Grafschafter Schulgeschichte

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Die Grafschafter Schulen 1933 bis 1945

von Heinz Ragnitz

In diesem Kapitel wird dargestellt, welche Auswirkungen die Maßnahmen der Hitlerregierung  auf die Schulen in der Grafschaft Bentheim hatten. Hierbei wird auf die Aussagen der Schulen in den Schulchroniken und andere Unterlagen zurückgegriffen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass auf Anordnung der britischen Militärregierung nach dem Kriege die Eintragungen in den Schulchroniken aus der Zeit von 1933 bis 1945 entfernt werden sollten. Diese Anordnung wurde jedoch von etwa der Hälfte der Schulen nicht befolgt, so dass davon ausgegangen werden kann, dass die vorliegenden Eintragungen noch ein realistisches Bild ergeben.

1. Veränderungen im Schulbereich
Während viele Schulen nur sehr kurz oder gar nicht auf die Veränderungen  im Schulbereich in den Jahren 1933/34 eingehen, gibt eine größere Schule den folgenden Bericht:
"Die Schule nahm lebhaften Anteil an dem großen Geschehen, das sich in den letzten Monaten dieses Schuljahres in unserem Vaterlande abspielte: vom Volke und vom Herrn Reichspräsidenten berufen, kam Herr Adolf Hitler an die Macht, seiner Hand sind nun die Geschicke unseres Vaterlandes anvertraut, nach Tagen schwerer Entscheidungen, so nach dem 31. Januar u. nach dem 5. März, zeigte sich immer wieder, in welch hohem Maße die Jugend freudigen Anteil daran nahm: "Bald wehen Hitlerfahnen über den Straßen" - nun flatterte das Hakenkreuz auch vor unserer Schule! Anlässlich der geschichtlichen Wende, die der Sieg der nationalen Revolution am 5. März (Reichstagswahl) für die Geschicke Deutschlands bedeutet, fiel am Mittwoch der Unterricht aus, dgl. am 21.3. anlässlich der Eröffnung des Reichstages. Durch den Rundfunk erlebte die gesamte Schuljugend diese große Stunde mit, im Fackelzug marschierte auch der jüngste ABC-Schütze mit durch die Straßen zur Wagenhorst, wo ein riesiger Holzstoß in Flammen aufging".

Der 1. Mai, der "Tag der Arbeit" wird festlich begangen: In Gegenwart der Schüler und Lehrer werden die Fahnen vor dem Schulgebäude gehisst. "Der große Festtag mit vielen Wagen - darunter auch der Schulwagen -  wird allen unvergesslich sein: hoch klingt das hehre Lied der Arbeit."

Die Jugendverbände der NSDAP greifen mit staatlicher Unterstützung immer mehr in das schulische Leben ein. Die Einführung des "Staatsjugendtages" im Herbst 1934 bringt eine wesentliche Änderung im Schulbetrieb. Zu den "Erziehungsfaktoren" gehören in Zukunft neben Elternhaus und Schule auch die Hitlerjugend. Der Mittwochnachmittag und der Sonnabend sind ihr für den Dienst in der Jugend überlassen. Die Elternbeiräte werden aufgelöst. An ihre Stelle treten die "Jugendwalter". Die Erziehungsberechtigten werden vom Schulleiter berufen. Außerdem gehören dazu die Vertreter der HJ und der Partei.

Das neue Deutschland, dessen Volkwerdung wir in diesem Jahre sahen und feierten, stellt der Schule neue Aufgaben. Das Kind soll bewusst am Leben seines Volkes teilnehmen, es soll in sein Volk hineinwachsen, sein Werden verstehen u. über die Grundgesetze dieses Werdens belehrt werden. Durch Min.-Verf. v. 13.9.33 ist die Erarbeitung dieser Stoffe in Angriff zu nehmen, der Lehrplan ist dahingehend zu ergänzen: Vererbungslehre, Rassen- u. Familienkunde, Bevölkerungspolitik bilden in Zukunft wesentlichen Bestandteil des Lehrstoffes. Diese Ergänzung ist inzwischen dem Lehrplan - nach Besprechung in einer Systemkonferenz - hinzugefügt, danach wird auch gearbeitet. Dabei zeigte sich, wie freudig und verständnisvoll die Kinder diesem Unterricht folgten. Das Wunder der Zelle, die Gesetzmäßigkeit der Vererbung, die Verschiedenheit der Menschen als Ausfluss u. Ergebnis der Rassenmischung stellt die Kinder stets vor neue Fragen und führt zu denkender Betrachtung. Der vielgebrauchte Ausdruck "Blut und Boden" füllt sich langsam mit Inhalt, Hitlers auf die Zukunft gerichtetes Ziel - das Kind fängt an, dieses wenigstens zu fühlen. Völkisches Denken mag der weitere, der nächste Schritt sein.

