Grafschafter Schulgeschichte

Schöltien 

Wielen

Schule Hesepe 

1960

Gymnasium

Nordhorn 1960

Alte Schule Lage 

1691 - 1960

Schule Achterberg

ca. 1935

Schule Wilsum 

um 1900

Kirchschule Schüttorf um 1900

Einzelbericht zur Bildungspolitik

Ganztagsschulen

Gliederung

1. Ganztagsschulen - das Investitionsprogramm "Zukunft Bildung und Betreuung"

2. "Studie zur Entwicklung von Ganztagsschulen" (StEG)

3.
Ganztagsschulen weiter Billigmodell - GEW übt massive Kritik an der Schulpolitik

4. Die Ganztagsschule braucht mehr Qualität (Forderungen der Nordhorner SPD)

5. „Ganztagsschule ist Chance für Schulen und Sportvereine“

6. Ganztagsschulen zu schlecht ausgestattet“

7. Dürftige Quote bei der Ganztagsbetreuung von Grundschülern in Niedersachsen

8. Schulen erweitern ihr Angebot -2012-
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1. Ganztagsschulen - das Investitionsprogramm "Zukunft Bildung und Betreuung"

Mit dem Investitionsprogramm "Zukunft Bildung und Betreuung" (IZBB) hat die Bundesregierung die Länder beim bedarfsgerechten Auf- und Ausbau von Ganztagsschulen unterstützt. Von 2003 bis 2009 wurden mit den IZBB-Mitteln bundesweit fast 7.200 Schulen gefördert. Das Investitionsprogramm ist Teil der Bildungsreformen, die Bund und Länder gemeinsam beschreiten. Es gehört zu den größten Initiativen von Bund und Ländern im Bildungsbereich.

Das Investitionsprogramm "Zukunft Bildung und Betreuung" ist zu einem gelungenen Gemeinschaftsprojekt von Bund und Ländern geworden. In dem mit 4 Mrd. Euro ausgestatteten Programm förderte die Bundesregierung den bedarfsgerechten Auf- und Ausbau von Ganztagsschulen in allen 16 Ländern.

Dies konnten entsprechend der Bund-Länder-Verwaltungsvereinbarung "Ausbau und Weiterentwicklung" neuer Ganztagschulen sein, die "Schaffung zusätzlicher Plätze" an bestehenden Ganztagsschulen oder die "Qualitative Weiterentwicklung" von Ganztagsangeboten. Die Mittel konnten bis Ende 2009 in Anspruch genommen werden. Die Entscheidung, welche Schulen und Schulformen gefördert werden, sowie die inhaltliche Ausgestaltung und die Personalausstattung oblagen den Ländern.

Ganztagsschulen für eine bessere Bildung

Ganztagsschulen bieten durch ihr Mehr an Zeit bessere Voraussetzungen für eine neue Lernkultur, die für die Steigerung der Bildungsqualität unabdingbar ist. Im Mittelpunkt steht eine bessere individuelle Förderung, die auf die unterschiedlichen Stärken, Interessen und Voraussetzungen des einzelnen Kindes eingeht. Ganztagsschulen können Unterricht und außerschulische Bildungs- und Freizeitangebote verzahnen.

Ganztagsschulen als Unterstützung für Familien

Immer mehr Eltern möchten Familie und Beruf vereinbaren. Sie wünschen sich qualitativ hochwertige und flexible ganztägige Bildungs- und Betreuungsangebote. Ein bedarfsgerechtes Angebot an Ganztagsschulen entspricht damit besser den heutigen Bedürfnissen an eine moderne Infrastruktur im Bildungsbereich.

Begleitforschung und Evaluation

Das Ganztagsschulprogramm wird wissenschaftlich begleitet. Die vom Bund in enger Abstimmung mit den Ländern unterstützte empirische Begleitforschung dient der systematischen Gewinnung wissenschaftlicher Erkenntnisse über die Struktur, Entwicklung und Wirksamkeit von Ganztagsschulen in Deutschland. Im Mittelpunkt steht die "Studie zur Entwicklung von Ganztagsschulen" (StEG). Darüber hinaus unterstützen die Länder landeseigene und länderübergreifende Begleitforschungsmaßnahmen.

