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Die Grafschaft Bentheim besitzt ein hochentwickeltes
berufsbildendes Schulwesen. Im Berufsschulzentrum Nordhorn sind
die
Gewerblichen, die Kaufmännischen und die Hauswirtschaftlichen
Berufsbildenden Schulen zusammengefasst.
Die Entwicklung des Berufsschulwesens
begann
um das Jahr
1900 mit der Einrichtung von
ländlichen Fortbildungsschulen in
verschiedenen Orten der Grafschaft, den gewerblichen
Fortbildungsschulen in Bentheim für die Obergrafschaft und in
Nordhorn sowie der Landwirtschaftsschule in Neuenhaus, ab 1926 auch
in Bentheim.
Aus den gewerblichen
Fortbildungsschulen
entstanden in
Nordhorn 1928 die Städtischen Berufs- und Berufsfachschulen und
auf Kreisebene 1936 die Kreisberufsschule mit den Standorten
zunächst
nur in Bentheim, später auch in Neuenhaus. Die Nordhorner Schule
gliederte sich in der Knaben-Berufsschule in kaufmännische,
handwerkliche und Textilklassen, in der Mädchen-Berufsschule
zusätzlich zu diesen auch in hauswirtschaftlichen Klassen. Die
Schule wurde1937 um eine zweijährige Handelsschule, 1939 um eine
einjährige Haushaltungsschule für Mädchen erweitert.
Aus den ländlichen
Fortbildungsschulen
entstanden
1938 die landwirtschaftlichen Berufsschulen an verschiedenen Orten.
Sie wurden dann 1956 auf Kreisebene zusammengeschlossen. Sie blieb
bis 1978 eigenständig und gehört heute zu den
Hauswirtschaftlichen Berufsbildenden Schulen.
1964 erfolgte eine Neuordnung des
Berufsschulwesens,
indem die Kreisberufsschule und die Nordhorner Berufsschule
zusammengelegt wurden. Es entstanden als eigenständige Schulen
die Handelslehranstalt, die 1980 in die Kaufmännischen
Berufsbildenden Schulen (KBS) umbenannt wurde, und die Gewerblichen
Berufsbildenden Schulen (GBS), von denen 1966 die
Hauswirtschaftlichen Berufsbildenden Schulen (HBS) abgetrennt wurden,
die heute neben der Agrarwirtschaft auch die Fachbereiche
Sozialpädagogik und Pflege umfassen.
In allen drei Schulen existieren
attraktive
Ausbildungsangebote, die einerseits den Weg ins Berufsleben
ebnen und
andererseits für weiterreichende Bildungsbemühungen offen
stehen. In den Berufsschulen werden die Auszubildenden im ersten Jahr
in der Grundstufe und in den weiteren Jahren in der Fachstufe
unterrichtet. Die Grundstufe konnte bisher entweder als
Vollzeitunterricht im Berufsgrundbildungsjahr (BGJ) oder als
Teilzeitunterricht im dualen System parallel zur Ausbildung in einem
Betrieb absolviert werden. Das BGJ vermittelte dabei eine
Grundausbildung für mehrere verwandte Berufe in einzelnen
Berufsfeldern. An die Stelle des BGJ sind ab Schuljahr 2009/10
einjährige Berufsfachschulen getreten, die mindestens den
Hauptschulabschluss voraussetzen. Sie lassen berufsbezogene
Schwerpunktbildungen entsprechend den regionalen Bedürfnissen
der Wirtschaft zu, orientieren sich an den Rahmenplänen für
das erste Ausbildungsjahr, umfassen eine vierwöchige praktische
Ausbildung in Betrieben, schließen mit einer Prüfung ab
und werden in Übereinkunft mit der regionalen ausbildenden
Wirtschaft auf die Ausbildungszeit angerechnet.
In die Berufseinstiegsschule (mit
Berufsorientierung und
Verbesserung der Ausbildungsreife) werden Schüler ohne
Hauptschulabschluss aufgenommen. Kommen sie nicht aus
Abschlussklassen und/oder bedürfen sie besonderer
pädagogischer
oder sozialer Betreuung, besuchen sie das Berufsvorbereitungsjahr
(BVJ). Es vermittelt Grundqualifikationen, schafft Einblicke in
verschiedene Berufsfelder und hilft, schulische Lücken zu
schließen.
In die neuen Berufseinstiegsklassen
(BEK)
sollen alle
Schüler aus Abschlussklassen aufgenommen werden, die eine
allgemeinbildende Schule ohne oder nur mit einem schwachen
Hauptschulabschluss verlassen. Ziel ist es, den Teilnehmern mit der
Orientierung auf eine berufliche Fachrichtung den fehlenden
Hauptschulabschluss zu vermitteln.
In weiteren ein- und
zweijährigen
Berufsfachschulen,
auch für Realschulabsolventen, die von den
drei berufsbildenden Schulen angeboten werden, können neben der
beruflichen Qualifizierung in vielen Bereichen auch weitergehende
schulische Abschlüsse erworben werden. Besonders erwähnt
werden folgende zweijährige Berufsfachschulen:
GBS: Kosmetik, Technische Assistenten
für
Informatik,
KBS: Wirtschaft, Kaufmännische
Assistenten (
Schwerpunkte Fremdsprachen und Korrespondenz, Wirtschaftsinformatik),
HBS: Sozialpädagogik,
Sozialassistent,
Pflegehilfe
(Schwerpunkte Sozialpädagogik, Familienpflege).
Die
Fachschulen für Landwirtschaft, Hauswirtschaft,
Sozialpädagogik
und Heilerziehungspflege setzen eine berufliche Erstausbildung oder
eine einschlägige Berufstätigkeit voraus.
Durch den erfolgreichen Besuch der
Fachoberschulen
Technik, Ernährung und Hauswirtschaft, Wirtschaft sowie
Sozialwesen wird die Fachhochschulreife erworben, die zum Studium an
einer Fachhochschule berechtigt.
Die Fachgymnasien
für Technik
(Schwerpunkte:
Bautechnik, Elektrotechnik, Informationstechnik, Metalltechnik, je
nach Meldung), Wirtschaft sowie Gesundheit und Soziales
(Schwerpunkte: Ökotrophologie, Sozialpädagogik und
Gesundheit/Pflege) führen in einem Bildungsgang mit beruflichem
Schwerpunkt zur allgemeinen Hochschulreife. Sie sind den
allgemeinbildenden Gymnasien völlig gleichgestellt und
unterscheiden sich lediglich dadurch, dass in dem beruflichen
Schwerpunkt Fachtheorie und -praxis (Betriebswirtschaftslehre und
Informatik) vermittelt werden.
Im Jahr 2008 besuchten etwa 2100
Schüler die GBS,
1800 Schüler die KBS und 1200 Schüler die HBS, zusammen
über 5000 Schüler die drei berufsbildenden Schulen.
In
Zusammenarbeit mit der
niederländischen
Fachhochschule Enschede wird derzeit in Nordhorn ein
berufsbegleitender Studiengang
„Sozialpädagogik“ mit dem
Abschluss „Bachelor“ eingerichtet.
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