeichensaal. Es fehlte an allem. Und die
Schule selbst? Im Krieg war das Nordhorner Gymnasium dezentralisiert
worden. Die Klassen befanden sich nicht nur in Nordhorn, sondern einige
waren in Bentheim und Neuenhaus untergebracht. In den letzten
Kriegsmonaten lagen im Gebäude des Gymnasiums Rot-Kreuz-Einheiten.
Später hat es Besatzungstruppen als Unterkunft gedient. Die
Klassenräume sahen trostlos aus. Die wertvollen Sammlungen waren
zum größten Teil vernichtet. Großzügige Hilfe
konnte von keiner Seite erwartet werden, denn in jenen Tagen hatte
jeder mit sich selbst zu tun.
Mit klarem Blick für das Notwendige und Mögliche nahm
Oberstudiendirektor Leonhardt damals die Zügel in die Hand, ging
mit Tatkraft und Beharrlichkeit ans Werk und meisterte die
Schwierigkeiten. Die schweren ersten Jahre formten eine besonders enge
Schulgemeinschaft. Oberstudiendirektor Leonhardt war mehr als nur der
Direktor des Gymnasiums. Er war der gütige Vater der Schule. Die
Tür seines Arbeitszimmers - und das ist nicht nur symbolhaft zu
verstehen - stand während des ganzen Tages den Mitgliedern des
Lehrerkollegiums und den Schülern offen. Er half, wo er nur
konnte, und wer ihn ganz genau kannte, wußte, dass sich eine
harte Entscheidung des Direktors meist durch ein offenes Gspräch
mildern ließ. Über allen nüchternen Verfügungen,
Richtlinien und Bestimmungen stand das Herz eines gütigen Menschen.
Oberstudiendirektor Leonhardt war in erster Linie Naturwissenschaftler
- in Vertiefung zur philosophischen Richtung. Höhepunkt seiner
Arbeit in Norhorn war deshalb der Erweiterungsbau des Gymnasiums am
Stadtring, in dem er die naturwissenschaftlichen Abteilungen nach
seinen
Ideen und Plänen einrichten konnte. In diesem Zusammenhang
muß noch besonders erwähnt werden, daß Leonhardt die
Gabe besaß, die Talente und Fähigkeiten seiner Mitarbeiter
von Anfang an richtig einzuschätzen. Deshalb konnte er seinen
Mitarbeitern auch bei größeren Aufgaben freie Hand lassen,
was der Arbeitsfreude in der Schule besondere Impulse verlieh.
Oberstudiendirektor Leonhardt war jedoch auch ein musischer Mensch. Er
musizierte selbst, war ein eifriger Förderer des Singkreises, nahm
beim Laienspiel selbst die Proben ab und regte die Gründung der
Marionettengruppe an, die sich hervorragend entwickelte.
Besonders eifrig setzte er sich auch für die Arbeitsgemeinschaften
ein und ging mit gutem Beispiel voran, indem er die philosophische
Arbeitsgemeinschaft selbst übernahm.
Die Liebe zu den Naturwissenschaften bewog ihn, in Nordhorn die
Naturwissenschaftliche Gesellschaft zu gründen und bedeutende
Wissenschafler (u.a. Pasqual Jordan) zu Vorträgen zu verpflichten.
Dabei sorgte er auch stets dafür, daß von dieser wertvollen
Arbeit auch die Schüler profitierten.
Eine besondere Freude war es für Oberstudiendirektor Leonhardt,
daß er die Klasse, die er 1946 eingeschult hatte, noch bis zum
Abitur führen konnte. Leicht wurde es ihm nicht, denn er war zu
dieser Zeit - obwohl er es Außenstehenden nicht merken ließ
und niemals klagte - bereits schwer krank. Die Abschiedsstunde für
diese Abiturienten (Ostern 1956) war gleichzeitig für ihn die
Stunde, in der er Abschied von der Schule nahm.
Auch in den Jahren des Ruhestandes blieb Oberstudiendirektor Leonhardt
Pädagoge und Wissenschaftler. Er unterrichtete Deutsch an der
Frauenfachschule, leitete weiterhin die Naturwissenschaftliche
Gesellschaft, arbeitete an einer Volksausgabe für Geschichte und
übersetzten im Auftrage eines bekannten Verlags dänische
Märchen.
Die Liebe zur Natur war ebenfalls geblieben. Wir erinnern nur an die
vielen Vogelstimmenwanderungen, zu denen er die Naturfreunde einlud.
Auf Rad- und Fußwanderungen lernte er die Grafschaft kennen - und
lieben. Obwohl er seine eigentliche Heimat, das Riesngebirge, sehr
vermißte, war ihm doch die Grafschaft in den zehn Jhren ins Herz
gewachsen.
Lehrerkollegium und Schüler des Nordhorner Gymnasium trauern um
einen guten Freund, die Grafschaft um eine Persönlichkeit, deren
Name mit dem Aufbau des höheren Schulwesens im Kreise Bentheim auf
immer verbunden bleiben wird.
Quellen:
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Diese
Seiten sind Teil des Projekts "Die Grafschaft Bentheim im Unterricht"
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