Dieser Erziehung zum deutschen Manne, zur deutschen Frau dient auch die Hitlerjugend, das Jugendvolk und der "Bund deutscher Mädel". Schüler und Schülerinnen unserer Schule sind in diesen, bzw. der "Kükengruppe", fest organisiert. Die Dienstnachmittage bleiben frei von häuslichen Aufgaben. Auf dem Gebiete der Jugendertüchtigung arbeitet weiterhin der Turnverein, der seit Jahren starke Jugendriegen hatte. Ein Teil der Schüler ist in dieser Organisation geblieben; manche, denen das Turnen lieb und wert ist, gehören auch beiden Gruppen an. Die Lehrer wurden zu der Arbeit im Jungvolk nicht herangezogen; sie sind auf ein gutes Verhältnis zu ihm bedacht und bemühen sich, sich im Turnverein nützlich zu machen".

In der Schulchronik einer kleinen Schule heißt es:
"Selbstverständlich stand auch der Unterricht unter dem Einfluss der nationalen Revolution. Noch nie hatte eine Schuljugend so unmittelbaren Anteil an dem Zeitgeschehen genommen wie jetzt. Die Umwälzungen auf allen Gebieten und die erzielten Erfolge sind so gewaltig, dass die Schule nicht mehr so daran vorbeigehen kann. So manche Stunde wurde dazu verwandt, die Kinder in das nationalsozialistische Denken einzuführen - und der Rundfunk sorgte dafür, dass wir fast unmittelbar an den großen Feiern und Ereignissen teilnehmen konnten".

Es gibt aber auch Bedenken. So heißt es in einer Chronik, dass die Bevölkerung der "nationalsozialistische Revolution" gleichgültig, zum Teil ablehnend gegenüberstehe.

2. Unterrichtsausfall durch Schulfeiern und Rundfunkübertragungen
Es wird mehrfach bemängelt, dass mancher Unterrichtstag durch Schulfeiern ausfalle und Rundfunkreden eingespielt werden müssen. Neben der 1. Mai-Feier werden im ersten Jahr u.a. gefeiert die Schlageter-Gedächtnisfeier, das Gedenken des Schandfriedens von Versailles, die Schulfeier aus Anlass des Zusammentritts des preußischen Staatsrates. Diese vielen Ausfälle seien am Ende des Schuljahres bei den geringeren Leistungen zu merken.

3. Bildung von Jungvolk- und Jungmädelgruppen
Mehrere Schulen berichten, das die Schüler der oberen Klassen fast zu 100 % in die staatlichen Jugendorganisationen Jungvolk und Jungmädel eingetreten seien. Der jeweiligen Schule wird das Recht verliehen, neben der deutschen Flagge auch die Hitlerjugendfahne zu hissen.

An anderen Schulen bestehen gegen die Gründung von Jungvolkgruppen Bedenken:
" Trotz Werbung treten nur wenige Schüler in das Jungvolk  und den Jungmädelbund ein. Gründe sind:
- Offene oder geheime Gegnerschaft der Eltern gegen alles Nationalsozialistische, besonders bei Anhängern der  
   Altreformierten Kirche,
- Fehlen der Einsicht in Zweck und Wert dieser Jugendbünde und ein zu hoher Beitrag von 30 Pfennig,
- Bedenken gegen die jungen Führer."
Es erfolgen z.T. große Werbeveranstaltungen am Sonntag mit Gruppen aus anderen Orten. In einem Fall besucht eine Partei- und Regierungskommission eine Schule und unterzieht den nationalpolitischen  Unterricht in den Oberklassen einer eingehenden Revision. Hierbei wird besonders auf den Eintritt der Schuljugend in das Jungvolk und in die Jungmädchenschaft scharf  hingewiesen. Durch dauernde starke Werbung und energische Arbeit der Lehrpersonen soll in der Jugendbewegung bald eine Besserung geschaffen werden. Danach treten alle Knaben bis auf 6 dem Jungvolk bei.

In diesem Zusammenhang wird auf den Aufsatz von Hubert Tietz "Jugend im Dritten Reich, Ein Neuenhauser Bürger berichtet über seine Erlebnisse im Jungvolk und in der Hitlerjugend" im Bentheimer Jahrbuch, 1994 (Seiten 171 - 184) hingewiesen.