"Studie zur Entwicklung von Ganztagsschulen - StEG"

Unter Leitung eines Konsortiums -  Prof. Dr. Eckhard Klieme (DIPF Frankfurt am Main), Prof. Dr. Thomas Rauschenbach (DJI München), Prof. Dr. Heinz Günter Holtappels (IFS Dortmund ) und Prof. Dr. Ludwig Stecher (Justus-Liebig-Universität Gießen) - läuft seit 2005 die "Studie zur Entwicklung von Ganztagsschulen - StEG". An der empirischen Längsschnittuntersuchung beteiligen sich 14 Länder (www.projekt-steg.de).

Erfragt werden die Perspektiven von Schulleitungen, Lehrerinnen und Lehrern, des weiteren pädagogischen Personals, von Schülerinnen und Schülern, Eltern sowie außerschulischen Kooperationspartnern der Schulen. Insgesamt wurden knapp 65.000 Personen aus 371 Schulen, darunter 32.000 Schülerinnen und Schüler der 3., 5., 7. und 9. Jahrgangsstufe, befragt. Die Ergebnisse der Basiserhebung sind im Juni 2007 veröffentlicht worden:

Derzeit wird die dritte Erhebungswelle vom Dezember 2009 ausgewertet. Erste Ergebnisse der Längsschnitterhebung 2005 bis 2009 werden in der aktuellen Studie "Ganztagsschule: Entwicklung und Wirkungen" vorgestellt. In einer Buchpublikation werden 2011 die ausführlichen Ergebnisse vorliegen. Damit lassen sich erstmals empirisch abgesicherte Aussagen über die Konzeption, Einführung, Durchführung, Nutzung und Akzeptanz von Ganztagsangeboten sowie über deren Wirkung auf die Schülerinnen und Schüler treffen. Auch international findet die Studie Beachtung.

Holtappels, H.-G./Klieme, E. /Rauschenbach, T./Stecher, L. (Hrsg.): Ganztagsschule in Deutschland. Weinheim und München: Juventa 2007.
Stecher, L./Allemann-Ghionda, C./Helsper, W./Klieme, E. (Hrsg.): Ganztägige Bildung und Betreuung. 54. Beiheft der Zeitschrift für Pädagogik. Weinheim/Basel: Beltz 2009.

Weitere Veröffentlichungen zu StEG unter http://www.ganztagsschulen.org/10248.php

Vertiefende Forschung zu Aspekten der Ganztagsschule

Der Bund fördert seit 2005 weitere vertiefende Forschungsvorhaben zu Aspekten der Ganztagsschulentwicklung. 2007 hat das BMBF nach Abstimmung mit den Ländern und den StEG-Beiräten außerdem das Förderprogramm "Ganztägige Bildung, Erziehung und Betreuung" aufgelegt.

Gefördert wurden von 2008 bis 2010 empirische Forschungen zu folgenden Themenschwerpunkten:

  • Lernkultur, Unterrichts- und Angebotsentwicklung mit dem Ziel einer verbesserten individuellen Förderung an Ganztagsschulen
  • Kooperation verschiedener Professionen und Institutionen an Ganztagsschulen
  • Familie und Ganztagsschule
  • Ganztagsschule als Gegenstand regionaler und lokaler Bildungsplanung
  • Musisch-kulturelle Bildung bzw. Sport und Bewegung in Ganztagsschulen

Erste Publikationen aus dem umfangreichen Forschungsprogramm liegen bereits vor. Die gesamten Ergebnisse werden bis Anfang 2011 vorliegen.

Merkens, H./Schründer-Lenzen, A./Kuper, H. (Hrsg.) (2009): Ganztagsorganisation im Grundschulbereich. Münster: Waxmann
Kolbe, F.-U./Reh, S./Fritzsche, B./Idel, T.-S./Rabenstein, K. (Hrsg.) (2009): Ganztagsschule als symbolische Konstruktion. Fallanalysen zu Legitimationsdiskursen in schultheoretischer Perspektive. Wiesbaden: Verlag für Sozialwissenschaften.
Becker, A./Michel, M./Laging, R. (Hrsg.) (2009): Bewegt den ganzen Tag. Bewegungskonzepte in der ganztägigen Schule. Baltmannsweiler: Schneider.
Gresser, A./Schnurr, S. (2009): Full-time schooling and integration of migrants: impacts on socio- cultural and political outcomes of migrant students. Paper presented at ECER, Vienna.
Lehmann-Wermser, A./ Naacke, S./Nonte, S./Ritter-Kuhn, B. (2010): Musisch-kulturelle Bildung an Ganztagsschulen: Empirische Befunde, Chancen und Perspektiven. Weinheim/München: Juventa.
Merkens, H./Schründer-Lenzen, A. (Hrsg.) (2010): Lernförderung unter den Bedingungen des Ganztags im Grundschulbereich. Münster: Waxmann.

