Einsatz von Buslotsen
Rund
6000 Kinder und Jugendliche fahren jeden Tag im Landkreis mit dem Bus
zur Schule. Dabei kommt es immer wieder zu gefährlichen
Situationen. Die Polizei, die Verkehrsgemeinschaft Grafschaft
Bentheim (VGB) und das Deutsche Rote Kreuz (DRK) wollen deshalb die
Sicherheit erhöhen, und Jugendliche ab dem neunten Jahrgang zu
Buslotsen
ausbilden. Sie sollen als „rechte Hand“ des
Busfahrers für Ordnung sorgen.
Wenn geschubst, gedrängelt,
geärgert und
geschrien wird, kommen die Buslotsen zum Einsatz. „Sie sind das
Bindeglied zwischen Fahrgast und Fahrpersonal“, erklärt Edgar
Eden. Er ist bei der Polizei in Nordhorn
Verkehrssicherheitsberater
und hat mit diesem Projekt bereits in Lingen gute Erfahrungen
gemacht. „Dort haben wir im ersten Jahr 40 Lotsen ausgebildet“,
berichtete er rund 30 Lehrern und Schulleitern im reformierten
Gemeindehaus in Nordhorn. Er machte deutlich, dass Polizei und
Busfahrer das Projekt anstoßen, aber nicht auf Dauer
durchziehen könnten: „Wir müssen Ihre Hilfe haben, darauf
sind wir angewiesen.“ Bis zum 25. Mai sollen die Schulen im
Landkreis geeignete Jugendliche benennen, die freiwillig eine
Ausbildung zum Buslotsen absolvieren wollen.
Die
Ausbildung erfolgt an drei Nachmittagen. Dabei geht es unter anderem
um Busregeln für ein besseres Miteinander, Schilder sowie die
Frage: Was darf ein Buslotse und was darf er nicht? In einem
Praxisteil wird den Jugendlichen erklärt, was es mit dem „toten
Winkel“ im Straßenverkehr auf sich hat. DRK-Helfer zeigen,
wie in einem Notfall erste Hilfe geleistet wird. Außerdem
werden die Buslotsen im Streitschlichten geschult. Im ersten Jahr
übernimmt das die Konfliktmanagerin Karin Kraul aus Lingen.
Anschließend sollen sich Lehrer der jeweiligen Schule, die sich
als Betreuer und Ansprechpartner für die Buslotsen engagieren,
um die Ausbildung weiterer Jugendlicher kümmern.
Der
Lohn der Mühen für die Schüler sind ein positiver
Vermerk im Zeugnis, eine Urkunde und eine Überraschung am Ende
des Jahres. Eden
machte aber deutlich, dass es keine feste Entlohnung
geben könne, sondern dass die Jugendlichen ehrenamtlich
unterwegs seien. Die Buslotsen sollen an einem Ausweis, der an einem
neonfarbenen Schlüsselband befestigt ist, gut zu erkennen sein.
Sie müssten selbstbewusst, konfliktfähig und
durchsetzungsfähig auftreten, ihre Aufgaben ernst nehmen und
eine Vorbildfunktion ausüben.
„Wir
bräuchten eine Vielzahl von Buslotsen“, sagte Rüdiger
Kopplin, Leiter der Realschule Emlichheim und zeigte sich
skeptisch:
„Ob wir das leisten können, wage ich zu bezweifeln.“ Helmut
Sleefenboom von der Bentheimer Eisenbahn erklärte, dass
vier
Buslotsen für jede Strecke wünschenswert seien. Sie
könnten
sich täglich abwechseln. Heinz Defayay, Leiter des
Polizeikommissariats Nordhorn, wies darauf hin, am Anfang des
Projekts zu stehen. Auch Eden räumte ein, zu Beginn sicherlich
nicht gleich auf allen Strecken Buslotsen einsetzen zu
können.