4. Einführung der Gemeinschaftsschule
Zu Beginn des Schuljahres 1938/39 erfolgt die Einführung der Gemeinschaftsschule. An allen Orten, an denen noch konfessionell getrennte Schulen bestehen, finden öffentliche Versammlungen statt, in denen die Bevölkerung über Wesen und Wert der Gemeinschaftsschule aufgeklärt wird. Die ev. und kath. Schulen werden zu einem System zusammengefasst. Nur der Religionsunterricht wird getrennt erteilt.

Der größte Teil der Elternschaft ist jedoch mit der Gemeinschaftsschule nicht einverstanden. Es werden Einzel- und Sammelproteste an das Landratsamt Bentheim geschickt, aber auch Beschwerdeschriften größeren Umfangs von den ev. und kath. Pastoren verfasst. Zum Teil weigern sich kath. Eltern, ihre Kinder in die ev. Schule zu schicken. Erst nach Polizeieinsatz und Aufklärung durch die Kreisverwaltung beruhigen sich die Eltern wieder.

Nach 1945 werden die Gemeinschaftsschulen aufgrund von Elternvoten wieder aufgelöst und die Bekenntnisschulen wieder eingeführt.

5. Umbenennung von Schulen
In Nordhorn werden Schulen bei der Einführung der Gemeinschaftsschulen umbenannt: Die Ev. Frensdorfer Schule erhält den Namen "Hans-Schemm-Schule", die Kath. Volksschule Nordhorn den Namen "Burgschule",  die Marienschule den Namen "Dietrich-Eckardt-Schule", die Ev. Altendorfer Schule den Namen "Walter-Flex-Schule" und die Kath. Volksschule Bookholt den Namen "Pestalozzischule"

Nach 1945  erhalten die Frensdorfer Schule, die Marienschule und die Altendorfer Schule ihre bisherigen Namen zurück.

6. Zwangsmaßnahmen bei Lehrkräften
a) Lehrer Dirksheide, Bimolten, wird wegen seiner nichtarischen Abstammung aus dem Schuldienst entlassen.

b) Lehrer Bergmann, Schüttorf
"Zu heftigen Auseinandersetzungen kommt es im April 1937, als der Rektor der Kirchschule und zwei weitere Lehrer aus der Kirche ausgetreten waren. Lehrer Johann Bergmann, der sich an einer Protestversammlung der Kirche gegen diese Austritte beteiligt und damit angeblich "an einer staatsfeindlichen Demonstration" teilgenommen hat, wird aus Schüttorf ausgewiesen und nach Zwangspensionierung später an der Haupt- und Mittelschule Lengerich beschäftigt. Als Wiedergutmachung wird er ab 1.9.1945 nach Schüttorf zurückberufen, wo er zum kommissarischen Rektor ernannt und später auch als solcher bestätigt wird"

c) Rektor Arendt, Bentheim
Am 24. August 1939 wird Rektor Arendt trotz seines fortgeschrittenen Alters als Oberleutnant zur Wehrmacht eingezogen, "weil er sich gegenüber der NSDAP provozierend verhalten habe" (nach Aussagen von Frau Ribbink, Bad Bentheim, spätere Konrektorin der Schule). Konrektor Ribbink übernimmt die Vertretung.
Herrn Rektor Arendt, der sich im Kriegsdienst befindet, wird zum 1.1.1941 eine Rektorstelle im Schulverband Nordhorn übertragen. Wie es im Versetzungsschreiben heißt, muss er wegen seiner "judenfreundlichen Gesinnung" aus Bentheim weg. Er sei nicht bereit gewesen, in der Kristallnacht bei Zerstörungen mitzuwirken. Außerdem sei ihm übel vermerkt worden, dass er sich mit Kaufmann Neter, dem letzten Vorsteher der jüdischen Gemeinde, auf der Straße unterhalten und ihm die Hand gegeben habe. Nach dem Kriege wird er zur Rehabilitation als Mittelschulrektor in Nordhorn eingesetzt (nach Aussagen von Frau Ribbink).

d) Schulrat Meyer, Lingen
Schulrat Meyer wird seit dem 1. April 1933 aus politischen Gründen beurlaubt und als Rektor nach Düsseldorf versetzt.

e) Konrektor Buermeyer, Gildehaus
Konrektor Buermeyer ist Bürgermeister von Gildehaus bis 1934. Auf Veranlassung der Nationalsozialisten wird er dann nach einem Streit mit dem damaligen Kreisleiter nach Hone bei Osnabrück versetzt. Die Lebensgeschichte von Ernst Buermeyer ist veröffentlicht in: Band 6 des Projektes der Studiengesellschaft für Emsländische Regionalgeschichte e.V.