Weitere Informationen unter http://www.ganztagsschulen.org/10250.php.

Begleitprogramm der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung

Die inhaltliche Ausgestaltung von Ganztagskonzepten wird in enger Abstimmung mit den Ländern durch das Begleitprogramm der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung (DKJS) "Ideen für mehr! -Ganztägig lernen" unterstützt (www.ganztaegig-lernen.de). Das Begleitprogramm wird bis 2014 fortgeführt.

Regionale Serviceagenturen

In Abstimmung mit den Ländern wurden in allen 16 Ländern Regionale Serviceagenturen "Ganztägig lernen" eingerichtet, die den Schulen vor Ort Erfahrungsaustausch, den Transfer guter Beispiele sowie Beratungs- und Fortbildungsangebote ermöglichen (www.ganztaegig-lernen.de).

Themenateliers "Kulturelle Bildung"

Das Themenatelier "Kulturelle Bildung an der Ganztagsschule", das 2005 gemeinsam von DKJS und PwC-Stiftung eingerichtet wurde, förderte innovative Projekte der kulturellen Bildung in Ganztagsschulen. Das seit 2007 vom BMBF unterstützte Themenatelier "Klappe, die Zweite" förderte erneut 15 Kooperationen von Ganztagsschulen mit den künstlerischen Schwerpunkten Film, Fotografie, Medienkunst und Ausstellungsdesign (www.ganztaegig-lernen.de).

Wettbewerb "Zeigt her eure Schule!"

"Zeigt her eure Schule - Qualität im Alltag" war das Thema des Wettbewerbs 2009. Gesucht wurden Ganztagsschulen, deren Schülerinnen und Schüler, Lehrerinnen und Lehrer, Eltern und außerschulische Partner die Qualität des Schulalltags verbessern. Eine Jury aus Schülern, Lehrern, Wissenschaftlern, Eltern und Vertretern der Länder wählte die Preisträgerschulen aus.

Im Rahmen einer feierlichen Veranstaltung in Berlin zeichneten die Schirmherrin der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung, Eva Luise Köhler, und der Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung, Thomas Rachel, am 11. Mai 2009 in Berlin die acht Preisträgerschulen aus.

Weitere Informationen unter http://www.ganztaegig-lernen.org/www/web808.aspx


2. "Studie zur Entwicklung von Ganztagsschulen" (StEG)

Entwicklung von Ganztagsschulen (StEG) zeigt: Ganztagsangebote verbessern Sozialverhalten, erhöhen Schulmotivation und verringern das Risiko des Sitzenbleibens

In Berlin werden am 11.11.2010 die Ergebnisse einer der international größten Untersuchungen über Bildungsreformen vorgestellt: Die "Studie zur Entwicklung von Ganztagsschulen" (StEG). Als Folge von PISA haben Bund und Länder massiv in den Ausbau von Ganztagsschulen investiert. Allein der Bund hat dafür von 2003 bis 2009 insgesamt vier Milliarden Euro zur Verfügung gestellt. Laut aktueller KMK-Statistik boten 2008 bereits 41 Prozent aller allgemeinbildenden Schulen Ganztagsplätze an.

Die Bundesministerin für Bildung und Forschung Annette Schavan erklärte dazu: "Wir wissen mit den Ergebnissen von StEG besser über die Bedingungen Bescheid, unter denen gute Schule gelingt. StEG liefert, auch weil die Forscher ihre Erkenntnisse direkt an die Schulen und an die Länder zurückmelden, der Praxis neues Wissen."

Besonders Grundschulen haben von 2005 bis 2009 ihre Ganztagsangebote in Umfang und Breite ausgebaut. 87 Prozent der Schulen kooperieren mit außerschulischen Partnern: Durchschnittlich kommen auf jede Ganztagsschule inzwischen sechs Kooperationspartner. An erster Stelle stehen die Sportvereine, gefolgt von Kunst- und Musikschulen sowie weiteren kulturellen Institutionen. Im Sekundarbereich sind erfreulicherweise auch Betriebe besonders wichtige Kooperationspartner. Schavan: "Ganztagsschulen können Zentren von Bildungsbündnissen vor Ort werden - sie haben das Potenzial dazu." Die Ministerin kündigte an, sie werde das Thema auch auf dem morgen im Berliner Congress Centrum (bcc) stattfindenden Ganztagsschulkongress mit zahlreichen Fachleuten diskutieren.