Parallel
zur Ausbildung der Buslotsen bietet die Polizei Schülern ab der
fünften Klasse eine Busschule
an. Dabei wird ihnen unter anderem
gezeigt, wie sie Fahrpläne lesen, sich bei einer Notbremsung
verhalten und was Sachbeschädigungen nach sich ziehen. Es sind
zwei Schulstunden und zwei Praxisstunden im Bus geplant. Die
Busschule startet im nächsten Schuljahr an den Schulzentren in
Emlichheim, Uelsen, Lohne, Neuenhaus und Nordhorn-Deegfeld sowie am
Burggymnasium Bad Bentheim und Missionsgymnasium Bardel. (GN, 13.5.2009)
Regeln
gegen das
Chaos
im Schulbus
Polizei
und VGB informieren
Ein
Bericht von Andre Berends -
Nordhorn, in den Grafschafter Nachrichten.
Drängeln an der Haltestelle, Ringen
um freie Plätze, Schubsen beim Ausstieg – in fast allen
Schulbussen kommt es täglich zu gefährlichen Situationen.
Polizei und Busfahrer erklären seit Beginn des Schuljahres
Grafschafter Fünftklässlern, welche Regeln einzuhalten
sind. Die vierstündige Busschule soll zu einer festen
Einrichtung werden.
„Na,
dann
haltet euch mal gut fest“, sagt Wolfgang
Kriete und gibt Gas. Der Schulbus der Nordhorner
Versorgungsbetriebe
(NVB) rollt an und verlässt die Haltestelle am Schulzentrum in
Nordhorn-Deegfeld. Die 15 Fünftklässler, die sich allesamt
hinten in den Bus gesetzt haben, reden und kichern. Sie wissen gar
nicht so genau, was sie gleich erwartet. Nach wenigen Metern tritt
Kriete das
Bremspedal voll durch – unangekündigt. Der Bus
bleibt mit einem kräftigen Ruck stehen. Eine blaue Regentonne,
die als Dummy gerade noch lose im Gang stand, schleudert nach vorne.
Große Augen bei den Schülern. „Und ich bin nicht mal 30
gefahren“, sagt Kriete.
Damit hatten die Kinder nicht
gerechnet – sie haben sich zum Teil mächtig erschrocken. Was
der Tonne passiert ist, hätte ohne weiteres auch einem von ihnen
passieren können. „Der Busfahrer wird euch nie sagen können,
wann er bremsen muss. Deswegen ist es sehr wichtig, sich richtig
hinzusetzen oder sich beim Stehen festzuhalten“, sagt Kriete den
Schülern. Sie haben alle eine Busfahrkarte. Einige von ihnen
wohnen in Bimolten und Bookholt, andere in Hesepe und Hestrup. Sandro
wohnt in Stadtflur. Er geht seit Schuljahresbeginn auf die Realschule
im Deegfeld. Jetzt, im Sommer, fährt er mit dem Rad zur Schule.
Im Winter, wenn es ungemütlich wird, will er mit dem NVB-Bus zum
Unterricht fahren. Das ist für ihn neu.
Um Schülern
wie Sandro zu zeigen, wie sie sich im Bus richtig verhalten, bieten
Polizei und Verkehrsgemeinschaft Grafschaft Bentheim (VGB), zu der
auch die Bentheimer Eisenbahn zählt, eine Busschule an. Die
Mitarbeiter sind seit Mitte August in 17 weiterführenden
Grafschafter Schulen im Einsatz. In zwei Theorie- und zwei
Praxisstunden erklären sie Schülern des fünften
Jahrgangs, welche Regeln zu beachten sind. „Wenn wir uns alle gut
verstehen und die Regeln einhalten, wird Busfahren stressfreier und
unfallfreier“, sagt Edgar
Eden, Verkehrssicherheitsberater der
Polizei in Nordhorn.
Die Busschule ist neben der Ausbildung
der Buslotsen ab dem neunten Jahrgang ein weiteres
Verkehrssicherheitsprojekt von Polizei und VGB. Es richtet sich an
die durchschnittlich gut 6000 Kinder und Jugendliche, die jeden Tag
im Landkreis mit dem Bus zur Schule fahren. Das Projekt soll
künftig
in jedem Schuljahr angeboten werden – immer in den fünften
Klassen. „So erreichen wir auf Dauer so ziemlich alle Schüler,
die vom Busverkehr betroffen sind“, erklärt Eden. Die
Busschule läuft noch bis zum 30. September.
Quelle:
GN, 1. 9. 2009
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