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Positionspapier
GEW, VBE und Grundschulverband zu
inklusiven
Ganztagsgrundschulen in
Niedersachsen
Modell
der Niedersächsischen Bildungsorganisationen
Pressemitteilung vom 27. September 2011
Die
moderne Grundschule ist gekennzeichnet von demokratischen und
inklusiven Struk-
turen.
Sie öffnet sich pädagogisch der Verschiedenheit der Kinder,
berücksichtigt in der
Förderung
die individuellen Lebenssituationen und schafft so die
Voraussetzungen für den
weiterführenden
Schulbesuch.
Die
heutige Grundschule ist geprägt von einer Umwandlung in die
inklusive Ganztagsgrundschule.
Die
inklusive Ganztagsgrundschule übernimmt die gesellschaftliche
Verantwortung für
•
die
Teilhabe aller Kinder am Grundschulunterricht
•
die
Entwicklung neuer Lernkulturen
•
Ausgleich
und Verringerung von sozialer Benachteiligung
•
die
Unterstützung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf
•
die
Teilhabe der Eltern
Um
diese Verantwortung anzunehmen, benötigt die Ganztagsgrundschule
ein pädagogisches
Konzept
für die Bildung, Erziehung und Betreuung, das von einem
multiprofessionellen
Team
gemeinsam umgesetzt wird. Die Ganztagsgrundschule bietet Kindern Zeit
für gemein-
sames
und individuelles Lernen, für Aktivitäten und Entspannung,
für Lernaufgaben und
selbst
gewählte Tätigkeiten. Diese Zeit fordert einen Rhythmus,
der sich an den Bedürfnis-
sen
der Kinder und den jeweiligen Tätigkeiten orientiert.
Inklusive
Ganztagsgrundschulen sind Schulen,
•
die
allen Kindern an jedem Werktag ein unentgeltliches und durchgehend
strukturier-
tes
Angebot in der Schule bieten.
•
in
denen Aktivitäten der Kinder am Vor- und am Nachmittag in einem
konzeptionellen
Zusammenhang
stehen.
•
bei
denen erweiterte Bildungsangebote, individuelle
Fördermaßnahmen
und übendes
Lernen
in die Konzeption eingebunden sind.
•
in
denen die gemeinsame und individuelle Freizeitgestaltung der Kinder
als Aufgabe
im
Konzept enthalten ist.
•
in
denen alle Kinder kostenlosen Zugang zu kulturellen Angeboten haben.
•
in
denen an allen Schultagen ein kostenfreies Mittagessen angeboten
wird.
•
in
denen eine enge Verzahnung von Jugendhilfe und Schule
gewährleistet
ist.
•
bei
denen die Organisation aller Angebote unter Aufsicht und
Verantwortung der
Schule
steht.
Dazu
benötigen wir
•
die
erforderlichen finanziellen, personellen und sächlichen
Ressourcen,
•
gut
ausgestattete Klassenräume und Fachräume sowie
Gruppenräume
für individuelle
Förderung,
Spiel, Rückzug und Bewegung, Küche und Mensa für das
gemeinsame
Mittagessen
an jeder Schule
•
Arbeits-
und Sozialräume für die Beschäftigten
•
pädagogisch
gestaltete Innen- und Außenflächen
•
ausreichende
Hygiene- und Sanitärräume
•
multiprofessionelle
Teams, bestehend aus allgemein bildenden Lehrkräften,
sozialpädagogischen
Fachkräften und Förderschullehrkräften für jede
Schule
•
konzeptionelle
Schulsozialarbeit an jeder Schule
•
pädagogisch
ausgebildetes Stammpersonal in sicheren Arbeitsverhältnissen.
Außerschulische
Kooperationen sind als Zusatzangebote zulässig.
Zu
einer inklusiven Ganztagsgrundschule gehört die
jahrgangsgemischte
Eingangsstufe.
Die
Veränderung der Schuleingangsphase wird geleitet von dem
Grundgedanken einer
Schule
für alle Kinder, in der jedem Kind die individuell notwendige
Zeit für seine Entwicklung
gewährleistet
wird. Die Grundlehrgänge in Lesen / Schreiben und Rechnen
können
in 1 bis 3
Jahren
durchlaufen werden. Kinder, die die Ziele dieser Lehrgänge nicht
erreichen, werden
beim
Aufrücken in die nächste Klassenstufe weiter gefördert,
wie es ihren Entwicklungsmög-
lichkeiten
entspricht.
