Am
Anfang der "Jubi" stand der segensreiche
Tatendrang von
Pastor Günther Nitsche
für den Bau eines Jugend- und
Gemeindeheimes, aus dem später das Grenzlandheim entstanden ist. Dabei
gelang die Anschubfinanzierung in den Jahren 1948 und 1949 vor allem
deshalb, weil Nitsche
einem Rechenfehler erlegen war. Er bat seinen Weggefährten aus dem
Kriegsgefangenlager in Texas, den Zementunternehmer Dykerhoff, um 40 Tonnen Zement. Als Dykerhoff die Lieferung
ankündigte, aber darauf aufmerksam machte, dass er nicht die nötigen
Eisenwaggons stelle, schlug Nitsche
das Rechenbuch seiner Tochter auf und stellte fest, dass er Tonne mit
Zentner verwechselt hatte.
Doch auch mit dieser Situation wurde der
eifrige Lutheraner fertig. Die Firma Wintershall hatte seinerzeit Schwierigkeiten bei Bohrungen nach Erdöl
und benötigte ständig Zement zum Abdichten von Wassereinbrüchen.
Wintershall transportierte und verwendete den von Nitsche organisierten
Zement und stellte einen Architekten und weitere Unterstützung für die
Baupläne des Pastors zur Verfügung. So wurde schon vor der
Währungsreform das Jugend- und Gemeindehaus gebaut, aus dem sich dann
das Grenzlandheim entwickelte.
Nachzulesen ist das alles - und noch
viel mehr -in einer Chronik der
Bildungseinrichtung, die der zweite Vorsitzende des
Trägervereins, Ingo Wiesler,
rechtzeitig zum 50-jährigen Bestehen fertig gestellt hat. in der über
100-seitigen Schrift wird das Wirken der Jugendbildungsstätte
umfangreich dargestellt. Das führt von der Bauphase über die
bildungspolitischen Diskussionen der 1970er Jahre und den Boom in
den1980er Jahren auch zu den Krisenzeiten in den 1990er Jahren.
Im Verlauf der Jahre sind auch Fehler gemacht worden. Wegen der
früher konfortablen finanziellen Unterstützung des Landes Niedersachsen
hat man das Streben nach mehr Wirtschaftlichkeit eine ganze Weile lang
verdrängt. Im Mai 1990 wird die Jugendbildungsstätte dann in ihren Grundfesten erschüttert.
Aus Hannover kommt die Information, dass das Kultusministerium den
Standort Emlichheim nicht mehr fördern will. Was folgt sind viele
Briefwechsel und politische Diskussionen. Im Dezember 1996 dann der
Beschluss des Landtages, Emlichheim ab 1998 nicht mehr zu fördern. Die
einstige Fördersumme von 850.000 Mark wurde schrittweise auf Null gesetzt. Geholfen hat das
Land jedoch noch bei Investitionen. Im Juli 1997 lehnt die SPD im
Landtag mit 80 Stimmen gegen 79 Stimmen von CDU und Bündnisgrünen eine
Petition des Grafschafter Kreistages ab. Den Ausschlag gab die Stimme
des Nordhorner SPD-Landtagsabgeordneten Gerd Will.
Nach einigen Übergangsregelungen musste
die "Jubi" dann mit Zuschüssen des
Landkreises, der Samtgemeinde Emlichheim und des lutherischen
Kirchenkreises auskommen. Nichtzu vergessen die lutherische
Kirchengemeinde Emlichheim, die Grundstück und Gebäude kostenlos zur
Verfügung stellt. Zwischenzeitlich stand die Einrichtung in Emlichheim
auch schon einmal kurz vor dem Konkurs.
Doch nach umfangreichen Sanierungsbemühungen
sind die Haushalte der Jugendbildungsstätte inzwischen wieder
ausgeglichen. Geärgert haben sich viele Beteiligte darüber, dass sich
die lutherische Kirche seit den Zeiten des früheren Superintendenten Hans-Neithardt Hansch mit
der Bildungseinrichtung im Stift Börstel eine "Konkurenz im eigenen Hause" leistet.
Doch inzwischen spricht man auch darüber
nicht mehr oft. "Wir haben Zukunftsperspektiven",
ist Horst Kammel
zuversichtlich. Emlichheims früherer Samtgemeindedirektor führt die
Geschäfte der Bildungseinrichtung ehrenamtlich. Vertreter der
Jugendbildungsstätte, der lutherischen Kirche, des Landkreises und der
Samtgemeinde Emlichheim wollen sich im nächsten Monat zusammensetzen,
um gemeinsam die Perspektiven auszuloten.
