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  Einzelbericht zum Schulzentrum Emlichheim

Strohkraftwerk soll Schulzentrum in Emlichheim beheizen

Samtgemeinde schließt Wärmeliefervertrag mit Betreibergesellschaft – Baubeginn im Oktober geplant

Von Daniel Klause
 

Das Schulzentrum Emlichheim wird voraussichtlich ab November 2011 von einem Strohkraftwerk mit Wärme versorgt. Wie Samtgemeindebürgermeisterin Daniela Kösters gestern bestätigte, hat der Samtgemeindeausschuss am Dienstag in nicht öffentlicher Sitzung dem Vertrag mit der Bioenergiekraftwerk Emsland (BEKW) zugestimmt. Die Unterzeichnung des Vertrags, der eine Laufzeit von zwölf Jahren hat, soll in Kürze erfolgen, so Kösters.

Die BEKW plant den Bau eines Kraftwerks an der Neuerostraße im Gewerbegebiet Nord, das ausschließlich mit Stroh befeuert wird. Pro Jahr sollen 70000 bis 75000 Tonnen Stroh verbrannt werden; mehr als zwölf Tonnen pro Stunde. Das entspricht einer Anbaufläche von rund 16000 Hektar. Die BEKW habe inzwischen Lieferverträge mit etwa 100 Landwirten im Umkreis von bis zu 60 Kilometern geschlossen, sagte Projektleiter Rainer Knieper gestern. Die 3000 bis 3700 Tonnen Asche, die bei der Verbrennung anfallen, werden bei den Bauern als Dünger ausgebracht.

Das Kraftwerk erzeugt sechs bis zehn Megawatt Strom, der ins öffentliche Netz eingespeist wird. Er wird in einer Dampfturbine hergestellt. Der Dampf wird anschließend an die benachbarte Emsland-Stärke verkauft. Zugleich wird im Kraftwerk Heizwasser produziert, das durch eine rund drei Kilometer lange Fernleitung parallel zur Trasse der neuen Straße „Obenholt“ zum Schulzentrum gepumpt wird. Die Kosten des gesamten Vorhabens bezifferte Knieper auf rund 50 Millionen Euro. Neben dem Kraftwerk in Emlichheim plant die BEKW zwei baugleiche Anlagen an den Emsland-Stärke-Standorten Cloppenburg und Kyritz. Baubeginn dort sei für 2011 geplant, so Knieper.

Die Samtgemeinde rechnet nach Kösters’ Worten durch die neue Wärmeversorgung mit jährlichen Einsparungen in Höhe von 30000 Euro – bezogen auf den aktuellen Gaspreis. Derzeit gibt die Samtgemeinde rund 150000 Euro für Erdgas aus. Weitere Einsparungen sollen sich dadurch ergeben, dass die BEKW auch die Wartung und Instandhaltung der bestehenden Heizungsanlagen im Schulzentrum übernimmt.

Weil es noch gut zwei Jahre bis zur Umstellung auf die neue Wärmeversorgung dauert, errichten die NVB im Schulzentrum ein Blockheizkraftwerk. Es soll ein Drittel des Wärmebedarfs decken. Die Laufzeit ist bis zum Jahr 2019 begrenzt. Danach soll das Heizwasser vollständig aus dem Strohkraftwerk bezogen werden. „Wir hätten gerne sofort zu 100 Prozent auf die Wärmeleitung umgestellt, allerdings hätten wir dann noch für zwei Jahre einige marode Heizungen erneuern müssen“, erklärte Kösters.

Im Auftrag der Samtgemeinde hat das Ökoinstitut Darmstadt die zu erwartenden Emissionen des Kraftwerks untersucht. „Die Betreibergesellschaft hat sich verpflichtet, diejenige Rauchgasreinigung einzubauen, die das Ökoinstitut vorgeschlagen hat“, berichtete Kösters. Dank der neuen Technik sollen die Emissionen auf ein Fünftel der zunächst zulässigen Grenzwerte verringert werden.

Das Grafschafter Bürgerforum (GBF) begrüßt in einer Stellungnahme den Beschluss des Samtgemeindeausschusses. „Nach intensiver und sorgfältiger Vorbereitung wird das vom GBF ins Leben gerufene Projekt einer Nahwärmeversorgung (...) realisiert“, heißt es darin. Die neue Versorgung werde zu erheblichen Kosteneinsparungen für die öffentliche Hand, Gewerbebetriebe und Privathaushalte führen. Außerdem werde durch dieses Projekt der Standort Emlichheim der Emsland-Stärke in Hinblick auf die stetig steigenden Kosten für fossile Energieträger gesichert. Durch Einsparung von Brennstoffen wie Erdgas wird nach GBF-Angaben eine Verringerung der Kohlendioxid-Emissionen um mindestens 50000 Tonnen pro Jahr erreicht.

Mit diesem Projekt hat die Samtgemeinde Emlichheim einen wegweisenden Schritt in Richtung auf eine dezentrale, zukunftsorientierte und ökologisch verantwortungsvolle Energieversorgung getan, der auch anderen Gemeinden zur Nachahmung empfohlen werden kann“, schreibt das GBF abschließend.

CDU-Fraktionschef Fritz Berends erklärte gestern, dass es seine Fraktion gewesen sei, die ein Abgasgutachten des Ökoinstituts verlangt habe. „Wir wollten uns nicht wieder nachsagen lassen, wir hätten das Vorhaben nicht ausreichend geprüft“, so Berends. Das GBF habe gegen die Beauftragung des Ökoinstituts gestimmt. „Die haben die selben Argumente gebracht, die sie uns vor ein paar Jahren im Zusammenhang mit der Müllverbrennungsanlage im Europark zum Vorwurf gemacht haben“, so Berends. So hätten die GBF-Politiker beispielsweise erklärt, das Strohkraftwerk sei bereits genehmigt, und dagegen könne man eh nichts mehr machen, berichtete Berends aus Sitzungen des Samtgemeindeausschusses.

Es sei allein der Erfolg von CDU, SPD und FDP, dass sich die Kraftwerksbetreiber letztlich zum Einbau der besseren Filtertechnik verpflichtet hätten, betonte der CDU-Fraktionschef. Dies sei Bedingung für die Vertragsunterzeichnung gewesen.
Quelle: GN, 11.9.2009