Grafschafter Schulgeschichte

  Biographien Grafschafter Lehrerinnen und Lehrer


Hans Hey
1924 - 2009
von Thomas Kriegisch



Seine Sorge galt den Mitmenschen

Nachruf: Zum Tode des Politikers und Pädagogen Hans Hey

Er war ein Menschenfreund, tief beseelt vom christlichen Menschenbild – ein herausragender Pädagoge und Sonderschulrektor, ein engagierter Synodaler der evangelisch-lutherischen Kirche und ein überlegter Kommunalpolitiker mit sozialem Gewissen und Augenmaß, der mit Herz und klugem Verstand Nordhorns Schullandschaft ebenso prägend mitgestaltete wie er als Rats- und Kreistagspolitiker für die Entwicklung der Kreisstadt und der Grafschaft Bentheim Akzente und Impulse setzte. Nach langer Krankheit ist Hans Hey am 25. Dezember in Nordhorn im Alter von 85 Jahren gestorben.
Der am 21. Mai 1924 in Dorum bei Wremen geborene Vater von fünf Kindern und Großvater war Träger des 1990 verliehenen Bundesverdienstkreuzes und des Ehrenrings der Stadt Nordhorn. Von 1968 bis 1991 war er für die SPD-Fraktion Mitglied des Rates, von 1972 bis 1974 und nochmals von 1986 bis 1991 stellvertretender Bürgermeister. 1991 wurde Hey zum Ehrenbeigeordneten der Stadt Nordhorn ernannt. Hey war Mitglied in vielen Ausschüssen, von 1972 bis 1991 allein 19 Jahre lang im wichtigen Verwaltungsausschuss, der maßgeblich die Geschicke der Stadt lenkte. Er galt als ein verantwortungsbewusster politischer Allrounder, wobei die Themen Schule, Jugendhilfe oder auch Kultur zu seinen Schwerpunkten zählten. Von 1976 bis 1991 gehörte Hey dem Kreistag an, dessen Ehrenmitglied er war.
Nach Lehrer-Stationen in Krautsand an der Elbe und in Verden war Hans Hey von 1965 bis 1973 Schulleiter der Sonderschule Nordhorn und von 1973 bis 1989 Rektor der Anne-Frank-Schule, als deren „Vater“ er gilt. Denn es war die unhaltbare Situation der Sonderschulpädagogik in Nordhorn, die in den 1960er Jahren noch auf verschiedene Standorte verteilt war, die Hey für ein zentrales Schulgebäude kämpfen und in die Kommunalpolitik eintreten ließ. Mit dem Bezug des modernen Neubaus der Anne-Frank-Schule im Jahre 1973, die den Erfordernissen lernbehinderter Kinder Rechnung trug, hatte Hey erste nachhaltige Spuren in der Bildungs- und Kulturlandschaft Nordhorns und der Grafschaft hinterlassen.
Kirchliche Ehrenämter bekleidete Hey seit 1968 in Nordhorn. Er war über viele Jahre Mitglied des Kirchenvorstandes der ev.-luth. Kreuzkirchengemeinde sowie Vertreter in der Landessynode und in der Synode der Konföderation der evangelischen Kirchen in Niedersachsen. Auch gehörte er dem Kuratorium des Klosters Frenswegen an.
1991, zwei Jahre nach seiner Pensionierung, hatte sich Hey auch aus der aktiven Kommunalpolitik zurückgezogen – weil ihm neben der Politik noch andere Dinge wichtig waren, wie er sagte, etwa die kirchliche Arbeit oder die Heimatforschung, die den viel belesenen Hans Hey sehr interessierte. In den SPD-Fraktionen in Rat und Kreistag hinterließ Hey mit seinem Ausscheiden eine nur schwer zu füllende Lücke.
Hans Hey war bei allem Engagement im sozialen, schulischen, kulturellen und kirchlichen Bereich stets um das Wohlergehen der Menschen bemüht. Ob als Lehrer oder im Ehrenamt zeigte er eine uneingeschränkte Bereitschaft, sich für andere einzusetzen. Seine Sorge galt den Kleinen und Schwachen. Sein soziales Verantwortungsbewusstsein und sein menschliches Verständnis trugen ihm Vertrauen, Respekt und Wertschätzung in weiten Kreisen der Bevölkerung ein.
Seinen Mitmenschen begegnete Hey mit aufgeschlossener Freundlichkeit, mit Einfühlungsvermögen und einem stillen und feinen Humor. Er war ein Mann der leisen und nachdenklichen, aber dennoch deutlichen Töne. Hans Hey konnte zuhören und andere Meinungen zulassen. Achtung gegenüber Andersdenkenden und Kompromissfähigkeit bestimmten in der politischen Auseinandersetzung seine Haltung, profunde Sachkenntnis sowie Sachlichkeit, Verbindlichkeit und Weitsicht. Im Bemühen um die Sache übertrat Hans Hey oftmals Parteigrenzen – aber niemals die Grenze des menschlichen Miteinanders.

Quelle: Grafschafter Nachrichten,  31.12.2009