Die Studie untermauert auch die arbeits- und familienpolitische Bedeutung der Ganztagsschule: Besonders stark nutzen Kinder erwerbstätiger Eltern und Alleinerziehender die Ganztagsangebote. Schüler und Eltern sind mit den Ganztagsangeboten zufrieden bis sehr zufrieden - und dies umso mehr, je intensiver die Kinder die Angebote nutzen. Gemeinsame Familienaktivitäten und das Familienklima werden durch die Ganztagsschule nicht beeinträchtigt:

"Wir wissen durch StEG, dass Kinder und Jugendliche unterschiedlicher sozialer Herkunft gleichermaßen von dem Ausbau von Ganztagsschulen profitieren", so die Ministerin. Besonders in der Grundschule und in der wichtigen Entwicklungsphase zwischen der 5. und der 7. Klasse verbessern Ganztagsangebote das Sozialverhalten sowie Schulfreude und Schulmotivation. Die regelmäßige Teilnahme an diesen Angeboten reduziert in der Sekundarstufe I das Risiko der Klassenwiederholung. "Damit tragen Ganztagsschulen zum Abbau der Bildungsarmut bei", erklärte Schavan. "Wir wissen aber auch, dass es letztlich auf die Qualität der Angebote ankommt, denn diese wirkt sich auch auf die Schulnoten aus."

Insgesamt wurden mehr als 54.500 Personen aus 328 Schulen - vom Schulleiter, Lehrer, Erzieher, Schulsozialarbeitern über Schülerinnen, Schüler und Eltern bis zu den außerschulischen Kooperationspartnern - in drei Erhebungswellen (2005, 2007, 2009) befragt. 14 Länder beteiligten sich an der Studie, das BMBF finanziert die Untersuchung unter Nutzung von ESF-Mitteln mit insgesamt 8,4 Millionen Euro.

Durchgeführt wurde die Untersuchung von einem Forscherkonsortium, das aus dem Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF; Prof. Klieme), dem Deutschen Jugendinstitut (DJI; Prof. Rauschenbach), dem Institut für Schulentwicklungsforschung (IFS; Prof. Holtappels) und der Universität Gießen (Prof. Dr. Stecher) besteht.

Das  Konsortium der Studie hat eine Broschüre "Ganztagsschule: Entwicklung und Wirkungen. Ergebnisse der Studie zur Entwicklung von Ganztagsschulen 2005-2010" veröffentlicht. Diese finden Sie unter http://www.bmbf.de/de/1125.php .

Weitere Informationen finden Sie unter http://www.projekt-steg.de .

3. Ganztagsschulen weiter Billigmodell
GEW übt massive Kritik an der Schulpolitik
Der ehemalige Kreisvorsitzende der GEW in der Grafschaft, Dieter Blekker, führt bei einem Treffen der Pensionäre in Bad Bentheim aus:
"Die so genannten Ganztagsschulen bleiben ein Billigmodell. Skandalös ist die Vergabe von Honorarverträgen, die zur Zeit von der Staatsanwaltschaft überprüft werden." Laut GEW sind bis zu zwei Drittel der Honorarverträge nach dem Prüfergebnis der Landesschulbehörde rechtswidrig und müssen durch Arbeitsverträge ersetzt werden. Die Budgets vieler Schulen reichen dafür jedoch nicht aus. Die Staatsanwaltschaft Hannover ermittelt anhand von Akten aus dem Kultusministerium und der Landesschulbehörde, wer für den mutmaßlichen Sozialversicherungsbetrug, der mit der rechtswidrigen Umgehung von Arbeitsverträgen begangen wurde, Verantwortung trägt (GN, 20.9.2011).

4. Die Ganztagsschule braucht mehr Qualität (Forderungen der Nordhorner SPD)

5. „Ganztagsschule ist Chance für Schulen und Sportvereine“

Tagung im Forum am 8. November soll Fragen klären (Quelle: GN, 19.10.2011)

