|
Die
Nebenschulen im Amt Bentheim 1837
|
|
von Gerrit Jan Zager
|
|
Das Amt Bentheim berichtete am 19.
Dezember 1837 der Königlichen Landdrostei in Osnabrück
über das Kirchen- und Schulwesen. Der Bericht, der siebzehn etwa
halbseitig beschriebene Bögen in Folioformat (21x33 cm)
umschließt, befasst sich auch mit den Nebenschulen und
Nebenschullehrern.
|
|
Zum Amtsbezirk Bentheim gehörten 1837 die Kirchspiele
Bentheim, Brandlecht, Gildehaus, Ohne, Schüttorf und
die Gemeinden Drievorden und Engden. In den Kirchspielorten bestanden
Haupt- und in den meisten Bauerschaften Nebenschulen.
|
|
Die Hauptschulen wurden anfangs von den Kindern des ganzen Kirchspiels
besucht. Später richtete man wegen der langen und beschwerlichen
Wege auch in den Bauerschaften Schulen ein. Im Kirchspiel Gildehaus
bestanden nach dem Bericht des Amtes Nebenschulen in Bardel, Holt
und Haar, Sieringhoek und Waldseite. Sie befanden sich mit Ausnahme der
Schulen in Bardel und Sieringhoek, deren Einrichtungen allerdings auch Mängel
aufwiesen, "in einem sehr elenden baufälligen Zustand".
|
|
Im Kirchspiel Schüttorf gab es 1837 Nebenschulen in den
Bauerschaften Neerlage, Samern, Suddendorf und Wengsel. Die
Schulgebäude in Neerlage und Samern waren gut und entsprachen "dem
Bedürfnisse", das Suddendorfer Gebäude war "in einem
elenden Zustand", das Quendorfer war wohl etwas besser, wies aber auch
erhebliche Mängel auf. Auch die Schulen in den Bauerschaften
Drievorden und Engden, die zum Kirchspiel Emsbüren gehörten,
waren mangelhaft und "für die Schuljugend ungesund.".
|
|
Mit Ausnahme der Schule in Holt und Haar, der ein Kapital von 200
Gulden vermacht worden war, hatten die Nebenschulen im Amt Bentheim
kein Vermögen. Verbesserungen wurden im Berichtsjahr in keiner
vorgenommen.
|
|
Die Mängel bestanden neben der genannten Baufälligkeit vor
allem darin, dass die Schulgebäude zu klein und deswegen ungesund
waren. Das Amt bat die Königliche Drostei, den Zustand untersuchen
zu lassen und Abhilfe zu schaffen, damit nicht nur alle
schulpflichtigen Kinder aufgenommen werden können, sondern auch
deren Gesundheit nicht gefährdet werde.
|
|
Der Bericht befasst sich auch mit der Besoldung und den
Fähigkeiten der Nebenschullehrer. Das Gehalt setzte sich aus dem
Schulgeld, das für jedes Kind von den Eltern gezahlt werden
musste, zusammen. Jede Bauerschaft hatte
verhältnismäßig wenig Einwohner und konnte wegen der
großen Entfernung nicht mit einer anderen zu einem Schulverband
zusammengelegt werden. Die Schülerzahl einer Nebenschule war klein
und damit das Gehalt des Lehrers niedrig. Da es sich zudem laufend
ändere, traf die Bauerschaft mit dem Lehrer eine Vereinbarung,
nach der alle Familien Schulgeld gemäß der
Erbesgerechtigkeit
zu zahlen hatten. Mit dem gleichbleibenden aber immer noch niedrigen
Einkommen konnte der Lehrer seinen Lebensunterhalt nicht bestreiten.
Die Gemeinde gewährte ihm den "Reihetisch", bei dem er von
den Familien der Reihe nach beköstigt wurde. In Drievorden
erhielt der Nebenschullehrer statt des Reihetisches 30 Taler für
seine Beköstigung. Das Amt bezeichnete die Einrichtung des
Reihetisches als "mangelhaft", meinte aber auch, dass die
"Eingesessenen" einer Bauerschaft die Kosten für den
Lebensunterhalt nicht ganz aufbringen könnten. Es hoffe, dass mit
einem "bedeutenden Zuschuss" des Staates zur Besoldung der Lehrer
dieses Problem gelöst werden könnte.
|
|
An die Fähigkeiten der Nebenschullehrer konnten bei der "geringen
Vergütung" keine größeren Ansprüche gestellt
werden. Gut oder besser ausgebildete Lehrer zogen eine Anstellung an
einer Hauptschule vor. Die Nebenschullehrer waren - so schrieb das Amt
- "entweder Krüppel", die eine andere Tätigkeit nicht
ausüben konnten, oder waren Landwirte oder arbeiteten im Sommer in
den Niederlanden als Zimmerer, Maurer oder Torfstecher.
|
|
Quelle: Staatsarchiv Osnabrück, Rep. 350, Nr. 331
Artikel entnommen aus: Der Grafschafter 12/ 2003, Seite 47
|
|