Ganztagsschulen
Gliederung
1. Ganztagsschulen - das
Investitionsprogramm "Zukunft Bildung und Betreuung"
2. "Studie
zur Entwicklung von
Ganztagsschulen" (StEG)
3. Ganztagsschulen weiter Billigmodell - GEW übt massive
Kritik an der Schulpolitik
4.
Die
Ganztagsschule braucht mehr Qualität (Forderungen der
Nordhorner SPD)
5.
„Ganztagsschule ist Chance für Schulen und Sportvereine“
6.
Ganztagsschulen zu schlecht ausgestattet“
7.
Dürftige Quote bei der Ganztagsbetreuung von Grundschülern
in Niedersachsen
8. Schulen erweitern ihr Angebot -2012-
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1. Ganztagsschulen - das
Investitionsprogramm "Zukunft Bildung und Betreuung"
Mit dem
Investitionsprogramm "Zukunft Bildung und Betreuung" (IZBB) hat die
Bundesregierung die Länder beim bedarfsgerechten Auf- und Ausbau
von Ganztagsschulen unterstützt. Von 2003 bis 2009 wurden mit den
IZBB-Mitteln bundesweit fast 7.200 Schulen gefördert. Das
Investitionsprogramm ist Teil der Bildungsreformen, die Bund und
Länder gemeinsam beschreiten. Es gehört zu den
größten Initiativen von Bund und Ländern im
Bildungsbereich.
Das Investitionsprogramm "Zukunft Bildung
und Betreuung" ist zu einem gelungenen Gemeinschaftsprojekt von
Bund und Ländern geworden. In dem mit 4 Mrd. Euro ausgestatteten
Programm förderte die Bundesregierung den bedarfsgerechten Auf-
und Ausbau von Ganztagsschulen in allen 16 Ländern.
Dies konnten entsprechend der Bund-Länder-Verwaltungsvereinbarung
"Ausbau und Weiterentwicklung" neuer Ganztagschulen sein, die
"Schaffung zusätzlicher Plätze" an bestehenden
Ganztagsschulen oder die "Qualitative Weiterentwicklung" von
Ganztagsangeboten. Die Mittel konnten bis Ende 2009 in Anspruch
genommen werden. Die Entscheidung, welche Schulen und Schulformen
gefördert werden, sowie die inhaltliche Ausgestaltung und die
Personalausstattung oblagen den
Ländern.
Ganztagsschulen für eine bessere Bildung
Ganztagsschulen bieten durch ihr Mehr an Zeit
bessere Voraussetzungen für eine neue Lernkultur, die für die
Steigerung der Bildungsqualität unabdingbar ist. Im Mittelpunkt
steht eine bessere individuelle Förderung, die auf die
unterschiedlichen Stärken, Interessen und Voraussetzungen des
einzelnen Kindes eingeht. Ganztagsschulen können Unterricht und
außerschulische Bildungs- und Freizeitangebote verzahnen.
Ganztagsschulen als Unterstützung für
Familien
Immer mehr Eltern möchten Familie und Beruf
vereinbaren. Sie wünschen sich qualitativ hochwertige und flexible
ganztägige Bildungs- und Betreuungsangebote. Ein bedarfsgerechtes
Angebot an Ganztagsschulen entspricht damit besser den heutigen
Bedürfnissen an eine moderne Infrastruktur im Bildungsbereich.
Begleitforschung und Evaluation
Das Ganztagsschulprogramm wird wissenschaftlich
begleitet. Die vom Bund in enger Abstimmung mit den Ländern
unterstützte empirische Begleitforschung dient der systematischen
Gewinnung wissenschaftlicher Erkenntnisse über die Struktur,
Entwicklung und Wirksamkeit von Ganztagsschulen in Deutschland. Im
Mittelpunkt steht die "Studie zur Entwicklung von Ganztagsschulen"
(StEG). Darüber hinaus unterstützen die Länder
landeseigene und länderübergreifende
Begleitforschungsmaßnahmen.