Sie kann abgerufen werden unter: http://www.studiengesellschaft-Emsland-Bentheim.de/Seiten/Biographien/Texte/Buermeyer.html
Es wird ferner auf den Artikel  "Der Rücktritt des Gildehauser Bürgermeisters Ernst Buermeyer" von Herbert Wagner hingewiesen. Er ist veröffentlicht  im Bentheimer Jahrbuch 1998, Das Bentheimer Land, Band 143, auf den Seiten 211 bis 234.

7. Einführung der "Hauptschule" als neue Schulform

Als neue Schulform wird nach einem Erlass vom 28.4.1941 im Deutschen Reich die "Hauptschule" eingeführt. Hierzu heißt es bei der Mittelschule Nordhorn: "Im Zuge der Errichtung der "Hauptschule" beginnt auf Anordnung der Schulaufsichtsbehörde der Abbau der Mittelschule. Nach der vierstufigen Hauptschule soll sich eine freiwillige Aufbaustufe zum Erwerb der Mittleren Reife anschließen. Da viele Eltern dieser Schulform nicht trauen, melden sie ihre Kinder gleich zur Oberschule an. Durch das Kriegsende wird das Vorhaben beendet."

8. Neuregelungen an der Oberschule
Am 1. April 1937 wird die Schulzeit bis zum Abitur (um ein Jahr) auf 12 Jahre verkürzt. Neue Richtlinien für Oberschule und Gymnasium sehen eine Ausweitung des Fremdsprachenunterrichts vor. In den Jungen-Oberschulen werden künftig drei Fremdsprachen gelehrt: Englisch ab Sexta, Latein ab Quarta und eine weitere lebende Fremdsprache ab Obersekunda. Beim naturwissenschaftliche Zweig der Oberstufe fällt die dritte Fremdsprache weg. Bei den Gymnasien sieht der Lehrplan nun ab Sexta Latein, ab Quarta Griechisch und ab Obersekunda Englisch vor. Höhere Mädchenschulen sind entweder Oberschulen oder Aufbauschulen. Bei den Oberschulen kann man von der Oberstufenklasse an einen sprachlichen oder hauswirtschaftlichen Zweig wählen.

In Nordhorn beginnt die Aufbauschule 1937 mit Klasse 7. Auf Antrag der Stadt Nordhorn wird die bisherige Aufbauschule am 1. April 1939 zur grundständigen "Deutschen Oberschule" mit Latein als Fremdsprache. Sie umfasst die Klassenstufen 5 - 12.

9. Auflösung des Missionsgymnasiums in Bardel
Der politische Druck der Nationalsozialisten wird 1935 so groß, dass die älteren Schüler sich gezwungen sehen, einen "Kinderkreuzzug" anzutreten und sich der Repressalien durch die Auswanderung nach Brasilien zu entziehen.

Am 31. März 1939 muss der Schulbetrieb auf Druck der Nationalsozialisten eingestellt werden, weil sich der Rektor von Bardel, P. Vitalis Boklage, weigert, das Kloster zu einer Nationalsozialistischen Lehrerbildungsanstalt zu machen. Seit der Gründung des Kollegs sind insgesamt 250 junge Franziskaner den Weg nach Brasilien gegangen. Am 5. Oktober 1939 werden alle noch verbliebenen Ordensleute - 7 Patres und 25 Brüder - in einer Blitzaktion von der Gestapo (Geheime Staatspolizei) des Hauses verwiesen. Gebäude und Ländereien werden enteignet. Es wird eine Flak- und Versorgungseinheit einquartiert.

0. Lehrerbildungsanstalt im Kloster Bardel
m Sommer 1940 bezieht eine Gruppe von Schülern eines staatlichen Aufbaulehrgangs das Kloster Bardel. Diese sollen auf das Studium an der "Hochschule für Lehrerbildung" vorbereitet werden. Im August 1942 wird der Aufbaulehrgang - wie überall - in eine "Nationalsozialistische Lehrerbildungsanstalt" (LBA) umgewandelt. Schüler mit gutem Volksschulabschluss sollen hier im Internatsbetrieb auf den Beruf des Volksschullehrers vorbereitet werden. Die Ausbildung soll fünf Jahre dauern und mit der Ersten Lehrerprüfung abschließen. Über diese Zeit berichtet ausführlich ein Beitrag der Geschichtswerkstatt Bad Bentheim unter Federführung von Hubert Titz im Bentheimer Jahrbuch 1995, Das Bentheimer Land, Band 133, auf den Seiten 85 bis 94: "Das Kloster Bardel als ´Lehrerbildungsanstalt` 1940 bis 1945 während des Nationalsozialismus in Deutschland".