"In der Grafschaft Bentheim werden immer mehr Schulen zu Ganztagsschulen ausgebaut. Das hat für den Schulbetrieb und die Sportvereine erhebliche Auswirkungen, aber auch für diejenigen, die bislang im Rahmen von Kooperationsvereinbarungen zusammenarbeiten. Eine Tagung will Fragen dazu klären.
Einerseits bewirkt es möglicherweise, dass Schüler nach der Nachmittagsbetreuung für Sportvereine nicht mehr erreichbar sind, weil sie Freizeit brauchen. Sport und Bewegung also stärker vom Verein weg in den schulischen Bereich verlagert werden. Die frühen Nachmittagsstunden auf Schulsportgeländen und in Schulsporthallen nicht mehr uneingeschränkt für den Vereinssport zur Verfügung stehen. Aber auch, dass die Sportvereine bei Kooperation mit den Schulen auf Kinder treffen, die sie sonst nur schwer erreichen konnten. Die Schulen von den sportfachlichen Qualitäten der Vereine profitieren können und Sportvereine und Schulen im Sport- und Bewegungsbereich sich zu natürlichen Partnern entwickeln. Denn die haben Interessen, die sich gut ergänzen.
Daher ist es wichtig, dass sie vor Ort in Kontakt miteinander kommen, damit sie diese Interessen aufeinander abstimmen können. Dabei gilt es auch offen zu formulieren, was die Sportvereine leisten können und welche konkreten Erwartungen der Schulen erfüllt werden können. Dazu soll das Forum „Ganztagsschulen und Sportvereine“  ein Beitrag leisten.
Vorgesehene Tagesordnung: 18.30 Uhr Begrüßung; 18.35 Uhr Referat von Karsten Täger (Teamleiter „Sport in Kindertagesstätte, Schule und Verein“, LandesSportBund Niedersachsen e.V.); 19.20 Uhr Nachfragen/Diskussion; 19.35 Uhr Austausch/Kontaktaufnahme etwaiger Kooperationspartner; 20.15 Uhr Auswertung."

6. Ganztagsschulen zu schlecht ausgestattet“

Vereine: Oft betreuen wir die Schüler

In einem Vortrag beschrieb Karsten Täger vom Landessportbund die Entwicklung und die Chancen von Kooperationen von Ganztagsschulen und Vereinen. Er traf dabei aber auf teilweise heftigen Widerstand. Die Kritik von Vereinsseite: Die Politik stattet die Ganztagsschulen so schlecht aus, dass die Schüler nicht von Lehrern betreut werden, sondern von Übungsleitern. So wälze man die eigentlich anfallenden Kosten auf die Vereine ab, die für die Ausbildung sorgten.

Nachstehend wird der Bericht von Hinnerk Schröer wiedergegeben,der in den GN vom 11.11.2011 gedruckt wurde

Die Idee der Sportjugend Grafschaft Bentheim war einleuchtend. Weil das Thema „Ganztagsschule und Vereinssport“ in den vergangenen Jahren einen immer größeren Stellenwert bekommen hat, war es konsequent von den Organisatoren, die Beteiligten beider Seiten einmal zusammenzubringen. Am Dienstagabend veranstaltete die Sportjugend deshalb einen Austausch- und Informationsabend im Bad Bentheimer Burggymnasium. Dabei wurde deutlich, dass das Themenfeld reichlich Diskussionsstoff und erhebliche Brisanz bietet.

Zu spüren bekam das im Laufe der Veranstaltung auch Karsten Täger. Der Fachmann vom Niedersächsischen Landessportbund war aus Hannover als Dozent angereist. Rund 50 Vertreter von Schulen, Vereinen und Sportverbänden aus der gesamten Grafschaft, von denen nicht wenige in Doppelfunktionen tätig sind, waren der Einladung gefolgt.

Der Teamleiter „Sport in Kindertagesstätte, Schule und Verein“ beim Landessportbund beschrieb nach einer kurzen Einleitung durch Sportjugend-Vorstandsmitglied Noel Hüwe die rasante Entwicklung, die der schulische Ganztagesbereich vor allem in den vergangenen drei Jahren genommen hat. Mit Beginn dieses Schuljahres sind bereits 1300 Schulen als offene oder gebundene Ganztagsschule eingestuft. Dass durch die Angebote in den Schulen bis 16 Uhr auch die Arbeit in den Sportvereinen betroffen ist, ist dabei ein offenes Geheimnis. Schließlich treiben bereits jetzt viele Kinder und Jugendliche mit Vereinsunterstützung im Rahmen der Ganztagesangebote Sport. Täger plädierte in seinem Vortrag dafür, dass die Sportvereine weitere Möglichkeiten einer Kooperation mit den Schulen bewusst nutzen sollten. Sein Credo: Wenn es die Sportvereine nicht machen, übernehmen diese Aufgabe andere Trägerschaften der Kinder- und Jugendarbeit. Selbst wenn die für den sportlichen Bereich nicht so gut qualifiziert seien.