"Studie zur Entwicklung von Ganztagsschulen -
StEG"
Unter Leitung eines Konsortiums - Prof. Dr.
Eckhard Klieme (DIPF Frankfurt am Main), Prof. Dr. Thomas Rauschenbach
(DJI München), Prof. Dr. Heinz Günter Holtappels (IFS
Dortmund ) und Prof. Dr. Ludwig Stecher (Justus-Liebig-Universität
Gießen) - läuft seit 2005 die "Studie zur Entwicklung von
Ganztagsschulen - StEG". An der empirischen
Längsschnittuntersuchung beteiligen sich 14 Länder (www.projekt-steg.de).
Erfragt werden die Perspektiven von
Schulleitungen, Lehrerinnen und Lehrern, des weiteren
pädagogischen Personals, von Schülerinnen und Schülern,
Eltern sowie außerschulischen Kooperationspartnern der Schulen.
Insgesamt wurden knapp 65.000 Personen aus 371 Schulen, darunter 32.000
Schülerinnen und Schüler der 3., 5., 7. und 9.
Jahrgangsstufe, befragt. Die Ergebnisse der Basiserhebung sind im Juni
2007 veröffentlicht worden:
Derzeit wird die dritte Erhebungswelle vom
Dezember 2009 ausgewertet. Erste Ergebnisse der
Längsschnitterhebung 2005 bis 2009 werden in der aktuellen Studie "Ganztagsschule: Entwicklung
und Wirkungen" vorgestellt. In einer Buchpublikation werden 2011
die ausführlichen Ergebnisse vorliegen. Damit lassen sich erstmals
empirisch abgesicherte Aussagen über die Konzeption,
Einführung, Durchführung, Nutzung und Akzeptanz von
Ganztagsangeboten sowie über deren Wirkung auf die
Schülerinnen und Schüler treffen. Auch international findet
die Studie Beachtung.
Holtappels, H.-G./Klieme, E. /Rauschenbach, T./Stecher, L. (Hrsg.):
Ganztagsschule in Deutschland. Weinheim und München: Juventa 2007.
Stecher, L./Allemann-Ghionda, C./Helsper, W./Klieme, E. (Hrsg.):
Ganztägige Bildung und Betreuung. 54. Beiheft der Zeitschrift
für Pädagogik. Weinheim/Basel: Beltz 2009.
Weitere Veröffentlichungen zu StEG unter http://www.ganztagsschulen.org/10248.php
Vertiefende Forschung zu Aspekten der
Ganztagsschule
Der Bund fördert seit 2005 weitere
vertiefende Forschungsvorhaben zu Aspekten der
Ganztagsschulentwicklung. 2007 hat das BMBF nach Abstimmung mit den
Ländern und den StEG-Beiräten außerdem das
Förderprogramm "Ganztägige Bildung, Erziehung und Betreuung"
aufgelegt.
Gefördert wurden von 2008 bis 2010 empirische Forschungen zu
folgenden Themenschwerpunkten:
- Lernkultur, Unterrichts- und
Angebotsentwicklung mit dem Ziel einer verbesserten individuellen
Förderung an Ganztagsschulen
- Kooperation verschiedener Professionen und
Institutionen an Ganztagsschulen
- Familie und Ganztagsschule
- Ganztagsschule als Gegenstand regionaler und
lokaler Bildungsplanung
- Musisch-kulturelle Bildung bzw. Sport und
Bewegung in Ganztagsschulen
Erste Publikationen aus dem umfangreichen
Forschungsprogramm liegen bereits vor. Die gesamten Ergebnisse werden
bis Anfang 2011 vorliegen.
Merkens, H./Schründer-Lenzen, A./Kuper, H. (Hrsg.) (2009):
Ganztagsorganisation im Grundschulbereich. Münster: Waxmann
Kolbe, F.-U./Reh, S./Fritzsche, B./Idel, T.-S./Rabenstein, K. (Hrsg.)