11. Schulen in der Kriegszeit ab 1939
Die Kriegszeit ist gekennzeichnet durch Lehrermangel wegen der Einberufung von Lehrkräften, Abordnungen zum Ausgleich des Unterrichtsfehls, Mangel an Heizmaterial, ständigen Fliegeralarm in den letzten Jahren und Belegung der Schulgebäude. Hierzu einige Berichte:

Mittelschule Bentheim: "Die Kriegszeit ist gekennzeichnet durch häufige Fliegerangriffe, Heilkräuter- und Altmaterialsammlungen. Wegen Mangels an Heizmaterial ist der Unterricht im Winter 1942/43 im Gebäude nicht mehr möglich, so dass eine Auslagerung zur katholischen Volksschule erfolgen muss. Ab 17.10.1944 muss die Schule teilweise für die Unterbringung des Volkssturmes und dann von Fremdarbeitern, die zum Bau einer Verteidigungsstellung eingesetzt sind, geräumt werden. Ab Januar 1945 werden ein Lazarett für verwundete deutsche Soldaten, nach der Kapitulation ein russisches Lazarett eingerichtet".

Volksschule Bentheim: "Die Durchführung eines ordnungsgemäßen Unterrichts ist wegen der dauernden Fliegeralarme nicht mehr möglich, so dass die Schüler ständig nach Hause geschickt werden müssen. Mit Einwilligung der Eltern unterrichtet Konrektor Ribbink seine Abschlussklasse zu Hause, Mädchen und Jungen im täglichen Wechsel. Mehrere Klassenräume der Schule werden zweckentfremdet mit Volkssturmmännern belegt, die rund um Bentheim Schanzarbeiten durchführen müssen" (nach Auskünften der Tochter von Herrn Ribbink).

Burgschule Nordhorn: " Wie im 1. Weltkrieg erfolgen auch jetzt Altstoff- und Heilkräutersammlungen. Vom 21.2. bis 9.3.1942 fällt der Unterricht aus Mangel an Brennmaterial aus. Um auch in der Erziehungsarbeit die Kräfte gemäß den Erfordernissen der Kriegsverhältnisse restlos einzusetzen, wird die Pflichtstundenzahl für Lehrer auf 32, Lehrerinnen auf 30 und Rektoren auf 20 erhöht. Am 4.11.1944 werden der Zeichensaal, die Schulküche, das Lehrerzimmer und das Kartenzimmer für die Wehrmacht beschlagnahmt. 14 Tage später, am 20.11., belegt die Luftwaffe sämtliche Klassenräume. Die Lehrkräfte werden zu anderen Tätigkeiten, z.B. im Bahnhofsdienst oder in der Stadtverwaltung herangezogen".

Gymnasium Nordhorn: "Der Alltag des Schullebens wird durch Fliegeralarm und Falkhelferdienst beeinträchtigt. Der Unterricht beginnt, wenn der Fliegeralarm nicht schon vorher einsetzt, um 7 Uhr; am Anfang der Stunde gibt der Lehrer die Hausaufgaben, denn um 8 1/2 Uhr kommt meistens Fliegeralarm. So besteht die Schule aus viel  Hausaufgaben und wenig Unterricht.
Einige Klassen werden nach Bentheim, Neuenhaus und Neuenhaus ausgelagert. Im Herbst 1943 wird Englisch als Fremdsprache aus dem Lehrplan gestrichen, da laut Führer und Partei nach dem "Endsieg" Deutsch Weltsprache werden soll. Im Frühjahr 1945 werden die Oberprimaner ohne Prüfung mit einem Reifevermerk aus der Schule entlassen, bevor sie das Abitur machen konnten. Sie werden zum Kriegsdienst eingezogen; von 31 Jungen fallen 17, einige nicht älter als 17 Jahre. In den letzten Kriegsmonaten ist das Schulgebäude durch Rot-Kreuz-Einheiten belegt. Nach Kriegsende sind in den Gebäuden zeitweise Besatzungstruppen untergebracht. Am 8. Dezember 1945 beginnt der Unterricht für die Jahrgänge, die infolge des Krieges nicht das Reifezeugnis oder den so genannten "Vorsemestervermerk" erlangt hatten. Der übrige Unterricht beginnt erst 1946."