Das Lesebuch in den Grafschafter Schulen
Bericht aus dem Jahre 1925 von Heinrich
Specht
Manche
Geschichte der Pädagogik berichtet uns, dass das Schulkind
in den früheren Jahrhunderten nach dem Gebrauch der Fibel gleich
die Bibel als Lesebuch in Benutzung genommen haben soll, da es
Lesebücher, wie wir sie heute kennen, noch nicht gab. Erst Rochow
soll dann zur Zeit des Siebenjährigen Krieges durch Herausgabe
seines Kinderfreundes die Lücke zwischen Fibel und Bibel
ausgefüllt haben. Für die Grafschaft stimmt diese Darstellung
nicht. Schon lange vor Rochow saßen die Kinder der Heimat vor
einem Lesebuch, das sich betitelte "Spiegel der Jeugd" van de
Neederlandsche Oorlogen, verfasst von Pastor Joannes Gijsins und 1610
erschienen war. Es führte im Volksmunde den Namen Spaansche
Tyrannje und behandelte den Freiheitskampf der Niederländer. Als
später in den Eroberungskriegen Ludwigs XIV. (1672 bis 78) die
Niederländer wieder in harte Bedrängnis gerieten, löste
ein zweites geschichtliches Lesebuch - die Fransche Tyrannje - das
erste ab. Im Jahre 1796 gelangte weiter durch die Matschapij tot nut
van´t Algemeen (Amsterdam) eine Nachahmung von Cruses Robison
betietelt, Geschiedenes van Jozef, in den Grafschafter Schulen zur
Einführung.
Der Form nach an die
Geschidenes van Jozef anknüpfend, dem Inhalte nach an die
Spaansche Tyrannje verfasste 1820 der Wilsumer Prediger W. J.
Visch ein "Schulbuch über die Gechichte der Grafschaft". Es wurde
nach den Freiheitskriegen, die den geschichtlichen Sinn auf das neue
belebt hatten, begeistert aufgenommen. Am 18. September 1820 gestattete
der Oberkirchenrat den Druck des Buches und am 23. August 1821
verfügte ein Reskript seine Einführung. Es hielt sich neben
neueren Erscheinungen lange in den Schulen des Kreises und
erzählte der Jugend über die Trachten, Sitten,
Gebräuche und über das Kriegswesen der Altvordern,
sowie über die Urnenfriedhöfe und die Einführung von
Kaffee und Tee, daneben führte es der Jugend die Geschichte
der Ortschaten vor Augen. - Erst 85 Jahre später erschien wieder
ein Büchlein, das der Jugend die Geschichte des Landes in
großen Zügen darbot. Es war die Heimatkunde von dem
rührigen Schriftführer des Heimatvereins, Herrn Rektor L.
Weduwen-Bentheim, der sich um die Förderung der Heimatbewegung
große Verdienste erworben hat. Diese Heimatkunde ist vergriffen.
An die Stelle soll nun nach einem Zeitraum von 26 Jahren "Das
Bentheimer Land" treten, wovon das erste Heft vorliegt. Hoffentlch ist
es uns möglich, auf die gedachte und hier bereits näher
skizzierte Weise die Landeskunde herauszubringen, damit unsere Jugend
etwas in Händen hat, das sie mit Hof und Heimat verbindet.
Quelle: Der
Grafschafter, März 1925
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