(2009): Ganztagsschule als symbolische Konstruktion. Fallanalysen zu
Legitimationsdiskursen in schultheoretischer Perspektive. Wiesbaden:
Verlag für Sozialwissenschaften.
Becker, A./Michel, M./Laging, R. (Hrsg.) (2009): Bewegt den ganzen Tag.
Bewegungskonzepte in der ganztägigen Schule. Baltmannsweiler:
Schneider.
Gresser, A./Schnurr, S. (2009): Full-time schooling and integration of
migrants: impacts on socio- cultural and political outcomes of migrant
students. Paper presented at ECER, Vienna.
Lehmann-Wermser, A./ Naacke, S./Nonte, S./Ritter-Kuhn, B. (2010):
Musisch-kulturelle Bildung an Ganztagsschulen: Empirische Befunde,
Chancen und Perspektiven. Weinheim/München: Juventa.
Merkens, H./Schründer-Lenzen, A. (Hrsg.) (2010):
Lernförderung unter den Bedingungen des Ganztags im
Grundschulbereich. Münster: Waxmann.
Weitere Informationen unter http://www.ganztagsschulen.org/10250.php.
Begleitprogramm der Deutschen Kinder- und
Jugendstiftung
Die inhaltliche Ausgestaltung von
Ganztagskonzepten wird in enger Abstimmung mit den Ländern durch
das Begleitprogramm der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung (DKJS)
"Ideen für mehr! -Ganztägig lernen" unterstützt (www.ganztaegig-lernen.de).
Das Begleitprogramm wird bis 2014 fortgeführt.
Regionale Serviceagenturen
In Abstimmung mit den Ländern wurden in
allen 16 Ländern Regionale Serviceagenturen "Ganztägig
lernen" eingerichtet, die den Schulen vor Ort Erfahrungsaustausch, den
Transfer guter Beispiele sowie Beratungs- und Fortbildungsangebote
ermöglichen (www.ganztaegig-lernen.de).
Themenateliers "Kulturelle Bildung"
Das Themenatelier "Kulturelle Bildung an der
Ganztagsschule", das 2005 gemeinsam von DKJS und PwC-Stiftung
eingerichtet wurde, förderte innovative Projekte der kulturellen
Bildung in Ganztagsschulen. Das seit 2007 vom BMBF unterstützte
Themenatelier "Klappe, die Zweite" förderte erneut 15
Kooperationen von Ganztagsschulen mit den künstlerischen
Schwerpunkten Film, Fotografie, Medienkunst und Ausstellungsdesign (www.ganztaegig-lernen.de).
Wettbewerb "Zeigt her eure Schule!"
"Zeigt her eure Schule - Qualität im Alltag"
war das Thema des Wettbewerbs 2009. Gesucht wurden Ganztagsschulen,
deren Schülerinnen und Schüler, Lehrerinnen und Lehrer,
Eltern und außerschulische Partner die Qualität des
Schulalltags verbessern. Eine Jury aus Schülern, Lehrern,
Wissenschaftlern, Eltern und Vertretern der Länder wählte die
Preisträgerschulen aus.
Im Rahmen einer feierlichen Veranstaltung in Berlin zeichneten die
Schirmherrin der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung, Eva Luise
Köhler, und der Staatssekretär im Bundesministerium für
Bildung und Forschung, Thomas Rachel, am 11. Mai 2009 in Berlin die
acht Preisträgerschulen aus.
Weitere Informationen unter http://www.ganztaegig-lernen.org/www/web808.aspx
2. "Studie zur
Entwicklung von
Ganztagsschulen" (StEG)
Entwicklung
von
Ganztagsschulen (StEG) zeigt: Ganztagsangebote verbessern
Sozialverhalten, erhöhen Schulmotivation und verringern das
Risiko des Sitzenbleibens
In Berlin werden am
11.11.2010 die Ergebnisse
einer der international größten Untersuchungen über
Bildungsreformen vorgestellt: Die "Studie
zur Entwicklung von
Ganztagsschulen" (StEG). Als Folge von PISA haben Bund und
Länder massiv in den Ausbau von Ganztagsschulen investiert.
