Aus
dem Protokollbuch von 1719 - 1785 erfahren wir auch die Namen der
Lehrer, die in Gildehaus gewirkt haben. Dem betagten Nyhuis folgte
Anfang des 18. Jahrhunderts sein Sohn Adolf, diesen 1739 sein Bruder
Wermold. Im Jahre 1740 erscheint ein gewisser Grotthaus als Lehrer.
Sein Nachfolger J.H.Vos starb 1783. Am 3. Juli 1783 bat die Witwe,
ihren Sohn Rudolf, der in Niederkeppel schulmeisterte, anzunehmen. Dies
geschah. R. Vos wirkte bis 1813 in Gildehaus. Ihn unterstützte zu
Lebzeiten Geritt Zwitzers. Dieser war ursprünglich Zimmergeselle
und sehr musikalisch. Er hatte sich selbst ein Klavier angefertigt und
in Gildehaus tüchtige Sänger herangebildet, die durch ihre
schöne und feste Stimme beim öffentlichen Gottesdienste gute
Dienste leisteten. Später (1806) verzog Zwitzers nach Nordhorn,
kam aber von dorther, um die hiesige Orgel zu stimmen. Dieser G.
Zwitzers war der Großvater eines Töchterschuldirektors in
Emden und eines Kaufmanns Zwitzers in Nordhorn. Auf Zwitzers folgte
Hagen, der früher Schustergeselle gewesen war. Im Jahre 1824 wurde
aus einigen Bewerbern Hermann Wieking gewählt. Er war der Sohn des
Küsters Jan Wieking, der zugleich der Schule in Sieringhoek
vorstand. Im Alter (1864) ordnete man ihm seinen Sohn Jan bei.
Das
Schulexamen
In einem Protokollbuch vom 23. Juli 1830
wird von einem Schulexamen berichtet. Pastor Berning schreibt: "In der
Schule fand das Schulexamen statt. Es wurde mit Gesang eröffnet.
Dann wurde das Schreiben nachgesehen, was im allgemeinen sehr zu loben
war, hauptsächlich die Schriften der Mädchen, die sich vor
allem im Deutschschreiben sehr auszeichneten. Sodann wurden die Kinder
im Deutsch- und Holländischlesen geprüft, wo sie auch viel
Geschicklichkeit und Fortschritt zeigten. In der Geschichte der
Übergabe der Augsburgischen Konfession zeigten Schüler und
Schülerinnen mittelmäßige Kenntnisse, mehr wussten sie
von der byblischen Geschiedenes, worin die Knaben auch einen Versuch
machten, das holländische ins Deutsche zu übersetzen. Das
Examen endete mit einem passenden Liede, was sehr gut gesungen wurde
und zuletzt mit einer passenden Rede meines Kollegen, worin der Jugend
wegen ihrer gemachten Fortschritte ein gebührendes Lob erteilt und
sie zu fortgesetztem Fleiß und vor allem zu einem freundlichen,
artigen Betragen ermahnt wurde. Es folgte nun die Preisverteilung, die
in Bredows "Kurzer Abriss der Weltgeschichte" bestand. Die kleinen
Kinder bekamen nach der bestehenden Gewohnheit ein bunt gemaltes Bild".
Middewinterspriese
In damaliger Zeit wurde sehr viel Wert
auf das Schönschreiben gelegt. Etwa vier Wochen vor Weihnachten
schrieb die erste Klasse sogenannte Middewinterspriese. Der Lehrer
saß während der Zeit am Pult und machte den Anfang zu diesen
Preisen, indem er in einem Zuge ein E und B nebst schönen
Verzierungen oben an dem quergenommenen Bogen setzte, dann in
Fraktur "Es begab" darunter malte. Dieser Bogen kostete drei
Pfennige und wurde von dem obersten Knaben mit roter, grüner und
blauer und gelber Tinte bunt gemacht und dann an die Schreiber der
Weihnachtspreise für 8 bis 12 Deute verkauft, je nachdem er
schön oder weniger schön ausgefallen war. Die Schreiber
schrieben nun in großer lateinischer Schrift weiter und fingen
gewöhnlich mit "sich zu der Zeit" an. Von "daß ein Gebot vom
Kaiser Augustus ausging" wurde in deutscher Schrift geschrieben.
Diese Preise wurden in Gildehaus bei den
ersten Bürgern herumgereicht und von den besten Kennern einer
guten Schrift numeriert. Alsdann wurden sie an einem Bindfaden
befestigt, in der Schule an der Wand aufgehängt, in der
Reihenfolge der Nummern. Es galt für eine große Ehre, den
ersten Preis zu erringen. Der Unterricht wurde in dieser Zeit nur vom
Gehilfen erteilt.