2500
Euro für die Jugendbildungsstätte
Dank einer Zuwendung der Grafschafter Volksbank
kann die Jugendbildungsstätte Emlichheim jetzt ihren PC-Raum modernisieren. Diese
Unterstützung ist für die Jugendbildungsstätte ein entscheidender
Beitrag dafür , auch künftig eine zeitgerechte Aus- und Fortbildung der
Jugendlichen und weiterer Nutzer zu gewährleisten. Zahlreiche
Bildungsmaßnahmen erfolgen dort: Schulungen der Teilnehmer der
Jugendwerkstatt sowie der Teilnehmer von Langzeitarbeitslosenprojekten,
Berufsvorbereitungskurse mit Schülern der Haupt- und Realschule
Emlichheim, Lehrgänge mit Internetrecherche durch Schüler, Konfirmanden
und sonstige Jugendliche. Darüber hinaus führt das Grafschafter
Comeback zweimal wöchentlich Beratungsgespräche mit Arbeitslosen durch.
Dabei sind die Möglichkeiten vorhanden, im Internet zu recherchieren,
Bewerbungsmappen anzufertigen und Daten zur Erstellung eines
Persönlichkeitsprofils im Jobnetzwerk des Grafschafter Comeback
einzugeben. Ferner finden PC- und Internetlehrgänge für Frauen und für
Teilnehmer ab 55 Jahren statt. (GW,2.12.2009; GWaS, 29.11.2009)
2011
- Neue pädagogische Leiterin
Im März 2000 verließ mit Ann-Katrin
Preuschoft die
letzte pädagogische Leiterin die Emlichheimer
Jugendbildungsstätte. Seitdem war die Stelle unbesetzt. Seit dem
1. Februar ist Christina
Breman als neue pädagogische
Leiterin
im Amt. Ingo Wiesler,
Vorsitzender des Trägervereins, und der
geschäftsführende Leiter Horst
Kammel stellten die neue
Kraft vor. Die Emlichheimerin Christina
Breman studierte an der Universität Oldenburg Pädaggogik mit dem Schwerpunkt
Sozialpädagogik. Seit März 2008 arbeitete die 27-jährige als
Jugendreferentin bei der Herrnhuter
Brüdergemeine in Neugnadenfeld.

Christina
Breman zwischen Horst
Kammel (links) und Ingo
Wiesler (Foto: Mepprlink)
Rückblick auf die elfjährige leitungslose
Zeit
Wiesler
führt aus, "wie es zu der elfjährigen
leitungslosen Zeit kommen konnte. In finanziell
gesicherten Zeiten sei die
Jugendbildungsstätte (Jubi) als eine von drei niedersächsischen
staatlich anerkannten Jugendbildungsstätten jährlich mit
über 800000 Mark gefördert worden. Damit sei sie
„hervorragend sachlich und personell ausgestattet“ gewesen. Die
Jubi habe ein hohes Ansehen genossen. Selbst Bundespräsident Christian Wulff
habe geschrieben, dass sein erstes politisches
Seminar als 16-jähriger in der Jubi prägend gewesen sei,
berichtete Wiesler.
Als
dann der Landtag 1991 beschlossen habe, die Jubi aus der Förderung
herauszunehmen und bis 1998 auf Null zu fahren, habe sie vor
dem
Konkurs gestanden. „Er konnte durch eine Rettungsaktion von Kirche,
Landkreis und Samtgemeinde abgewendet werden“, so Wiesler. Die
gemeinsamen jährlichen Zuschüsse von 50000 Euro setzten der
Einrichtung jedoch enge Grenzen. „Dringend erforderlich sind
Renovierungs- und Modernisierungsarbeiten,“ stellte Wiesler fest.
Dass die Jubi inzwischen die Talsohle überwunden habe, sei Horst
Kammel, zu verdanken, der seit 2002 als ehrenamtlicher
Geschäftsführer tätig sei und die Wirtschaftlichkeit
des Hauses in den Vordergrund stellte. Trotz des Aufwindes könne
nach Auffassung von Wiesler
eine derzeitige Auslastung von 35 Prozent
jedoch nicht Dauerzustand sein". (GN, 5.7.2011)
Verabschiedung von Horst Kammer und
Einführung von Christin Bremann
Nach neun Jahren als nebenamtlicher
Geschäftsführer der Emlichheimer Jugendbildungsstätte (Jubi)
wird Horst Kammel in
einer Feierstunde verabschiedet. Trägervereins-Vorsitzender Ingo Wiesler führte aus,
dass Kammel "durch
seine Kompetenz und sein Engagement weit mehr als nur eine
ehrenamtliche Tätigkeit wahrgenommen" habe. Ihm sei es gelungen, mit
seiner Sachkentnis und Hartnäckigkeit die Jubi vor ihrem endgültigen Aus zu
bewahren und wieder auf tragfähige Beine zu stellen. Gleichzeitig wird
Frau Christine Bremann
offiziellin ihr Amt als hauptamtliche
Geschätsführerin eingeführt.Jugendbildungsst%E4tte_Emlichheim.html
(GN, 22.8.; GW, 24.8.2011)