Allein der Bund hat dafür von 2003 bis 2009 insgesamt vier
Milliarden Euro zur Verfügung gestellt. Laut aktueller
KMK-Statistik boten 2008 bereits 41 Prozent aller allgemeinbildenden
Schulen Ganztagsplätze an.
Die Bundesministerin
für Bildung
und Forschung Annette Schavan erklärte dazu: "Wir wissen
mit den Ergebnissen von StEG besser über die Bedingungen
Bescheid, unter denen gute Schule gelingt. StEG liefert, auch weil
die Forscher ihre Erkenntnisse direkt an die Schulen und an die
Länder zurückmelden, der Praxis neues Wissen."
Besonders Grundschulen
haben von 2005
bis 2009 ihre Ganztagsangebote in Umfang und Breite ausgebaut. 87
Prozent der Schulen kooperieren mit außerschulischen Partnern:
Durchschnittlich kommen auf jede Ganztagsschule inzwischen sechs
Kooperationspartner. An erster Stelle stehen die Sportvereine,
gefolgt von Kunst- und Musikschulen sowie weiteren kulturellen
Institutionen. Im Sekundarbereich sind erfreulicherweise auch
Betriebe besonders wichtige Kooperationspartner. Schavan:
"Ganztagsschulen können Zentren von Bildungsbündnissen
vor Ort werden - sie haben das Potenzial dazu." Die Ministerin
kündigte an, sie werde das Thema auch auf dem morgen im Berliner
Congress Centrum (bcc) stattfindenden Ganztagsschulkongress mit
zahlreichen Fachleuten diskutieren.
Die Studie untermauert
auch die arbeits-
und familienpolitische Bedeutung der Ganztagsschule: Besonders stark
nutzen Kinder erwerbstätiger Eltern und Alleinerziehender die
Ganztagsangebote. Schüler und Eltern sind mit den
Ganztagsangeboten zufrieden bis sehr zufrieden - und dies umso mehr,
je intensiver die Kinder die Angebote nutzen. Gemeinsame
Familienaktivitäten und das Familienklima werden durch die
Ganztagsschule nicht beeinträchtigt:
"Wir wissen durch
StEG, dass Kinder
und Jugendliche unterschiedlicher sozialer Herkunft gleichermaßen
von dem Ausbau von Ganztagsschulen profitieren", so die
Ministerin. Besonders in der Grundschule und in der wichtigen
Entwicklungsphase zwischen der 5. und der 7. Klasse verbessern
Ganztagsangebote das Sozialverhalten sowie Schulfreude und
Schulmotivation. Die regelmäßige Teilnahme an diesen
Angeboten reduziert in der Sekundarstufe I das Risiko der
Klassenwiederholung. "Damit tragen Ganztagsschulen zum Abbau der
Bildungsarmut bei", erklärte Schavan. "Wir wissen aber
auch, dass es letztlich auf die Qualität der Angebote ankommt,
denn diese wirkt sich auch auf die Schulnoten aus."
Insgesamt wurden mehr
als 54.500
Personen aus 328 Schulen - vom Schulleiter, Lehrer, Erzieher,
Schulsozialarbeitern über Schülerinnen, Schüler und
Eltern bis zu den außerschulischen Kooperationspartnern - in
drei Erhebungswellen (2005, 2007, 2009) befragt. 14 Länder
beteiligten sich an der Studie, das BMBF finanziert die Untersuchung
unter Nutzung von ESF-Mitteln mit insgesamt 8,4 Millionen Euro.
Durchgeführt
wurde die Untersuchung
von einem Forscherkonsortium, das aus dem Deutschen Institut für
Internationale Pädagogische Forschung (DIPF; Prof. Klieme), dem
Deutschen Jugendinstitut (DJI; Prof. Rauschenbach), dem Institut
für
Schulentwicklungsforschung (IFS; Prof. Holtappels) und der
Universität Gießen (Prof. Dr. Stecher) besteht.