Die
Schule baut in enger Zusammenarbeit mit den Kindertagesstätten
auf den Erfahrungen
auf,
die die Kinder von dort mitbringen. Durch die Individualisierung des
Unterrichts, die
Vielfalt
und die kooperativen Strukturen, die eine jahrgangsgemischte
Lerngruppe bietet,
unterstützt
von multiprofessionellen Teams aus Lehrkräften und
sozialpädagogischen Fach-
kräften,
werden Möglichkeiten geschaffen, jedes Kind auf der Basis seines
Entwicklungs-
standes
sowohl in seiner Persönlichkeit als auch in seiner
Lernentwicklung optimal zu
fördern.
Die
jahrgangsgemischte Eingangsstufe in der inklusiven
Ganztagsgrundschule
•
stellt
kein Kind vom Schulbesuch zurück
•
fördert
die Persönlichkeitsentwicklung des Kindes
•
ermöglicht
besondere individuelle Förderung für alle Kinder
•
ist
anschlussfähig an die Jahrgänge 3 und 4
Dazu
benötigen wir
•
die
Bereitstellung von Ressourcen für individuelle Förderbedarfe
•
multiprofessionelle
Teams, die für ihre gemeinsame Arbeit mit den Kindern die
notwendigen
Ressourcen erhalten
•
Klassengrößen
von bis zu 24 Schülerinnen und Schülern
•
Anschlussfähigkeit
an die folgenden Jahrgänge,
•
Lernentwicklungsberichte
für alle Kinder – keine Ziffernzeugnisse
•
das
automatische Aufrücken aller Kinder bis zum Ende der
Grundschulzeit – keine
Versetzung,
kein Sitzenbleiben
Die
inklusive Ganztagsgrundschule ist gekennzeichnet durch eine
veränderte
Schulkultur.
Die
inklusive Ganztagsgrundschule erzieht ihre Schüler nach
demokratischen Grundsätzen.
Die
Persönlichkeitsentwicklung des Einzelnen beinhaltet das
Miteinander- und Voneinan-
derlernen.
Dazu gehört, dass Schülerinnen und Schüler,
Lehrkräfte
und sozialpädagogische
Fachkräfte
Verantwortung übernehmen für das Lernen wie für den
respektvollen Umgang miteinander.
In
dieser veränderten Schulkultur wird Inklusion erfahren und
gelebt. Jedes Kind wird als
Persönlichkeit
angenommen und von dem Lernstand abgeholt, an dem es sich gerade
befindet.
Es erfährt im schulischen Alltag beim Lernprozess und seiner
weiteren Persönlich-
keitsentwicklung
die nötige Unterstützung.
Eine
solche Schulkultur ist besonders wichtig, wenn die inklusive
Ganztagsgrundschule auch
an
„sozialen Brennpunkten“ gelingen soll. Bei der Ausstattung der
Schulen müssen soziale
Faktoren
im Stadtteil berücksichtigt werden. Brennpunktschulen
benötigen
eine Verstärkung
des
Personals und der Mittel, um die Schule aufzuwerten und attraktiv
für
alle Kinder zu
machen.
Sie benötigen ein breites Bildungsangebot neben dem klassischen
Lernkanon.
Sinnstiftung,
Persönlichkeitsentwicklung, kulturelle Angebote und
Möglichkeiten der Selbst-
verantwortung
und Mitverantwortung – Partizipation und Resilienz – haben hier
einen be-
sonderen
Wert.
Optimierung
der Schulgröße
Die
Weiterentwicklung der Grundschule zur inklusiven Ganztagsgrundschule
stellt hohe
Anforderungen
an die Qualität der pädagogischen Arbeit, die nur bei einer
adäquaten Perso-
nalausstattung
in multiprofessionellen Teams, die gemeinsam in einer Klasse
arbeiten, und
bei
einer Absenkung der Klassenobergrenzen möglich ist. Ohne
zusätzliche Ressourcen
sind
die hohen Erwartungen der Eltern an eine moderne Grundschule nicht zu
erfüllen.
Zugleich
bedarf es aber auch einer Optimierung der Schulgröße.
Den
Anforderungen einer inklusiven Ganztagsgrundschule kann eine
2-zügige
Schule
sicherlich
entsprechen. In dicht besiedelten Regionen ist eine 2- und
mehrzügige
Grund-
schule
eine sinnvolle Schulgröße. Die Dauer des Schulwegs ist
dort zumutbar.
Anders
ist es in weniger dicht besiedelten Gebieten. Hier plädieren wir
für Kompromisse in
der
Zügigkeit, da diese vernünftig sein können. Allerdings
unter einer bedeutsamen Ein-
schränkung:
Abstriche bei den Qualitätsanforderungen darf es auch bei diesen
Schulen nicht
geben.
Quellen:
www.bmbf.de / www.ganztagsschulen.org / www.projekt-steg.de / MK
Niedersach-
sen
„Jahrgangsgemischte Eingangsstufe“
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