Aus seiner eigenen Arbeitswelt beschrieb er die Vorteile, die sich aus so einer Zusammenarbeit auch für die Sportvereine ergeben könnten. So bestehe die Möglichkeit, die Schüler für den Vereinssport zu gewinnen. Mit seiner positiven Einschätzung, die er als „Win-win-Situation“ beschrieb, stieß er bei den anwesenden Vertretern der Sportvereine und Sportverbände aber auf erheblichen Widerspruch. Die Vereins- und Verbandsvorsitzenden aus der Grafschaft machten ihrem Ärger über die aktuellen Entwicklungen so deutlich Luft, dass Täger freimütig betonte: „Ich habe rund vierzig bis fünfzig dieser Foren dieser Art in ganz Niedersachen besucht. Aber auf so viel Widerstand wie hier bin ich noch nie gestoßen.“

Die Hauptkritikpunkte der Forumsteilnehmer, die sich zu Wort meldeten, bezogen sich auf die finanzielle Ausstattung der Programme. So würde die Politik zwar den Ganztagesbereich erheblich ausbauen, ihn aber nicht mit den notwendigen finanziellen Mitteln ausstatten. Als Konsequenz würden die Schüler nicht von Lehrern betreut, sondern von Übungsleitern, die auf Kosten der Vereine und Verbände ausgebildet worden seien. Damit würden sich die Vereine aber die eigenen Sportangebote kaputt machen. Auch die Probleme fehlender Hallenzeiten kamen auf die Tagesordnung. Der Vorwurf lautete: Politik auf dem Rücken der Vereine.

Auch wenn die Kritik am Status quo durchaus berechtigt sein möge, verdeutlichte Täger, dass die Entwicklung hin zum immer größeren Ganztagesangebot nicht aufzuhalten sei: „Das ist vor allem Elternwille und dem wird die Politik nachkommen“, betonte er. Es bleibe also nur die Wahl, sich der Entwicklung komplett zu verschließen, oder zu versuchen, den bestmöglichen Nutzen daraus zu ziehen.

In die gleiche Kerbe schlug auch Rainer Voigt, der Schulsport-Fachberater in der Grafschaft: „Es gibt viele Möglichkeiten der Kooperation. Wir sollten auf dem Gebiet keine Konkurrenten sein.“ Sein Appell zur gegenseitigen Öffnung verhallte am Dienstagabend nicht ungehört. Im Anschluss an den Vortrag und die hitzige Diskussion bildeten sich mehrere kleinere Gruppen, in denen Schul- und Vereinsvertreter erste Kontakte knüpften und Möglichkeiten einer Kooperation erörterten.“

7. Dürftige Quote bei der Ganztagsbetreuung von Grundschülern in Niedersachsen
Nur etwa 15 Prozent der Grundschüler nutzen nach einer Studie der Bertelsmann-Stiftung in Niedersachsen Anfang 2010 ein entsprechendes Angebot. (FAZ,20.12.2010)

8. Schulen erweitern ihr Angebot -2012-
Die Grundschulen Wilsum, Uelsen, Itterbeck, Brandlecht und Südblanke werden nach Informationen vom Landtagsabgeordneten Reinhold Hilbers (CDU) zum Schuljahr 2012/13 zur Ganztagsschule. Die Genehmigung durch die Niedersächsische Landesschulbehörde werde in den kommenden Tagen erfolgen. „Die Errichtung neuer Ganztagsschulen ist und bleibt ein wichtiges Ziel unserer Bildungspolitik. Den Eltern wird die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erleichtert“, sagte Hilbers.

Jede der Schulen soll mit einer Grundausstattung versorgt werden. Mit einem Grundstock an Lehrerstunden oder Geld könne die Schule in Zusammenarbeit mit örtlichen Vereinen und Verbänden ein qualitätsvolles Angebot auf den Weg bringen. Zusätzlich zu den Genehmigungen für 155 offene Ganztagsschulen würden auch zahlreiche Schulen der neuen Schulform Oberschulen zum neuen Schuljahr Ganztagsschule werden, teilte der Abgeordnete mit. Oberschulen können ihren Schülern auch als teilweise gebundene Ganztagsschule ein an zwei Tagen verpflichtendes Ganztagsangebot unterbreiten. Auch hier sei in Kürze mit den Genehmigungen zu rechnen, wie Hilbers weiter mitteilte. (GN, 16.3.2012)