Das Konsortium
der Studie hat eine
Broschüre "Ganztagsschule: Entwicklung und Wirkungen.
Ergebnisse der Studie zur Entwicklung von Ganztagsschulen 2005-2010"
veröffentlicht. Diese finden Sie unter http://www.bmbf.de/de/1125.php
.
Weitere
Informationen
finden Sie unter http://www.projekt-steg.de
.
3. Ganztagsschulen weiter Billigmodell
GEW übt massive
Kritik an der Schulpolitik
Der ehemalige
Kreisvorsitzende der GEW in der
Grafschaft, Dieter
Blekker, führt bei einem Treffen der Pensionäre in Bad
Bentheim aus:
"Die so genannten Ganztagsschulen bleiben ein Billigmodell.
Skandalös ist die Vergabe von
Honorarverträgen, die zur Zeit
von der Staatsanwaltschaft überprüft werden." Laut GEW sind
bis zu zwei Drittel der Honorarverträge nach dem Prüfergebnis
der Landesschulbehörde rechtswidrig und müssen durch
Arbeitsverträge ersetzt werden. Die Budgets vieler Schulen
reichen dafür jedoch nicht aus. Die Staatsanwaltschaft Hannover
ermittelt
anhand von Akten aus dem Kultusministerium und der
Landesschulbehörde, wer für den mutmaßlichen
Sozialversicherungsbetrug, der mit der rechtswidrigen Umgehung von
Arbeitsverträgen begangen wurde, Verantwortung trägt (GN,
20.9.2011).
4. Die
Ganztagsschule braucht mehr Qualität (Forderungen der
Nordhorner SPD)
5.
„Ganztagsschule ist Chance für Schulen und Sportvereine“
Tagung im Forum am 8. November soll
Fragen klären (Quelle:
GN, 19.10.2011)
"In der Grafschaft Bentheim
werden immer mehr Schulen zu
Ganztagsschulen ausgebaut. Das hat für den Schulbetrieb und die
Sportvereine erhebliche Auswirkungen, aber auch für
diejenigen,
die bislang im Rahmen von Kooperationsvereinbarungen
zusammenarbeiten. Eine Tagung will Fragen dazu klären.
Einerseits
bewirkt es möglicherweise, dass Schüler nach der
Nachmittagsbetreuung für
Sportvereine nicht mehr erreichbar
sind, weil sie Freizeit brauchen. Sport und Bewegung also stärker
vom Verein weg in den schulischen Bereich verlagert werden. Die
frühen Nachmittagsstunden auf Schulsportgeländen und in
Schulsporthallen nicht mehr uneingeschränkt für den
Vereinssport zur Verfügung stehen. Aber auch, dass die Sportvereine bei
Kooperation mit den Schulen auf Kinder treffen, die
sie sonst nur schwer erreichen konnten. Die Schulen von den
sportfachlichen Qualitäten der Vereine profitieren können
und Sportvereine und Schulen im Sport- und Bewegungsbereich sich zu
natürlichen Partnern entwickeln. Denn die haben Interessen, die
sich gut ergänzen.
Daher
ist es wichtig, dass sie vor Ort in Kontakt miteinander kommen, damit
sie diese Interessen aufeinander abstimmen können. Dabei gilt es
auch offen zu formulieren, was die Sportvereine leisten können
und welche konkreten Erwartungen der Schulen erfüllt werden
können. Dazu soll das Forum
„Ganztagsschulen und Sportvereine“ ein Beitrag leisten.
Vorgesehene
Tagesordnung: 18.30 Uhr Begrüßung; 18.35 Uhr Referat von
Karsten Täger (Teamleiter „Sport in Kindertagesstätte,
Schule und Verein“, LandesSportBund Niedersachsen e.V.); 19.20 Uhr
Nachfragen/Diskussion; 19.35 Uhr Austausch/Kontaktaufnahme etwaiger
Kooperationspartner; 20.15 Uhr Auswertung."
