|
|
Wilhelm
Horstmeyer
1922
- 2008
von Rolf Masselink
|
|
|
Als Mensch wie als Politiker
ein „Ritter der Menschlichkeit“
Zum Tode des ehemaligen
Landrats und Bürgermeisters Wilhelm Horstmeyer
|
|
Er
hat über Jahrzehnte hinweg die Entwicklung der Grafschaft
Bentheim maßgeblich mitgestaltet – als einflussreicher
Kommunalpolitiker, als Vorkämpfer für sozialen Ausgleich,
als engagierter Christ, als überzeugter Wegbereiter der
deutsch-niederländischen Freundschaft: der ehemalige Landrat und
Nordhorner Bürgermeister Wilhelm Horstmeyer. Er starb am 25.
Juni 2008 im Alter von 86 Jahren in Nordhorn.
|
|
Eine beinahe
unübersehbare Zahl von Ehrungen, Auszeichnungen und Würdigungen
ist Ausdruck der vielen Verdienste, die Wilhelm Horstmeyer sich in
gut 50 Jahren in und für seine Grafschafter Wahlheimat erworben
hat. Nie hat er dabei vergessen, dass seine Wurzeln eigentlich in
Ostfriesland lagen: 1922 in Aurich geboren, begann er seine
Berufsausbildung in Emden und Wilhelmshaven.
|
|
Berufsziel waren
der Schiffbau und die See, doch der Zweite Weltkrieg stellte
Horstmeyers Lebensweichen neu. Nach vier Jahren Militärdienst
begann der angehende Schiffsingenieur 1945 noch einmal ganz von vorn:
Vom Landhelfer über den „Staatlich geprüften
Landwirt“ schaffte er 1952 die Abschlussprüfung zum Lehrer
an Landwirtschaftlichen Berufsschulen.
|
|
Sein neuer Beruf als
Pädagoge führte ihn vier Jahre später in die
Grafschaft. Am 1. Mai 1956 übernahm Wilhelm Horstmeyer die
Leitung der Landwirtschaftlichen Berufs- und Fachschulen des
Landkreises Grafschaft Bentheim in Nordhorn. Sie leitete er als
Rektor bis zu seiner Pensionierung am 1. April 1981.
|
|
Sofort
begann der junge Schulleiter, sich auch in der Freizeit für
junge Menschen zu engagieren. Er war Gründer der Nordhorner
Landjugend, saß im Stadtjugendring, engagierte sich in der
reformierten Kirche und im Heimatverein.
|
|
Horstmeyers
eigentliche, die politische Karriere begann Anfang der 1960er Jahre.
1968 wurde er für die CDU in den Kreistag gewählt. 26 Jahre
lang, bis 1994, vertrat er seine Partei im Kreisparlament, war von
1971 bis 1976 Landrat und bekleidete eine Vielzahl von Funktionen und
Ämtern. Seit 1994 ist er „Ehrenlandrat“.
|
|
1972
zog Horstmeyer auch in den Nordhorner Stadtrat ein, dem er bis 1996
angehörte. Von 1981 bis 1986 war er Bürgermeister der
Kreisstadt, 1996 wurde er mit dem Titel „Ehrenbeigeordneter“
verabschiedet.
|
|
Besonders am Herzen lag Horstmeyer die
deutsch-niederländische Freundschaft. In der Euregio kämpfte
er seit 1968 für die Entgrenzung der Grenze. Jahrzehntelang
engagierte er sich vor allem in der Euregio-Mozer-Kommission und im Euregio-Rat. Wie sehr dieses Engagement auch im Nachbarland geschätzt
wurde, zeigt die Auszeichnung Horstmeyers mit dem höchsten
niederländischen Orden „Ritter von Oranje-Nassau“ im
Mai 2006.
|
|
Auch in Deutschland wurde Wilhelm Horstmeyer
vielfach geehrt, unter anderem mit der Verleihung des
Bundesverdienstkreuzes am Bande im Jahre 1986. Und in vielen
Grafschafter Vereinen war er bis zuletzt als Ehrenmitglied gern
gesehener Gast.
|
|
Vor allem aber kamen die Menschen zu ihm,
vielfach mit ihren kleinen und großen Sorgen. Horstmeyer
kümmerte sich, setzte sich ein, ließ bei dem Bemühen
um Lösungen nicht locker. Ob es um die Absenkung von Bordsteinen
ging, um Rollstuhlfahrern die Fahrt zu erleichtern, oder um einen
Wettbewerb zur Prämierung von Kleingärten, um die
Ausweitung des Niederländisch-Unterrichts an Grafschafter
Schulen oder die Suche nach einer Partnerstadt für Nordhorn in
der damaligen DDR. Horstmeyer „nahm die Bälle auf“,
die die Menschen ihm vor die Füße spielten.
|
|
Mitte
der 1990er Jahre zog Wilhelm Horstmeyer sich aus der aktiven Politik
zurück. Aber hinter den Kulissen blieb er bis zuletzt ein
aktiver Streiter für Ausgleich und Menschlichkeit, für
Grafschafter Interessen und grenzüberschreitende
Freundschaft.
|
|
Mit Wilhelm Horstmeyer verliert nicht nur die
Grafschafter CDU eine ihrer herausragendsten Persönlichkeiten.
Die Grafschaft verliert einen engagierten „Ritter der
Menschlichkeit“, einen der letzten großen Repräsentanten
der Nachkriegs-Ära.
|
|
Mit dem Kant-Zitat „Wer
vergessen wird, ist wirklich tot“ hatte Wilhelm Horstmeyer noch
vor wenigen Monaten auf den Wert von Erinnerungsarbeit hingewiesen.
Horstmeyer wird nicht vergessen. Er hat seinen herausragenden Platz
in der Grafschafter Nachkriegsgeschichte – einen Platz, der im
Licht bleibender Erinnerung stehen wird selbst bei den Menschen, die
den bekennenden „Buten-Ostfreesen“ selbst nicht mehr
erlebt haben.
|
|
Quelle: Grafschafter
Nachrichten, 27.6.2008
|