"Nur der liebe Gott
darf mich wecken"
Kunstwettbewerb zu
"Oskar und die Dame in Rosa"
Bericht von Thomas Kriegisch in den GN vom 7.4.2010
Das
Thema dieses Kunstwettbewerbs für
Grafschafter Schüler
hatte es in sich: Der Umgang mit dem Sterben und dem Tod ist ein
schwieriger und nach wie vor für viele ein Tabu, besonders wenn
es um Tod und Trauer von Kindern geht. Dennoch war die Beteiligung an
dem Wettbewerb der Hospizhilfe Grafschaft Bentheim groß
– und die eingereichten Arbeiten sind beeindruckend. Bei der
Bewertung der Beiträge des Kunstwettbewerbs
zum Buch „Oskar
und die Dame in Rosa“ hatte die Jury gestern in der
Stadtbibliothek
die Qual der Wahl.
Denn
bildnerisch überaus phantasievoll und mit inhaltlichem Tiefgang
hatten sich die beteiligten Schülerinnen und Schüler von
der vierten Grundschulklasse bis zur Sekundarstufe II an die Arbeit
gemacht und das Thema „Tod und Trauer bei Kindern“ in 91 Bildern,
Collagen und Objekten umgesetzt. Dabei freuten sich gestern die
Jurymitglieder Holger Vos,
Vorstandsmitglied der Hospizhilfe, und
Organisator Gerhard Naber
von der Grafschafter Arbeitsstelle
Religionspädagogik (GAR) vor allem über die unerwartet
große Beteiligung: „Diese Resonanz stellt uns mehr als
zufrieden. Damit hatten wir angesichts der vielen Malwettbewerbe, die
derzeit angeboten werden, nicht gerechnet.“ Und: Damit seien auch
alle Skeptiker widerlegt worden, die diesem schwierigen Thema anfangs
kaum Chancen bei Schülern geben wollten.
Neben Vos und Naber gehörten auch Karin Heidinger-Pena,
Leiterin der
Kunstschule der Städtischen Galerie Nordhorn, der pensionierte
Nordhorner Kunstpädagoge und freischaffende Künstler Erich
Begalke sowie GN-Redakteur Thomas Kriegisch der Jury
an. Als
herausragend bewertete Begalke
die eingereichten Werke: „Da sind
qualitativ gute und sehr engagierte Arbeiten dabei.“
Der
Kunstwettbewerb ist Teil der Aktion „Die Grafschaft liest ein
Buch“, die von der Hospizhilfe, GAR und der Kreuzkirchengemeinde
veranstaltet wird. Das Buch, das ist der Roman „Oskar und die Dame
in Rosa“ von Eric-Emmanuel
Schmitt. Durch Lesungen, ein
Theaterstück und spezielle Unterrichtseinheiten soll das Thema
„Tod und Trauer bei Kindern“ damit aufgearbeitet werden. Auch für
die Wettbewerbsbeiträge der Grafschafter Schüler bildete
das Buch „Oskar und die Dame in Rosa“ die Ausgangslage. Eric-Emmanuel
Schmitt erzählt darin die Geschichte des
zehnjährigen Oskar, der unheilbar an Krebs erkrankt ist und im
Krankenhaus liegt. Oskar weiß, dass er sterben wird, doch seine
Eltern und der Arzt scheuen sich, ihm die Wahrheit zu sagen. Sie
trauen sich nicht, mit Oskar über seinen Tod zu sprechen. Nur
eine Betreuerin, die „Dame in Rosa“, stellt sich Oskars Fragen.
Das Buch drückt so auf verständliche, oftmals sogar
humorvolle Weise aus, was Dr.
Karl-Heinz Meier, Vorsitzender der
Hospizhilfe, unlängst so formulierte: „Wenn ein Kind im
Sterben liegt, können die Erwachsenen mit der Situation oftmals
nicht umgehen. Sie verschweigen dem Kind die Wahrheit und die Kinder
leiden unter den unbeantworteten Fragen.“
Angesprochen
waren mit dem Wettbewerb Schulen, die die Thematik in den Mittelpunkt
ihres Kunst- oder Religionsunterrichts stellen wollten. Alle
Grafschafter Schulen konnten sich beteiligen. Stark engagiert waren
im Wettbewerb dann die Realschule Schüttorf, das Gymnasium
Nordhorn, die Pestalozzi-Grundschule sowie Klassen aus dem
Sek-II-Bereich der Berufsbildenden Schulen in Nordhorn. Im Kunst- und
Religionsunterricht hatten sich die Schüler zusammen mit ihren
Lehrern mit der Thematik des Buches beschäftigt und ihre Ideen
anschließend in Bilder und Objekte umgesetzt. Die Schüler
aller Jahrgangsstufen malten zu Szenen aus dem Buch, bauten Oskars
Zimmer im Krankenhaus nach oder stellten einzelne Ereignisse der
Geschichte mit selbst gebastelten Figuren dar. „Briefe an Gott“,
„Nur der liebe Gott darf mich wecken“, „Lebensaufzug“, „Jeder
stirbt für sich“ oder „Ist das Realität?“ waren Titel
einiger Arbeiten.
Zu
vergeben waren von der Jury gestern Geld- und Sachpreise in den drei
Kategorien Klassen 4 bis 6, Klassen 7 und 8 sowie Sekundarstufe II.
Heute, 7. April, werden um 19 Uhr in der Stadtbibliothek die Preise
im Rahmen einer Feier überreicht. Alle Arbeiten sind dann in der
Bücherei bis zum 22. April ausgestellt.
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