6. Ganztagsschulen zu schlecht
ausgestattet“
Vereine: Oft betreuen wir die Schüler
In
einem Vortrag beschrieb Karsten Täger vom Landessportbund die
Entwicklung und die Chancen von Kooperationen von Ganztagsschulen und
Vereinen. Er traf dabei aber auf teilweise heftigen Widerstand. Die
Kritik von Vereinsseite: Die Politik stattet die Ganztagsschulen so
schlecht aus, dass die Schüler nicht von Lehrern betreut werden,
sondern von Übungsleitern. So wälze man die eigentlich
anfallenden Kosten auf die Vereine ab, die für die Ausbildung
sorgten.
Nachstehend
wird der Bericht von Hinnerk Schröer wiedergegeben,der in den GN
vom 11.11.2011 gedruckt wurde
„ Die
Idee der Sportjugend Grafschaft Bentheim war einleuchtend. Weil das
Thema „Ganztagsschule und Vereinssport“ in den vergangenen Jahren
einen immer größeren Stellenwert bekommen hat, war es
konsequent von den Organisatoren, die Beteiligten beider Seiten
einmal zusammenzubringen. Am Dienstagabend veranstaltete die
Sportjugend deshalb einen Austausch- und Informationsabend im Bad
Bentheimer Burggymnasium. Dabei wurde deutlich, dass das Themenfeld
reichlich Diskussionsstoff und erhebliche Brisanz bietet.
Zu
spüren bekam das im Laufe der Veranstaltung auch Karsten
Täger.
Der Fachmann vom Niedersächsischen Landessportbund war aus
Hannover als Dozent angereist. Rund 50 Vertreter von Schulen,
Vereinen und Sportverbänden aus der gesamten Grafschaft, von
denen nicht wenige in Doppelfunktionen tätig sind, waren der
Einladung gefolgt.
Der
Teamleiter „Sport in Kindertagesstätte, Schule und Verein“
beim Landessportbund beschrieb nach einer kurzen Einleitung durch
Sportjugend-Vorstandsmitglied Noel Hüwe die rasante Entwicklung,
die der schulische Ganztagesbereich vor allem in den vergangenen drei
Jahren genommen hat. Mit Beginn dieses Schuljahres sind bereits 1300
Schulen als offene oder gebundene Ganztagsschule eingestuft. Dass
durch die Angebote in den Schulen bis 16 Uhr auch die Arbeit in den
Sportvereinen betroffen ist, ist dabei ein offenes Geheimnis.
Schließlich treiben bereits jetzt viele Kinder und Jugendliche
mit Vereinsunterstützung im Rahmen der Ganztagesangebote Sport.
Täger plädierte in seinem Vortrag dafür, dass die
Sportvereine weitere Möglichkeiten einer Kooperation mit den
Schulen bewusst nutzen sollten. Sein Credo: Wenn es die Sportvereine
nicht machen, übernehmen diese Aufgabe andere Trägerschaften
der Kinder- und Jugendarbeit. Selbst wenn die für den
sportlichen Bereich nicht so gut qualifiziert seien.
Aus
seiner eigenen Arbeitswelt beschrieb er die Vorteile, die sich aus so
einer Zusammenarbeit auch für die Sportvereine ergeben
könnten.