Außerdem wurden ganze Bücher
von vier Bogen Stärke beschrieben in großer und kleiner
holländischer und deutscher Schrift. Die großen Buchstaben
ließen die Schreiber weg. Diese wurden vom Lehrer in schöner
Weise mit Verzierungen versehen hinzugefügt.
Die
Maischule
In früheren Jahren wurde im Mai ein
Schulfest, die sogenannte Maischule, gefeiert. Die Schule wurde mit
Maizweigen und Kronen geschmückt. Ersteres besorgten die Knaben,
letzteres die Mädchen. Über das Pult wurde der Reifen eines
Fasses halbmondförmig gespannt, derselbe mit Grün und Blumen
geschmückt wie ein Kranz. In diesem wurde eine von Watte und
buntem Band gewundene Krone angebracht und darin hing ein Spruch, der
einen Glückwunsch für die Lehrer enthielt. Die Kinder
erschienen am bestimmten Tage des Morgens in ihren Sonntagskleidern und
brachten einen Stüber, später einen Groschen mit. Einige
größere Knaben hatten sich mit einem Beil zum Hauen der
Maienzweige versehen, alle aber hatten einen dicken Stock. Während
des Einsammelns und Zählens des Geldes durften die Kinder
schreien, johlen, mit den Füßen trampeln, mit den
Stöcken auf die Tische schlagen, flöten, pfeifen und
klatschen. Es war ein großer Lärm. Zwei von den
größten Knaben wurden zu Hagels, Hoons und Bauers geschickt,
um die Erlaubnis zum Schlagen der Maienzweige im Bentheimer Kamp
einzuholen. Diese wurde immer erteilt. Nun stürmte alles nach dem
Bentheimer Kamp, die großen Knaben mit dem Beil voran. Diese
hieben unter Aufsicht der Lehrer die Maienzweige und die übrigen
Kinder schleppten diese ins Dorf und brachten sie den Leuten mit den
Worten: "Ich habe Ihnen einen Maien vor die Tür gestellt!"
Dafür empfingen sie eine kleine Gabe. Gewöhnlich wurden hier
und dort Zweige wieder mitgenommen, da nicht ausreichend mitgebracht
werden konnte. Die Mädchen vergnügten sich in ihrer Weise
oder brachten auch vereinzelt einen Maienzweig mit.
Mittags 1 Uhr versammelten sich Lehrer
und Schüler wieder in der Schule, die Schüler mit einem
Trinkgefäß versehen. Es wurde das eingesammelte Geld
abgeliefert, gezählt und das bestellte Bier und das Bankett
geholt. Knaben holten ein Fäßchen Bier vom Posthalter
Schütte, von Jan Sligtenhorst und B. Wiek (Wwe. H. Pott), welche
sämtlich Bier brauten, je zwei Mädchen holten von allen
Bäckern das bestellte Banket, bestehend aus Brötchen mit
Zucker, Krängeln, das sogenannte Totenbankett. Die
größeren Knaben unternahmen den Ausschank des Bieres, wozu
sie einen Kaffeekessel mitgebracht hatten. Die größeren
Mädchen verteilten Kuchen von einem großen
Präsentierteller. Anfangs ging es noch so einigermaßen mit
der Ordnung, später ging alles durcheinander. Mit dem Beginn der
Sedanfeier 1873 nahm die Maischule ein Ende.
Die
holländische Sprache in der Schule
In früherer Zeit wurde auch in der
Schule holländisch unterrichtet. Darüber schreibt J. Wieking
1902: "Von jeher geschah das Bibellesen in der holländischen
Sprache. Seit auch aus dem Alten Testament Bibellesestoff genommen
wird, hat es seine Schwierigkeit, holländische Bibeln mit neuem
Druck zu beschaffen. Der alte Druck ist für die Kinder kaum zu
lesen. Es stellte sich nun 1902 in der ersten Woche nach
Ostern heraus, dass nur wenige der in die erste Klasse aufgenommenen
Kinder eine holländische Bibel besaßen. Daher stellte Lehrer
J. Wieking beim Schulvorstande den Antrag, fortan das Bibellesen
in deutscher Sprache betreiben zu dürfen. Dieser Antrag wurde,
wenn auch von einigen Mitgliedern mit schwerem Herzen, angenommen.
Somit ist am 11. April 1902 zum letzten Mal in der ersten Klasse der
Volksschule zu Gildehaus im Holländischen unterrichtet worden".
Quelle:
Grafschafter Heimatkalender für
das Jahr 1933 (8. Jahrgang), Seiten 54 bis 57