So bestehe die Möglichkeit, die Schüler für den
Vereinssport zu gewinnen. Mit seiner positiven Einschätzung, die
er als „Win-win-Situation“ beschrieb, stieß er bei den
anwesenden Vertretern der Sportvereine und Sportverbände aber
auf erheblichen Widerspruch. Die Vereins- und Verbandsvorsitzenden
aus der Grafschaft machten ihrem Ärger über die aktuellen
Entwicklungen so deutlich Luft, dass Täger freimütig
betonte: „Ich habe rund vierzig bis fünfzig dieser Foren
dieser Art in ganz Niedersachen besucht. Aber auf so viel Widerstand
wie hier bin ich noch nie gestoßen.“
Die
Hauptkritikpunkte der Forumsteilnehmer, die sich zu Wort meldeten,
bezogen sich auf die finanzielle Ausstattung der Programme. So
würde
die Politik zwar den Ganztagesbereich erheblich ausbauen, ihn aber
nicht mit den notwendigen finanziellen Mitteln ausstatten. Als
Konsequenz würden die Schüler nicht von Lehrern betreut,
sondern von Übungsleitern, die auf Kosten der Vereine und
Verbände ausgebildet worden seien. Damit würden sich die
Vereine aber die eigenen Sportangebote kaputt machen. Auch die
Probleme fehlender Hallenzeiten kamen auf die Tagesordnung. Der
Vorwurf lautete: Politik auf dem Rücken der Vereine.
Auch
wenn die Kritik am Status quo durchaus berechtigt sein möge,
verdeutlichte Täger, dass die Entwicklung hin zum immer
größeren
Ganztagesangebot nicht aufzuhalten sei: „Das ist vor allem
Elternwille und dem wird die Politik nachkommen“, betonte er. Es
bleibe also nur die Wahl, sich der Entwicklung komplett zu
verschließen, oder zu versuchen, den bestmöglichen Nutzen
daraus zu ziehen.
In
die gleiche Kerbe schlug auch Rainer Voigt, der
Schulsport-Fachberater in der Grafschaft: „Es gibt viele
Möglichkeiten der Kooperation. Wir sollten auf dem Gebiet keine
Konkurrenten sein.“ Sein Appell zur gegenseitigen Öffnung
verhallte am Dienstagabend nicht ungehört. Im Anschluss an den
Vortrag und die hitzige Diskussion bildeten sich mehrere kleinere
Gruppen, in denen Schul- und Vereinsvertreter erste Kontakte
knüpften
und Möglichkeiten einer Kooperation erörterten.“
7.
Dürftige Quote bei der Ganztagsbetreuung von Grundschülern
in Niedersachsen
Nur etwa 15 Prozent der
Grundschüler nutzen nach einer Studie der
Bertelsmann-Stiftung in Niedersachsen Anfang 2010 ein entsprechendes
Angebot. (FAZ,20.12.2010)
8. Schulen
erweitern ihr Angebot -2012-
Die Grundschulen Wilsum,
Uelsen,
Itterbeck, Brandlecht und Südblanke werden nach
Informationen
vom Landtagsabgeordneten Reinhold
Hilbers (CDU) zum Schuljahr 2012/13
zur Ganztagsschule. Die Genehmigung durch die Niedersächsische
Landesschulbehörde werde in den kommenden Tagen erfolgen. „Die
Errichtung neuer Ganztagsschulen ist und bleibt ein wichtiges Ziel
unserer Bildungspolitik. Den Eltern wird die Vereinbarkeit von
Familie und Beruf erleichtert“, sagte Hilbers.
Jede der Schulen soll
mit einer
Grundausstattung
versorgt werden. Mit einem Grundstock an
Lehrerstunden oder Geld könne die Schule in Zusammenarbeit mit
örtlichen Vereinen und Verbänden ein qualitätsvolles
Angebot auf den Weg bringen. Zusätzlich zu den Genehmigungen
für
155 offene Ganztagsschulen würden auch zahlreiche Schulen der
neuen Schulform Oberschulen
zum neuen Schuljahr Ganztagsschule
werden, teilte der Abgeordnete mit. Oberschulen können ihren
Schülern auch als teilweise gebundene Ganztagsschule ein an zwei
Tagen verpflichtendes Ganztagsangebot unterbreiten. Auch hier sei in
Kürze mit den Genehmigungen zu rechnen, wie Hilbers weiter
mitteilte. (GN, 16.3.2012)
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